Zeitung Heute : Der Berliner Markt hat sich etwas erholt - aber außerhalb des Speckgürtels siedeln höchstens Speditionen

Harald Olkus

Für Investoren auf der Suche nach einem passenden Standort bietet der neue "Gewerbepark-Führer" eine Übersicht über das bestehende AngebotHarald Olkus

Während der Berliner Markt für Gewerbeimmobilien im vergangenen Jahr wieder etwas angezogen hat, bleibt die Situation im Nachbarland Brandenburg weiter schwierig. Im Prinzip habe sich seit der Bestandsaufnahme des vergangenen Jahres wenig geändert, sagt Aengevelt-Marktbeobachter Rolf Scheffler. Damals waren durchschnittlich 56 Prozent des verfügbaren Flächenangebotes im direkten Berliner Umland belegt. Aengevelt-Research hatte die Grundstücksverkäufe in 112 Gewerbegebieten ab einer Größe von 10 Hektar und damit 85 Prozent der im näheren Berliner Umland liegenden Gewerbeflächen aufgenommen. "Seither hat es sicherlich regionale Zuwächse gegeben, Verkäufe im großen Stil sind mir aber nicht bekannt", sagt Scheffler.

Die Nachfrage werde hauptsächlich von Firmen aus der Logistik-Branche dominiert. Die vom Land geförderten Güterverkehrszentren (GVZ) scheinen deshalb immer wieder Abnehmer zu finden. Dies treffe allerdings weniger für Wustermark und Freienbrink als für Großbeeren zu, obwohl die Bahn AG dort im September den Betrieb ihres Kombiverkehrsterminals eingestellt hat, mit dem Waren vom Lkw auf die Schiene verlagert werden sollten. Die Situation der GVZ kann auf das ganze Land übertragen werden: Westlich von Berlin besteht laut Scheffler immer noch ein großer Angebotsüberhang, die Gewerbegebiete im Norden seien recht gut ausgelastet, wohingegen die Flächen im Osten nur schleppend Käufer finden. Die Situation im Süden sei "differenziert". Manche Gewerbegebiete seien "recht gut gefüllt", bei anderen gehe es sehr schleppend. "Investoren im Umland kaufen lieber ihre Flächen." Die Nachfrage sei bei Aengevelt aber generell sehr schwach gewesen, sagt Scheffler. "Das liegt sicherlich aber auch daran, dass sich die Interessenten mittlerweile weniger an Makler als direkt an die Gewerbegebietsentwickler wenden."

Für Investoren auf der Suche nach einem passenden Standort bietet der neue "Gewerbepark-Führer" eine Übersicht über das bestehende Angebot. Die 250 Seiten starke Broschüre wurde vom Berliner Verlag "Spree-Presse-Büro" in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Brandenburgs herausgebracht. Sie stellt 64 ausgewählte Gewerbegebiete in den 18 kreisfreien Städten und Landkreisen Brandenburgs vor. Die geographische Lage sowie Geschichte und touristische Attraktionen der Kreise werden kurz beschrieben und durch eine Tabelle mit den wichtigsten Strukturmerkmalen der Region ergänzt.

Die Darstellung der Gewerbegebiete umfasst alle wichtigen Angaben für Investoren, wie eine genaue Lagebeschreibung, die Gesamtfläche, den Planungs- und Erschließungsstand, die erlaubte Bauhöhe sowie Verkehrsanbindung, Steuerhebesätze und angesiedelte Branchen. Des weiteren sind Ansprechpartner und Grundstückspreise aufgeführt. Der Gewerbepark-Führer erscheint zweisprachig in Englisch und Deutsch und wird nach Angaben des Verlags weltweit vertrieben. Leider sind in der Broschüre keine Angaben über die Auslastung der Gewerbegebiete und die regionale Verteilung zu finden. Doch selbst dann böte der "Gewerbepark-Führer" keinen vollständigen Überblick - er beschreibt nur 64 der insgesamt 260 Gewerbegebiete Brandenburgs.

Auch bei der Landesregierung in Potsdam ist keine aktuelle Zusammenstellung über die Auslastung der Gewerbegebiete erhältlich. "Die letzte vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie ist schon fast fünf Jahre alt", sagt Volker Härtel, Pressesprecher der Wirtschaftsförderung Brandenburg GmbH. "Wir haben im vergangenen Jahr etwa 60 bis 70 Unternehmen angesiedelt, ein Zufluss ist also da. Allerdings ist es im Vergleich zu den Vorjahren schwieriger geworden."

Es sei jedoch schwer, eine flächendeckende Einschätzung abzugeben. Noch immer besteht ein deutliches Gefälle zwischen dem "Speckgürtel" und Berlin-ferneren Regionen. Das Verhältnis der Ansiedlungen beträgt etwa 60 zu 40. Die Investoren orientieren sich auf der Suche nach einem Standort hauptsächlich an den Hauptverkehrsachsen. Die erfolgreichsten Regionen sind Potsdam Mittelmark und Teltow-Flämig, auch die Kreise Oberhavel und Havelland haben Zuwächse zu verzeichnen. Schlusslichter sind die ländlich strukturierten Kreise an der Peripherie, wie die Uckermark, Barnim, Oberspreewald-Lausitz und Ostprignitz-Ruppin. Eine Ausnahme sei die Prignitz, wo die Wirtschaftsförderer von Land, Kreis und Kommunen ein Holzverarbeitungszentrum etablieren wollen. Bei Wittenberge soll eine ganze Verarbeitungskette vom Sägewerk bis zum Möbelhersteller aufgebaut werden.

Wie in Wittenberge versucht die Wirtschaftsförderung des Landes auch in anderen Regionen branchenorientiert Investoren zu akquirieren. "Wir haben etwa 20 Standorte ausgewählt, die wir verstärkt betreuen", sagt Härtel. Kleinere und mittelständische Weiterverarbeitungsbetriebe oder Zulieferer sollen an bereits bestehende industrielle Kerne "angedockt" werden. Beispiele für solche Kerne sind Großbetriebe wie die BASF in Schwarzheide, Daimler Chrysler in Ludwigsfelde, Motorola in Frankfurt / Oder und die Raffinerien in Schwedt. "Denn die meisten Unternehmen suchen nach Gewerbegebieten, die zu ihnen passen und sind deshalb schwer auf der Landkarte zu schieben", sagt Härtel. So werden es einige Landkreise weiterhin schwer haben, die bereits erschlossenen Gewerbegebiete zu füllen. Die Kommunen bleiben vorerst auf ihren beleuchteten Äckern sitzen.

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