Zeitung Heute : Der Chef des Märkischen Viertels verabschiedet sich

Der Tagesspiegel

Reinickendorf. Traurig blickt er aus dem Bürofenster am Wilhelmsruher Damm auf sein Märkisches Viertel, auf das neue und erweiterte Einkaufszentrum, das kurz vor der Fertigstellung steht. Rolf Brüning, der bekannteste Chef einer städtischen Wohnungsgesellschaft, kann diesen Ausblick nur noch wenige Tage auskosten. Der Vorstandsvorsitzende der GeSoBau, die in Berlin über rund 55 000 Wohnungen verfügt, geht zum Monatsende in den Ruhestand. Vor allem dem Märkischen Viertel, dem Kernstück der Wohnungsbaugesellschaft, wird er nachtrauern.

Er gilt in der Branche als Modernisierer, als einer, der mit unkonventionellen Ideen immer wieder Wirbel in der Berliner Wohnungswirtschaft verursacht und sich dabei nicht immer Freunde gemacht hat. Eine Gesellschaft dürfe, sagte er immer wieder, dürfe sich nicht allein auf das Verwalten beschränken, Wohnen sei eines der wichtigsten Dinge im Leben und auf die Zufriedenheit der Bewohner komme es an. Er führte in großem Umfang Mieterbefragungen ein und machte sich als einer der ersten Manager städtischer Wohnungsunternehmen Gedanken darüber, wie die Sozialstruktur einer Großsiedlung langfristig stabilisiert werden könnte. Er regte schon vor Jahren eine Teilprivatisierung der GeSoBau an, fand aber wenig Zustimmung bei der Finanzverwaltung.

„Du bist verrückt“, hatten sie ihm aus Bremen hinterhergerufen, wo der promovierte Diplom-Kaufmann zuvor Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft war. Sein neuer Job als Chef im Märkischen Viertel kam in Kreisen der bundesdeutschen Wohnungswirtschaft fast einer Strafversetzung gleich. Keiner wollte in dieses Viertel, keiner konnte es leiden. Aber Brüning hatte sich erfolgreich beworben, sah das Viertel mit anderen Augen, wollte es von seinem schlechten Ruf befreien. Das war genau vor 20 Jahren.

Der Hanseat brachte die Großsiedlung auf Vordermann, damit aus dem Image-Tief. Die „Wohnumfeldverbesserung“, die Mieterbeiräte, und vor allem die große Zufriedenheit unter den Bewohnern zählen zu den Pluspunkten der Siedlung. C. v. L.

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