Zeitung Heute : Der Bahnhof als Bühne

Vor dreißig Jahren kam richtig Zug in die Fußgängerzone: Seit 1978 hält hier die U-Bahn

Auf den Tag genau dreißig Jahre ist es heute her, seit der U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße im Zuge der Nord-West-Verlängerung der Linie U 7 Richtung Spandau eröffnet wurde – am 28. April 1978.

Das Ereignis wurde groß gefeiert, zumal an diesem Tag auch der erste Teilabschnitt der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße eingeweiht wurde. Der „Sender Freies Berlin“ berichtete in einer dreistündigen Sondersendung von dem West-Berliner Ereignis. Rund 20 000 Berliner drängten über das von Kant- bis zur Pestalozzistraße neu verlegte Pflaster. Zum Dritten wurde die neue Teilstrecke der U-Bahnlinie 7 zwischen Fehrbelliner und Richard-Wagner-Platz freigegeben. „Die Genehmigungsurkunde ist 90 Jahre bis zum 28. April 2068 gültig“, vermerkte der Tagesspiegel in seiner Ausgabe vom 29. April 1978.

Der Bau des U-Bahnhofes Wilmersdorfer Straße begann am 2. Januar 1974 nach Plänen des Architekten Rainer G. Rümmler, der die meisten der Nachkriegsneubauten der Berliner U-Bahn entworfen hatte. Die Bedeutung, die Alfred Grenander für die zweite Entwicklungsepoche der Berliner Hoch- und Untergrundbahn erlangte, fiel in der dritten Epoche Rümmler zu. Er gestaltete annähernd von Mitte der 1960er bis Mitte der 1990er alle neu erbauten U-Bahnhöfe. Kritiker der Rümmler-Bauten bemängelten, dass die Räume eher an Theaterkulissen als an Verkehrsbauten erinnerten. Eine Kritik, die man auch mit Blick auf die grobmaschigen Mosaiken im U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße nachvollziehen kann. Alle zwischen 1966 und 1984 eröffneten Stationen bis Rathaus Spandau hat Rümmler gestaltet. Der Abschnitt der U-Bahn-Linie füllte sich „mit angehefteten Ornamenten, wilden Mustern, und grellen Farben“, beklagte Tagesspiegel-Kritiker Falk Jaeger: „Warum lässt er all die Sternchen, Blümchen, Bäumchen, Tiere und Sonnen, mit denen er eine beispiellose Infantilisierung der Berliner Bahnhofsarchitektur bewirkt hat, in einer Kakophonie von Farben und Formen verschwinden?“

Rümmler richtete im U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße ein Verteilergeschoss ein, damit die viel befahrene Kantstraße von Fußgängern unterquert werden kann – ohne dass sie den Gleisbereich der U-Bahn berühren. Auch aus Kostengründen hatten sich die politisch Verantwortlichen damals dafür entschieden, dass die Wilmersdorfer Straße auch als Fußgängerzone von dem Autoverkehr der Kantstraße durchschnitten wird.

Der Rohbau des neuen Haltepunktes wurde am 20. September 1976 abgenommen. Darin findet sich ein besonderer Abschnitt unter der Kantstraße. Auf einer Länge von 25 Metern wurden im Bereich des Bahnhofs die Außenwände verstärkt und Tragwerke integriert, so dass dieser Abschnitt als unterirdische Brücke überfahren werden könnte, sollte hier einmal eine Bahnstrecke unter der Kantstrecke vorgetrieben werden. Im Jahr 2006 wurde der Bahnhof grundrenoviert.

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