Zeitung Heute : Der Anteil der Großen steigt unaufhaltsam

gws

Die Großen werden größer, für manchen Kleinen wird die Luft dünner. Allem Sand im Getriebe der deutschen Wirtschaft zum Trotz ist das Geschäft mit der Pauschalreise auch im soeben abgelaufenen Jahr - wieder einmal - erheblich gewachsen. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Gewinner waren im Touristikjahr 1998/99 die sieben Großveranstalter, deren Marktanteil auf 83 Prozent gestiegen ist, wie die Fachzeitung "FVW International" aus Hamburg in ihrer jetzt veröffentlichten Jahresbilanz über die Ergebnisse deutscher Reiseveranstalter berichtet. Die 52 Veranstalter, die der FVW-Analyse zu Grunde liegen, verzeichneten mit insgesamt 27,4 Millionen Teilnehmern ein Plus von 9,5 Prozent. Der Umsatz kletterte um fast neun Prozent auf 28,3 Milliarden Mark.

Das Marktwachstum im Reisejahr 1998/99 (31. Oktober) wird nach Angaben der Fachzeitung vor allem von den sieben Großveranstaltern getragen. Mit jeweils einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Mark haben sie ihren Marktanteil von 81 auf nun 83 Prozent gesteigert. Der Markt wird immer stärker von den Konzernen beherrscht. Unter den umsatzstärksten 20 Unternehmen sind nur noch fünf Veranstalter zum unabhängigen Mittelstand zu zählen.

An der Rangfolge der Großveranstalter hat sich nichts verändert. Die TUI liegt mit einem Umsatz von 7,6 Milliarden Mark und 6,04 Millionen Teilnehmern unangefochten an der Spitze, gefolgt von C & N (6,4 Mrd. und 5,88 Mio.). Gemessen am Umsatz liegt die LTU Touristik mit 2,9 Milliarden Mark zwar an dritter Stelle, weist jedoch mit 2,61 Millionen Gästen weniger Teilnehmer auf als Dertour (1,8 Mrd. Umsatz) mit 2,92 Millionen. Dann folgt der Aufsteiger der vergangenen Jahre, Frosch Touristik International FTI aus München mit 1,6 Milliarden Mark Umsatz bei 1,93 Millionen Buchern. Die weitere Reihenfolge: ITS (1,5 Mrd., 1,5 Mio. Gäste) und Alltours mit 1,3 Milliarden Mark bei 1,02 Millionen Teilnehmern. Diese Reihenfolge dürfte eingehalten werden, außer dass sich der Rewe-Konzern mit seinen nunmehr zwei Veranstaltermarken Dertour und ITS auf Rang drei bei Umsatz und Teilnehmerzahl schieben wird.

Nummer Eins der mittelgroßen Veranstalter mit einem Umsatz von weniger als einer Milliarde Mark ist weiterhin die Öger Gruppe mit 769 Millionen Mark (750 000 Teilnehmer). Der Abstand vor dem dann Zweitplazierten Studiosus (372 Mrd. Mark, 100 820 Teilnehmer) ist allerdings schon recht deutlich.

Auch zwei Berliner Veranstalter tauchen unter den 52 umsatzstärksten Reiseunternehmen auf: Windrose Fernreisen und Lernidee Reisen. Gemessen an den Großen der Branche nehmen sich die Zahlen der beiden zwar geradezu mickrig aus. Windrose erzielte mit 4221 Teilnehmern allerdings einen Umsatz von 27,3 Millionen Mark - und nimmt damit in der Statistik "Umsatz pro Teilnehmer" Platz Eins ein, noch vor dem Kreuzfahrtgiganten Hapag-Lloyd. Und auch Lernidee Reisen verkauft ein hochwertiges Produkt und kann bei 4240 Teilnehmern und einem Umsatz von 12,2 Millionen Mark auf einen durchschnittlichen Umsatz pro Teilnehmer von immerhin 2877 Mark verweisen. Ein Wert, der weit über dem Branchendurchschnitt von 1031 Mark liegt. Unter diesem Mittelwert liegen Veranstalter wie Öger, ITS, FTI, ADAC oder Ameropa, wobei die beiden Letztgenannten zum großen Teil Ziele in Deutschland mit Eigenanreise anbieten und deshalb mit Fernreisespezialisten nicht vergleichbar sind.

Für das bereits laufende Tourismusjahr sagen die Marktteilnehmer nahezu übereinstimmend voraus, dass sie von einem ausgesprochenen Spätbucherverhalten ausgehen. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Anbieter von hochpreisigen Reisen haben nichts mit kurzfristigen Buchern zu tun und berichten, wie etwa Studiosus, von einem lebhaften Buchungsgeschäft. Einen erbitterten Preiskampf und ein scharfer Wettbewerb um das Hotelbett findet insbesondere in den Massenzielen statt. Hier sind alle Veranstalter nach Kräften bemüht, für ihre gesicherten Flugkontingente eigene Bettenkapazitäten zu schaffen. Unter dem Strich fallen die Prognosen der Veranstalter zwar positiv, jedoch nicht so euphorisch wie in den Vorjahren aus. Das Fachblatt kommt zu dem Schluss, dass sich die hohen Zuwächse des abgelaufenen Touristikjahres im nachfolgenden kaum wiederholen lassen.

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