Zeitung Heute : Der Bettenbaron

An diesem Donnerstag eröffnet das „Hotel de Rome“. Es könnte die teuerste Herberge Berlins werden. Na und?, sagt Hotelier Sir Rocco Forte

Matthias Oloew

Er wird als Erster wissen, wie es ist, im „Hotel de Rome“ zu übernachten. In der Nacht vor der Eröffnung am Donnerstag ist Sir Rocco Forte, einer der berühmtesten Hoteliers der Welt, sein eigener Gast.

Das „Hotel de Rome“ hat fünf Sterne – und es wird das 13. Haus in Sir Rocco Fortes kleinem Imperium sein. Es besteht ausschließlich aus Hotels, für die die offizielle Bewertungsskala eigentlich zu wenig Sterne zu bieten hat. Forte, den die britische Königin wegen „seiner Verdienste für den Tourismus“ in den Adelsstand erhoben hat, würde sein Imperium deshalb auch nie als Hotelkette bezeichnen. Er nennt es lieber „Forte Collection“.

Am Dienstag ist er in Berlin eingetroffen, neuerdings trägt der Hotelsammler einen Bart. „Ich habe mich im Urlaub einfach nicht rasiert“, sagt er. Der Urlaub ist auch der Grund, warum er das fertige „Hotel de Rome“ bisher noch nicht gesehen hat; Sir Forte gehört zu den gelassenen Zeitgenossen. Dann hält er vor den etwa 150 Angestellten zunächst einmal eine Ansprache. Ein Thema ist der Blickkontakt. Wichtig! Wenn ein Gast die Hotellobby betritt, müsse er sofort wahrgenommen werden. Niemals solle ein Angestellter an einem Gast geschäftig vorbeihuschen, wie es in großen Hotels oft geschehe. „Sie können die schönsten Hotels bauen, aber wenn die Mitarbeiter nicht die richtige Einstellung haben, ist jedes Luxushotel tot“, sagt Forte nach Rede und Mitarbeiterlunch.

Im Innern des Hotels herrscht ein Mix aus rustikalen Elementen des ehemaligen Stammhauses der Dresdner Bank, Lampen und Möbel zitieren die 30er Jahre, Art Déco. Rocco Forte achtet auf Details. Etwa: Wie viel Platz haben meine Necessaires im Bad? Nach dem Rundgang durchs fertige Haus, einer Art Endkontrolle, wählt er eine Londoner Nummer. Die Designerin Olga Polizzi ist dran, seine Schwester. Sie hat die Inneneinrichtung mitentworfen und spricht mit Sir Rocco noch die Feinheiten ab.

Hotels sind für den Sir mehr als ein gutes Geschäft, sie sind eine Leidenschaft. Später, in der Hotelbar, wird er davon erzählen, er wählt diesen Satz: „Ich brauche Hotels“, sagt Rocco Forte. Früher habe er die Hälfte der Schulferien in den Hotels seines Vaters zugebracht, als Tellerwäscher oder Zimmerjunge. Die Hotellerie hat Tradition in der Familie, und auf Traditionen legen die Fortes wert. Das mag erklären, warum Sir Rocco vor zehn Jahren, da war er Anfang 50, nicht aufgab, als der Medienriese „Granada“ die weltumspannende Hotelkette schluckte, die ihm sein Vater kurz zuvor anvertraut hatte.

Die Übernahme hat geschmerzt. So sehr, dass Forte junior, der einen Konzern gelenkt hatte, mit einem kleinen Haus in Cardiff wieder anfing. „Als ich mit meinem Vater das Haus besichtigte“, erzählt Sir Forte, „fragte ihn jemand nach seiner Meinung und er sagte: Es wird viele Jahre brauchen, bis dieses Haus erfolgreich ist.“ Forte lächelt: „Mein Vater hatte recht.“ Die Ergebnisse des Hotels in Cardiff berauschen ihn bis heute nicht. Aber er hat es behalten.

Sir Rocco Forte weiß, dass es einen langen Atem braucht, um ein Hotel zum Erfolg zu führen. Gerade in Berlin. Nervös macht ihn der umkämpfte Hotelmarkt allerdings nicht: „Es wird zwei Jahre brauchen, bis wir das Haus dort haben werden, wo wir wollen“. Er lässt keinen Zweifel daran, wo das sein soll: ganz oben natürlich.

Er will dem Adlon den Rang ablaufen. Dafür setzt er auf persönlichen Service: „Das ist in unserem kleineren Haus viel besser möglich als im Adlon.“ Das „Hotel de Rome“ hat nicht einmal halb so viele Zimmer wie die Konkurrenz am Brandenburger Tor. Auf einen Preiskampf will er sich aber nicht einlassen: „So etwas mache ich nicht mit“, sagt er, „wer exzellenten Service bietet, muss den auch bezahlt bekommen.“ Und: „Wir müssen die Leute erziehen, diese Preise zu zahlen.“ Es sind Preise, die ein gutes Drittel über dem liegen, was Berlin gewohnt ist. Von 420 Euro aufwärts pro Nacht ist die Rede.

Am 20. November will Sir Rocco sein Hotel noch einmal feiern, morgens mit dem Durchschneiden eines roten Bands und abends mit einer großen Party. Ob es dann so opulent wird wie bei der Wiedereröffnung seines legendären „Brown’s“ in London? „Wir hatten etwa 1000 Gäste“, sagt er, alle eingeladen zu einer Feier, die er schlicht „Sir Rocco and Friends“ nannte. Einer, der zum Beispiel auf seiner Freundesliste steht, ist der britische Schauspieler Michael Caine. Die beiden verbinden gemeinsame Dreharbeiten. „Als Jugendlicher habe ich in Fernsehspielen mitgemacht“, erzählt Forte. Vor einigen Jahren trafen sich die beiden in einem Restaurant. „Michael Caine sagte: Hey, Sie sind doch Schauspieler. Ich antwortete: Ja, damals hatte ich die Sprechrolle, und Sie waren Statist. Caine lachte.“ Und auch Sir Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, will Sir Rocco Forte einladen: Der wurde mit ihm am gleichen Tag von der Queen zum Sir gemacht. Adel verbindet eben.

Die ersten Gäste, die im „Hotel de Rome“ übernachten, wird Sir Forte allerdings nicht persönlich begrüßen. Er verlässt das Haus am frühen Donnerstagmorgen. Kurz nach zwölf Uhr schließen seine Angestellten dann das erste Mal auf. Einfach so. Dann ist das 21. Luxushotel Berlins eröffnet.

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