Zeitung Heute : Der Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes, Hermann Meyn, im Interview

Was ist aus Ihrer Sicht der Konfliktpunkt bei der

Was ist aus Ihrer Sicht der Konfliktpunkt bei der "Sächsischen Zeitung"?

Das Problem besteht darin, dass es sich um eine gutsituierte Zeitung handelt, die seit Jahren Gewinne macht. Auch heute noch. Das gibt die Geschäftsleitung zu. Sie möchte aber offensichtlich ihren Profit erhöhen, und deshalb bildet sie Gesellschaften für sechs Lokalredaktionen, für die der Haustarifvertrag nicht mehr gelten soll. Aus Verlagssicht ist das eine Perspektive, da die Einsparungen vor allem in den nächsten Jahren einsetzen, wenn die Mitarbeiter dieser Redaktionen nicht mehr automatisch an den linearen Gehaltserhöhungen teilnehmen. Zu fürchten ist weiterhin: hier geht es ums Prinzip. Hier wird offensichtlich ein betuchter Verlag vorgeschickt, um auszuprobieren, wie weit man gehen kann. Ich vermute, dass es Absprachen bei den Zeitungsverlegern gibt, die in die Richtung gehen, es muss einmal ein Exempel statuiert werden. Wenn sich Betriebsrat, Gewerkschaften und Mitarbeiter diese Auslagerung bei einem solchen Unternehmen gefallen lassen, dann befürchte ich einen Dammbruch, weil dann andere Verlage, denen es im Osten längst nicht so gut geht, nachziehen werden.

Nun hat das herausgebende Dresdner Druck- und Verlagshaus beträchtliche Auflagenverluste und Gewinneinbußen zu verzeichnen. Muss ein Unternehmen da nicht reagieren, ehe die schwarzen zu roten Zahlen werden?

Es ist richtig, die Ertragslage hat sich im letzten Jahr verschlechtert. Aber sie ist nicht so, dass sie zu den unsozialen Auslagerungen berechtigt. Hinter der "Sächsischen Zeitung" stehen zwei große Partner: einerseits der Zeitschriftenriese Gruner + Jahr, auf der anderen Seite mit 40 Prozent die SPD.

Aus der SPD hört man keine Proteste. Kommt das frühere Parteimitglied Meyn noch mit?

Für mich ist bestürzend, dass eine Partei, die für sich die soziale Gerechtigkeit reklamiert, offensichtlich als Unternehmerin nur absahnen will. Die Partei verkennt die Verpflichtung des Grundgesetzes, in dem es heißt, Eigentum verpflichtet zum Gemeinwohl. Und es heißt nicht: zur Gemeinheit. Ich erwarte als DJV-Vorsitzender von dem Parteivorsitzenden Schröder, einem indirekten Mitbesitzer der "Sächsischen Zeitung", in dieser Frage ein Machtwort.

Die Auslagerung von redaktionellen Bereichen ist aber keine Erfindung aus Sachsen.

Dies ist richtig. Es hat solche Auslagerungen schon bei der "Rhein-Zeitung" in Koblenz gegeben, wo eben auch der Haustarifvertrag nicht mehr für die Ausgelagerten gilt.

Wie aktuell ist der Grundgedanke, dass ein Zeitungshaus alles selber produzieren muss?

Es müssen nicht alle Stufen der Produktion und alle Teile eines Unternehmens unter einem Dach sein. Aber es muss der Grundsatz gelten: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, es sei denn, dass die Mitarbeiter selbst den Wunsch haben, in einer eigenen Einheit, beispielsweise einem Profit-Center, auf eigenes Risiko zu arbeiten. Insoweit ist nicht prinzipiell jede Auslagerung falsch.

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