Der Architekt Alfred Messel : Übervater der Gründerzeit

Zum 100. Todestag bietet die Kunstbibliothek eine Werkschau des Berliner Architekten Alfred Messel.

Christina Tilmann

Natürlich ist er in Berlin berühmt: Mit dem Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz hat er die moderne Kaufhausarchitektur von Paris in die Stadt gebracht, mit dem Pergamonmuseum hat er den Schlussstein der Museumsinsel gesetzt – und dessen Eröffnung, nach ewig langer Bauzeit, nicht mehr erlebt: Alfred Messel ist 1909 gestorben. Wenn nun, zum 100. Todestag, zunächst im März 2009 ein Symposium in der Bauakademie und jetzt eine Ausstellung der Kunstbibliothek und des Architekturmuseums der Technischen Universität angesetzt werden, erwartet man dennoch neue Aspekte, einen neuen Blick auf diesen Übervater der Gründerzeit. Ein Konservativer oder ein Visionär, ein Architekturstar oder ein doch zeitgebundener Planer: Was war Alfred Messel? Was ist er uns heute?

Auf zwei Etagen werden in der Kunstbibliothek nun zwei Bereiche gezeigt: die „Bauten für die Großstadt“ und die „Bauten für die Kunst“. Überschneidungen sind programmiert: So sind die Villen und Landhäuser (Großstadt) oft auch Bauten für bedeutende Sammler und Mäzene, die eine Etage tiefer (Kunst) gewürdigt werden. Und was wäre die Konzeption des Pergamonmuseums, direkt an der Berliner S-Bahn, was die Planung für das Weltausstellungsgelände in Paris anderes als großstädtische Gestaltung? Mit am spannendsten dürfte die Abteilung zur Messel-Rezeption werden. Da das Architekturmuseum der TU den Messel-Nachlass mit rund 1800 Entwurfszeichnungen und Plänen aus Messels Büro besitzt, dürfte zumindest genug Bildmaterial zur Verfügung stehen. Ob das für eine Messel-Renaissance reicht?

Kunstbibliothek, Mi 4.11. bis So 7.2.,  Di-So 10-18 Uhr, Do bis 22 Uhr, 8 € erm. 4 €

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