Zeitung Heute : Der Durchbruch, der keiner war

Wissenschaft 2005: Ein Skandal und zehn Erfolgsgeschichten

Hartmut Wewetzer

Manche Sensationen halten nicht, was sie versprechen. Als am 19. Mai das Fachblatt „Science“ eine Studie des koreanischen Klonforschers Hwang Woo- Suk veröffentlichte, war die Fachwelt begeistert. Hwang war es gelungen, aus Hautzellen chronisch Kranker Embryonen zu klonen, und das mit einer hohen Erfolgsrate. Bis im Dezember alles unter Fälschungsvorwürfen zusammenfiel und Hwang als Fälscher entlarvt wurde.

Auch ohne Hwangs „Durchbruch“ brachte das Jahr bemerkenswerte Erkenntnisse. Für das Magazin „Science“, das alljährlich eine Hitliste der zehn wichtigsten Ergebnisse verzeichnet, steht die Bestätigung der – in den USA wieder umstrittenen – Evolutionstheorie auf Platz eins. Das Erbgut des Schimpansen wurde entziffert. Es gleicht dem unseren je nach Lesart zu 99 oder zu 96 Prozent. Außerdem verstehen die Biologen immer besser, wie neue Arten entstanden sind. Und die Gene des Erregers der spanischen Grippe von 1918 offenbarten eine beunruhigende Erkenntnis. Er stammte offenbar von einem Vogelgrippevirus ab.

Die anderen Forschungshits:

2. Planetensafaris: Merkur, Venus, Mars, Saturn, ein Komet, ein Asteroid – sie wurden von Raumsonden besucht.

3. Warum Blumen blühen: Forscher verstanden, welche molekularen Signale Pflanzenknospen aufbrechen lassen.

4. Kosmische Eruption: Astrophysiker beobachteten die Kollision eines Neutronensterns mit einem Schwarzen Loch.

5. Falsch verkabelt: Störungen wie Schizophrenie und Dyslexie könnten auf „Schaltfehlern“ im Gehirn beruhen.

6. Junge Erde: Neue Erkenntnisse zeigten, dass die Bausteine unseres Globus möglicherweise aus einem anderen Teil des Sonnensystems stammen.

7. Porträt eines Proteins: Lebenswichtige Kaliumkanäle der Zellmembran wurden in allen Details abgebildet.

8. Klimawechsel: Die Indizien für eine globale Erwärmung mehrten sich – und sogar US-Politiker nahmen Notiz.

9. Netzwerk des Lebens: Forscher verstehen immer besser, wie die Zelle Tausende von Signalen verknüpft.

10. Bonjour, „Iter“: Der erste Fusionsreaktor soll in Frankreich gebaut werden.

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