Zeitung Heute : Der Ausgang der Abgeordnetenhauswahl wird im Web zum Spekulationsobjekt

Markus Ehrenberg

Am 10. Oktober dürfen die Berliner über die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses abstimmen - gewählt werden aber kann bereits jetzt. Sieben Wochen vor dem Wahltag eröffnet der Tagesspiegel im Internet seine virtuelle Parteienbörse. Unter www.wahlstreet.de können von eingetragenen Händlern (fiktive) Parteien-Aktien verkauft und gekauft werden. Erfolg oder Misserfolg messen sich daran, wessen Einschätzung am besten mit den tatsächlichen Wahlergebnissen übereinstimmen.

Wahl$treet ist somit ein Spiel - und ein ernsthaftes Prognoseinstrument, das die Stimmungen vor der Wahl recht gut widerspiegelt. Die Prognosen von Wahl$treet zur Bundestagswahl waren besser als die meisten Umfrageergebnisse der Meinungsforschungsinstitute. Geht es nach dem aktuellen Börsenstand vom 26. August, 13 Uhr 30, hat die CDU in Berlin mit einem Kurs von 37, 99 die Nase vorn, weit vor der SPD (22, 95), der PDS (15, 69), den Grünen (10, 99) und der FDP (5, 14).

Gehandelt wird in einer eigenen Währung, dem Wahl-Euro (WE). 1000 WE entsprechen 1 Euro. Während des freien Handels ergeben sich die Preise der Parteien-Aktien wie an der echten Börse auch, im Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Ein Beispiel: Wer glaubt, die CDU sei in Berlin für 40 Prozent gut, und die CDU-Aktie werde also am Tag der Wahl 40 WE wert sein, wird bei Wahlstreet gern teurer an einen anderen Händler verkaufen (für 42 WE zum Beispiel). Oder, anders herum: Man muss jemand finden, der CDU-Aktien für günstige 37 WE abgibt. Ausgezahlt wird am Wahltag. Wenn der Wahlleiter das vorläufige amtliche Endergebnis bekannt gibt, steht der Auszahlungskurs fest. Jede Aktie ist dann genau so viele Wahl-Euro wert, wie die jeweilige Partei an Stimmprozenten erhalten hat.

Die Anmeldung mit Passwort und Bankkontoverbindung erfolgt über die Web-Seite www.wahlstreet.de . Für jeden angemeldeten Händler verwaltet Wahl$treet intern ein Konto. Der maximale Einsatz beträgt 50 Euro. Dann kann der Aktienhandel beginnen. Zurzeit beteiligen sich bereits 510 Händler an der virtuellen Parteienbörse. Der derzeit beste Händler, Mr. X, (Name anonymisiert) hat 636 Prozent Rendite. Ob Mr. X wohl SPD-Aktien gekauft hat?

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