Zeitung Heute : Der Check für die Elektrik

In vielen Berliner Gebäuden rotten Kabel, Steckdosen und Sicherungen vor sich hin: Die Gefahr von Unfällen wächst. Elektrotechnische Handwerksbetriebe bieten fachmännische Sicherheitsüberprüfungen an – und appellieren an den Gesetzgeber, den so genannten E-Check zur Pflicht zu machen

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Von Heiko Schwarzburger Vermieter streichen lieber Miete ein, als dass sie investieren. Die öffentliche Hand kürzt die Mittel für die Instandsetzung von Kindergärten und Schulen. Und viele Besitzer von Eigenheimen schenken der Elektrik kaum Beachtung: In den Berliner Haushalten und öffentlichen Gebäuden verursacht sie zunehmend Unfälle und wirtschaftliche Verluste.

„In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Brände aufgrund von Defekten in elektrischen Anlagen dramatisch gestiegen“, sagt Constantin Rehlinger, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes der elektrotechnischen Handwerke in Berlin und Brandenburg. Rund 1500 Betriebe mit knapp 10 000 Mitarbeitern sind in dem Regionalverband vereint: Elektriker, Elektroniker und Elektromaschinenbauer. Und, so Rhelinger weiter: „Mängel im Blitzschutz lassen die Verluste durch zerstörte Computer oder kaputte Chips in modernen Waschmaschinen in die Höhe schnellen.“

Zwar kommt der Strom nach wie vor aus der Steckdose, doch die elektrische Sicherheit nicht: Kabel, Steckdosen und Sicherungen sind in den meisten Berliner Gebäuden hoffnungslos veraltet. „Die haben oft zwischen zwanzig und dreißig Jahre auf dem Buckel“, schätzt Rehlinger. „Man müsste die Elektrik regelmäßig überprüfen, aber wer macht das schon?“ Besonders schlimm sei die Situation in Schulen und Kitas: „Da ist seit Jahren nichts gemacht worden“, kritisiert der Fachmann. „Allein das Ersetzen alter Leuchten durch Energiesparlampen könnte der öffentlichen Hand erhebliche Kosten sparen.“

Auch Kabel sind nicht für die Ewigkeit gemacht, die isolierende Gummihülle wird porös, nicht selten liegt das Kupfer offen und blank, eine latente Gefahr für Brände oder Unfälle durch Stromschlag. „Die Handwerksbetriebe bieten einen fachmännischen E-Check an“, rät Rehlinger. „Dadurch lassen sich Schäden rechtzeitig entdecken und Brände oder Unfälle verhüten.“

Gewerbetreibende müssen ihre elektrischen Geräte alle vier Jahre überprüfen lassen, manche sogar in kürzeren Abständen. So lautet die Vorschrift des Gesetzgebers. Für Mietwohnungen aber gibt es solche verbindlichen Regelungen nicht. Anders im Ausland, etwa in Österreich. „Wir brauchen auch in Deutschland einen dem TÜV vergleichbaren E-Check, sonst werden die Unfälle weiter zunehmen“, meint Rehlinger.

Die Gerichte haben bereits angefangen, die Vermieter in die Pflicht zu nehmen: Auch in Mietwohnungen sind die Elektroanlagen regelmäßig von einem Fachmann zu überprüfen. Sollte ein Brand ausbrechen oder jemand zu Schaden kommen, trifft den Vermieter zumindest eine Mitschuld, wenn er kein Prüfprotokoll vorweisen kann. Allerdings: „Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass die Kosten für die Wartung und Instandsetzung der Elektrik genauso auf die Miete umgelegt werden können wie die Kosten zur Wartung der Heizung“, fordert Constantin Rehlinger.

Auch Schulleiter riskieren die Verletzung ihrer Fürsorgepflicht, wenn sie schadhafte Lampen, Steckdosen oder Kabel in den Klassenräumen dulden. Sollte einem Kind dadurch etwas zustoßen – in der Regel mit schweren gesundheitlichen Folgen –, wird fehlendes Geld vor Gericht als Ausrede nicht akzeptiert. „Viele Jahrzehnte lang galten die Deutschen als Weltmeister in Bezug auf sichere Elektrik“, resümiert Rehlinger. „Diese Zeiten sind längst vorbei.“

In den vergangenen Jahren hat sich in vielen Haushalten außerdem die Zahl der elektronischen Geräte vervielfacht: Computer, Fernseher, elektronisch gesteuerte Waschmaschine, Heizung, Jalousie. „Diese Systeme sind oft nur unzureichend gegen Blitzschlag gesichert“, warnt der Elektronik-Experte. „Wenn der Blitz irgendwo einschlägt, erhalten alle Gebäude im Umkreis von 500 bis 600 Metern über das Erdreich einen starken Stromstoß, der über den Nullleiter bis in die Geräte fahren kann.“ Diese Schäden seien zwar nicht so spektakulär wie Brände, summierten sich bei den Versicherern jedoch zu Millionenbeträgen.

Der Trend bei der Heimelektrik geht eindeutig hin zur Vernetzung aller Systeme zum intelligenten Haus. „Derzeit beginnt diese Entwicklung, die in den nächsten Jahren weiter an Dynamik gewinnen wird“, gibt Verbandsgeschäftsführer Rehlinger einen Ausblick. „Die Steuerungen der Heizung, des Sonnenschutzes, der Beleuchtung, des Fernsehers und des Computers werden zusammengeführt. Diese Netze müssen aber nicht nur funktionieren, sondern auch sicher sein.“

Zugleich greift die Automation auch in den eigenen vier Wänden um sich: Präsenzmelder geben der Heizung das Signal, welche Räume auch am Abend beheizt werden sollen. Intelligente Messfühler steuern die Temperatur und das Licht im Haus. Dadurch gewinnt die Elektrik an Komplexität. „Der Home Administrator kündigt sich als neues Berufsfeld in der Elektrobranche an“, so Rehlinger. „Das spart Energie und erhöht sowohl den Komfort als auch die Sicherheit.“

Mehr Infos im Internet: www.e-check.de

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