Zeitung Heute : Der Bahn-Streik ist abgesagt

Die S-Bahnen in Berlin fahren trotz Einigung zunächst nach dem Notfahrplan – Seite 7 Unternehmen einigt sich mit Lokführern und anderen Gewerkschaften / GDL-Chef Schell: Wir sind durch Busse und U-Bahnen werden weiter bestreikt. Der Ersatzverkehr im Überblick – Seite 8 Der Frust der Berliner: Wagen demoliert, BVG-Mitarbeiterbeschimpft – Seite 7 und 8

Juliane Schäuble

Berlin - Der für diesen Montag angekündigte Streik bei der Bahn ist abgewendet. Nach monatelangen Verhandlungen mit den drei Bahngewerkschaften GDL, Transnet und GDBA teilte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Sonntagnachmittag in Berlin mit, der Tarifstreit sei gelöst worden. Es sei mit den Gewerkschaften eine abschließende Einigung über das künftige Tarifwerk erzielt worden. Danach werde es einen eigenständigen Lokführer-Tarifvertrag geben, der sich „konflikt- und widerspruchsfrei in das Tarifwerk der Bahn einfügt“. Mehdorn sagte, damit sei „der schwierigste Tarifkonflikt in der Geschichte der Bahn zu einem guten Ende geführt worden“. Dies sei eine gute Nachricht für die Bahn-Kunden und den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Streik ist nicht mehr notwendig.“ Das Ergebnis werde auch für die kommenden Jahre Ruhe bringen.

Die Lokführer hatten ab Mitternacht bundesweit unbefristet sämtliche Transportbereiche der Bahn bestreiken wollen. Das was angekündigt worden sei, werde aber nicht stattfinden, sagte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, „wir sind durch.“

Die GDL hatte einen Kooperationsvertrag mit den anderen Gewerkschaften bei der Aushandlung des Basistarifvertrags abgelehnt, da sie dadurch ihre Eigenständigkeit gefährdet sah. Bahn-Vorstand Margret Suckale hatte dazu einen neuen Vorschlag gemacht, über den am Samstag und Sonntag beraten wurde. Bei den Verhandlungen am Sonntag verpflichteten sich die GDL sowie die Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA nun, die Tarifverträge der jeweils anderen Gewerkschaft anzuerkennen. Dies hatte die Bahn zur Bedingung gemacht, damit sie den mit der GDL fertig ausgehandelten Entgelt-Tarifvertrag mit elf Prozent Einkommensplus unterschreibt.

Die Einigung stehe allerdings noch unter einem „Gremiumsvorbehalt“, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen. „Die Tarifkommissionen müssen darüber befinden.“ Er sei aber sicher, dass dies bis Freitag organisierbar sei. „Wir setzen uns dafür ein“, sagte Hansen.

Unklar blieb zunächst, ob Pendler und Fernreisende nach der Absage des Lokführerstreiks an diesem Montag mit normalem Zugverkehr rechnen durften. „Wir wollen möglichst nach normalem Fahrplan fahren“, kündigte Bahnchef Mehdorn an. Zuvor allerdings hatte die Bahn angekündigt, dass am Montag auch ohne Streik im Fern- und Regionalverkehr nur die stark reduzierten Notfahrpläne gelten sollten. Wie ein Bahnsprecher erklärte, ließen sich die streikbedingt umgestellten Personalplanungen nicht innerhalb weniger Stunden komplett ändern. Der Ersatzfahrplan würde bedeuten, dass im Fernverkehr oft nur jeder zweite Zug fährt.

Die S-Bahn in Berlin, die zur Deutschen Bahn gehört, bietet zunächst auch nur einen reduzierten Fahrplan an. Die meisten S-Bahn-Linien fahren im Stundentakt, was auf der Stadtbahn eine Zugfolge von 15 und auf dem Ring von 30 Minuten bedeutet. Zudem wird der Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) fortgesetzt. U-Bahnen und Straßenbahnen sowie die meisten Busse bleiben in den Depots.

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