Zeitung Heute : Der Boykott des Umberto Eco

Der Tagesspiegel

Der italienische Schriftsteller Umberto Eco („Der Name der Rose“) hat seine Landsleute zu einem Verbraucherboykott gegen Regierungschef Silvio Berlusconi aufgefordert. Bestreiken sollten sie allerdings nicht Berlusconis TV-Programme – seiner Holding Mediaset gehören 90 Prozent des privaten Fernsehens in Italien – sondern die Produkte, für die dort geworben wird. Demonstrationen auf der Straße machten auf die Regierung wenig Eindruck, schreibt Eco in einem Beitrag für die Tageszeitung „La Repubblica“.

„Welches effektive Mittel hat jenes Italien, das das Fernsehmonopol nicht will? Eine große wirtschaftliche Macht.“ Diese Macht zu nutzen sei einfach, schreibt Eco: „Ein Notizzettel neben der Fernbedienung genügt. Empfiehlt die Werbung Aldebarans Fischfilets? Dann kaufen wir im Supermarkt nur noch die von Andromeda.“ Die Herstellerfirmen würden daraus sehr schnell die Konsequenzen ziehen. Den Boykott der Sender Berlusconis könne er dagegen nicht empfehlen, schreibt Eco: Erstens wolle er selbst abends weiter einen schönen Film sehen können, ohne sich immer fragen zu müssen, wo der Kinobetreiber politisch steht. Zudem wolle er auch die Meinung der politischen Gegner kennen, selbst die der extremsten. Und schließlich führe ein Fernsehstreik, wenn er denn überhaupt möglich sei, nur zu völliger Uninformiertheit: „Das wäre ein bisschen so, als kastriere man sich, nur um die Ehefrau zu ärgern.“ ade

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