Zeitung Heute : Der Dampf der Kulturen

Europa ist ein Schlachtfeld, sagt Udo Ulfkotte. Und gründet eine Partei. Das Ziel: Islam eindämmen

Fredy Gareis[Holzhausen]

Es war im Herbst vergangenen Jahres, als Udo Ulfkotte klar wurde, dass etwas getan werden muss. Die Frau eines Bekannten, sagt Ulfkotte, sei zur Entbindung ins Krankenhaus eingeliefert worden, doch die Ärzte hätten sie nicht sofort behandelt. Denn zur gleichen Zeit sei eine Türkin eingetroffen, und das Personal habe sich erst einmal damit beschäftigt, die Kreuze abzuhängen.

Für Udo Ulfkotte ist diese Anekdote ein gutes Beispiel. Er erzählt sie, um zu belegen, dass in Deutschland eine schleichende Islamisierung vor sich geht. Ulfkotte, 46 Jahre alt, früher Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Fachgebiet Sicherheit und Terror, ist Dozent und Buchautor. Nun will er eine Partei gründen. Ihm sind die „Sonderrechte von Muslimen“ zuwider, wie er sagt. Das in etwa wäre das Parteiprogramm.

An diesem Aprilmittag, im Veranstaltungssaal eines Ferienheims, Holzhausen, Siegerland, spricht Ulfkotte über den „Einfluss der Islamisierung auf die öffentliche Meinung“. Er erzählt, er mokiert sich, er warnt. Das Publikum, 60 Menschen, Durchschnittsalter um die 50, hängt an seinen Lippen. Die Zuhörer sind Mitglieder des Vereins „Die Wende – Aktion zur geistig-kulturellen Erneuerung Deutschlands aus seinen christlichen Wurzeln“. Sie haben Ulfkotte eingeladen. Und der Gast erzählt seinen Gastgebern Dinge, die sie ungläubig staunen lassen.

Dass zum Beispiel dieses Mädchen in einer französischen Schule gesteinigt werden sollte. Oder jene Blutbank, die in Bremen geplant war, nur für muslimisches Blut. Ulfkotte umfasst mit seinen Händen beide Seiten des Pultes, hinter dem er steht. Europa sei ein Schlachtfeld der Kulturen, sagt er, „ein Tsunami der Islamisierung rollt über unseren Kontinent“.

Günther Nonnenmacher, einer der Herausgeber der „FAZ“, kennt Ulfkotte noch als jungen Mann. Als „bunten Hund“ beschreibt er ihn, der nach 13 Jahren kündigte, weil er „seine Karriere weiterbringen wollte“. Die Pläne, die Ulfkotte nun verfolgt, kommentiert Nonnenmacher so: „Er hat kein geschlossenes Weltbild, das ist ja meistens so bei Leuten, die solche Randparteien gründen. Er hüpft auf einer Mode herum, versucht da was ideologisch abzuernten.“

Gegen Ende ähnelt Ulfkottes Vortrag in Holzhausen einer Wahlkampfveranstaltung. Sein Gesicht ist gerötet, er spricht lauter, sagt den Satz: „Alle, die unsere Werte verändern wollen, können sich zum Teufel scheren.“ Applaus begleitet Ulfkotte vom Pult.

Draußen unter dem schattigen Vordach wehrt sich Ulfkotte gegen den Vorwurf, er arbeite sich hier nur wieder ausschließlich am Islam ab, weil es sein Lebensthema sei. Sein letztes Buch heißt „Heiliger Krieg in Europa“, ein anderes „Der Krieg in unseren Städten“. Seine Partei werde mehr zu bieten haben, sagt er: Mehrwertsteuererhöhung zurücknehmen, schlanker Staat, Abbruch der EU-Verhandlungen mit der Türkei.

Das reicht, wenn man Ulfkotte glauben darf, um täglich 1500 E-Mails zu bekommen. Darunter genügend Post von Rechten, die er nicht haben wolle. Ulfkottes Frau Doris googelt deshalb jeden Absendernamen. Inzwischen komme sie nicht mehr hinterher, so groß sei das Interesse an der Partei, sagt Ulfkotte.

Er wünscht sich das auch für ein anderes seiner vielen Vorhaben. Im Hamburger Bürgerschaftswahlkampf tritt er für die christlich-konservative Splitterpartei Zentrumspartei an, „ich bin kein Mitglied bei denen“, sagt er, „aber ich unterstütze bundesweit alle Gruppen, die sich für den Erhalt unseres Wertesystems einsetzen.“

Er zieht an einer Zigarette und holt seine Sonnenbrille aus dem Etui. Er hätte gern Leute wie Bayerns Innenminister Beckstein, oder Schönbohm, den von Brandenburg. Leute, die die konservativen Flügel von CDU und CSU besetzen. Friedrich Merz, das wäre einer, den könnte sich Ulfkotte auch als Galionsfigur der Partei vorstellen. Leider hat dessen Büro abgesagt. Kann man nichts machen, sagt Ulfkotte. Er muss sich jetzt noch ein wenig unter die Leute mischen, dafür ist er ja hier.

Drinnen dampft Kaffee, dazu gibt es Mandarinenkuchen. Viele Arme winken Ulfkotte heran, schließlich sitzt er eingekeilt zwischen zwei älteren Herren am Tisch. „Kann es einen geläuterten Islam geben?“, fragt einer der beiden. Ulfkotte antwortet: „Der Dialog wird immer als Hoffnung dargestellt, aber es wird ihn nicht geben.“

Die beiden Männer nicken. Eigentlich, finden sie, wäre es sowieso die beste Integration, wenn man die Muslime zu Christen machen könnte. Ein wenig reden sie dann noch über den Islam, die Religion mit „Herrschaftsanspruch“, und wie hier der eigene Untergang vorangetrieben werde, indem man mit Kindergeld die Mehrheit der Muslime finanziere. „Und dann wird es hier wie auf dem Balkan damals“, sagt einer, gerade als die Klingel zur Fragerunde läutet.

Ulfkotte hat sein Publikum gut vorbereitet, ihm so viele Beispiele der islamischen Unterwanderung gesteckt, dass es sich ausgeliefert vorkommen muss. Da ist es nur logisch, dass die Fragen oft den Tenor haben: Was können wir denn tun?

Ende Mai, Mitte Juni soll die Partei gegründet werden. Momentan suche man noch den richtigen Ort, sagt Ulfkotte, schließlich „müssen wir ein Signal setzen“. Auch mit dem Namen. Zu Beginn war „Christliche Ökologische Partei“ im Spiel, jetzt ist „Pax Europa“ der Favorit.

Ulfkotte gibt den Zuhörern noch ein paar Tipps für den Alltag: Um herauszufinden, ob man es mit einem Islamisten zu tun hat, einfach mal fragen, was das Gegenüber von den neuesten Selbstmordattentaten hält. Spricht es von Märtyrern, ist es in die Falle getappt.

Vieles Kopfschütteln, Raunen und Staunen, später sind aus allen Muslimen Islamisten geworden, und Ulfkotte stellt sich der letzten Frage. Ein älterer Herr steht auf und faltet die Hände vor sich: „Also, neben uns wohnen Türken. Wand an Wand. Und die grillen immer. Aber nicht mit Holzkohle, sondern mit Holz.“ Pause. „Was sollen wir denn mit denen machen?“

Da fällt selbst Ulfkotte nichts mehr ein.

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