Zeitung Heute : Der coole König

Der Tagesspiegel

Er hat es sicher gut gemeint, Theatermann Jürgen Flimm, als er Berlins Bürgermeister Wowereit mit dem englischen König Richard III. verglich, um seine „Coolness“ bei der Bundesratssitzung zu würdigen. Richard III. bahnte sich durch die von ihm veranlasste oder geduldete Ermordung von zwei Neffen den Weg zum Thron. (Er regierte dann zwei Jahre, starb in der Schlacht.) Wenn das nicht neuen Stoff zum Nachdenken gibt. Wowereits bisher größte Tat war, dass er die Stunde des Koalitionsbruchs nutzte und an die Spitze des Berliner Senats gelangte. Cool, wie wahr. Ist es das, was ihn ausmacht? Wowereit zeigte seinerzeit und demonstriert gerade wieder einen bemerkenswerten Grad an Kühle. Betrachtet man das zusammen mit seinem Aufstieg, weiß man nicht so recht, ob die Vorstellung nun eher bewunderungswürdig ist oder beunruhigend. Da tigert Wowereit Jahre in der Tarnfarbe Grau durch die Berliner Politik, jetzt steht er vor uns als Richard III. Direkt, mit Pokerface, kalt, wie Flimm sagt, der sich mit Inszenierungen auskennt. Beunruhigend ist die historische Figur allemal. Zu bewundern bleibt, dass sich Wowereit in seiner Coolness erstaunlich rasch dem CDU-Hoffnungsträger und hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch als ebenbürtig erweist. Das lohnt weitere Beobachtungen. Bei der nächsten Vorstellung. cas

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben