Zeitung Heute : Der Alte Fritz im neuen Bronzerock

Der Tagesspiegel

Von Steffi Bey

Friedrichshagen. Eigentlich soll keiner dem anderen die Show stehlen. Der Alte Fritz nicht dem Hauptmann von Köpenick und umgekehrt. So will es Spartak Babajan. Für den armenischen Künstler, der seit Jahren in Amerika lebt, sind beide Figuren gleichwertig: Historische Persönlichkeiten in Bronze gegossen.

Nachdem der 69-Jährige vor sechs Jahren das erste Mal in Köpenick seine Spuren hinterließ und die Statue des Hauptmanns von Köpenick schuf, begann er jetzt mit den Arbeiten am Preußenkönig Friedrich II. Spartak Babajan erhielt gemeinsam mit der Bildgießerei Seiler aus Schöneiche den Zuschlag für das besondere Projekt. Es ist ungewöhnlich, weil es ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Und es soll Friedrichshagen zum 250. Jubiläum im kommenden Frühjahr sein einstiges Ortsbild zurückgeben. Denn am Marktplatz an der Bölschestraße gab es schon einmal ein Standbild des Alten Fritz. Es wurde 1904 aufgestellt, aber im Sommer 1945 von einigen Einheimischen vom Sockel gestoßen. So wird es jedenfalls von Mitarbeitern des Köpenicker Heimatmuseums erzählt. Sie fanden auch heraus, dass die Figur des Bildhauers Görling eine Weile im Kindergarten hinter der Friedrichshagener Kirche lagerte. Als sich aber irgendwann Erzieherinnen über die „Gefahrenquelle“ beschwerten, fiel das Standbild vermutlich einer Buntmetallsammlung zum Opfer.

Übrig geblieben sind nur ein paar Fotos. „Zu wenig, um danach eine künstlerisch wertvolle Statue zu schaffen“, findet Spartak Babajan. Deshalb sucht er in Deutschland noch mehr Spuren. Seit einigen Tagen ist er in Berlin. Zusammen mit seinem Freund Wolfgang Gerber, dem langjährigen Betreiber des Müggelturm-Areals, durchstöbert er Berliner und Brandenburger Archive und Museen. „Am schwierigsten lässt sich das Gesicht des Königs darstellen“, sagt der Künstler lächelnd. Denn auf der vorliegenden Abbildung erscheint es nur unscharf. Doch Babajan will dem Alten Fritz möglichst den Gesichtsausdruck verleihen, den er vermutlich im Jahre 1753 hatte, als er das heutige Friedrichshagen als „Friedrichsgnade“ gründete.

Babajan und Gerber sind davon überzeugt, dass der „Alte Fritz“ mit 41 Jahren, noch nicht so hager war, wie man ihn von Bildern und Denkmälern kennt. Der Köpenicker hat jetzt in einem alten Kunstband die Totenmaske des Preußenkönigs entdeckt. Danach will Babajan die Knochenstruktur des Alten Fritz und damit sein Aussehen ableiten. „Das gelingt mir bestimmt“, sagt der eher zurückhaltend wirkende Künstler optimistisch. Schließlich hat er in seinem Leben schon genügend Erfahrungen gesammelt.

Nachdem er Ende Anfang der 60er Jahre zunächst in Armenien Bildhauerei, Architektur und Malerei studierte, schuf er mehr als 20 Jahre lang vor allem Denkmäler und Statuen im Süden der Sowjetunion. Als „Maler der Perestroika“ wurde er 1991 auch im Ausland bekannt. Wolfgang Gerber lernte ihn zufällig bei einem Moskau-Besuch kennen. Und so entstand die besondere Beziehung Babajans zu Köpenick. „Ich habe vor sechs Jahren mit der Hauptmann-Figur ein Stück meiner Seele in Köpenick gelassen“, sagt er rückblickend und mit Stolz. Weil ihm die Arbeit in Berlin gefiel, zögerte er auch nicht lange, als er von dem König-Projekt erfuhr. Wolfgang Gerber hatte ihn telefonisch in seiner neuen Heimat Kalifornien darüber informiert. Und ihm auch gleich „gesammelte Werke“ über den König geschickt. So konnte der Künstler sein Angebot erarbeiten und gewann letztendlich die Ausschreibung.

Aus Amerika hat er jetzt zwei etwa 30 Zentimeter große Modelle mitgebracht. Er wird bis Mitte April in der Bildgießerei Schöneiche noch ein etwa ein Meter großes Modell fertigen. Erst danach beginnt die Arbeit am drei Meter hohen „Hauptwerk“. Im August will er damit fertig sein. Bis dahin wohnt er bei seinem Freund Wolfgang Gerber auf den er praktisch angewiesen ist. Denn der bringt ihn täglich zur Gießerei und übersetzt auch, denn Babajan spricht nur Russisch und Armenisch.

Verständigungsprobleme mit den Kollegen in der Werkstatt wird es kaum geben, sagt der Künstler. „Denn wie vor sechs Jahren, werden wir uns mit Händen und Füßen unterhalten.“ Schon im Mai vergangenen Jahres wurde auf dem Marktplatz in Friedrichshagen der Grundstein für das neue, alte Denkmal gelegt. Bislang kamen rund 40 000 Euro, etwas mehr als die Hälfte der erforderlichen Kosten, zusammen. Gespendet von Unternehmen, Einzelpersonen und Geschäftsleuten.

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