Zeitung Heute : Der amerikanische Albtraum

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Knorrige Cowboys am Lagerfeuer, Kaffee aus der Blechkanne und am Horizont die wilden Mustangs – ein amerikanischer Traum. Und eine Szene, wie sie unrealistischer kaum sein könnte. Denn Mustangs werden heute in der kalifornischen Wüste per Hubschrauber zusammengetrieben, in Fallen gefangen – und sie enden zum großen Teil in kanadischen Schlachthöfen. Der Berliner Journalist Klaus Schwagrzinna ist dem Schicksal der Wildpferde in einer aufwändigen Recherche nachgegangen, die unter dem Rubrum „ARD exclusiv“ am Freitag im Ersten um 21 Uhr 50 ausgestrahlt wird („Mustangs in den USA – geschützt, gejagt, geschlachtet“).

Der Bericht, eine der rar gewordenen investigativen Reportagen im deutschen Fernsehen, forscht hinter den Kulissen eines vermeintlich tierfreundlichen Systems: Die streng geschützten Mustangs, die sich angeblich zu stark vermehren, werden von den zuständigen Behörden eingefangen, gekennzeichnet und für einen Stückpreis von 120 Dollar an Privatleute verkauft. Doch die Amateure kommen mit den wilden, ängstlichen und aggressiven Pferden in der Regel nicht zurecht, und so bleibt am Ende nur der halblegale Verkauf an den Fleischmarkt, über den alle Beteiligten peinlich schweigen.

Schwagrzinna hat mit Insidern gesprochen, hat einen Transport nach Kanada verfolgt und schockierende Videos von Tierschützern eingebaut. Die Pointe des Mustang-Systems steht am Rande: Kein Amerikaner mag Pferdefleisch. So sind es Franzosen, Belgier und Deutsche, die am Ende die amerikanischen Mustangs aufessen… bm

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