• Der effekt Knall WELTRAUM Ein großer Asteroid trifft die Erde: Das könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Amerikaner und Europäer testen nun, ob man anfliegende Himmelskörper aus der Bahn schießen kann.

Zeitung Heute : Der effekt Knall WELTRAUM Ein großer Asteroid trifft die Erde: Das könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Amerikaner und Europäer testen nun, ob man anfliegende Himmelskörper aus der Bahn schießen kann.

Thomas de Padova

Endzeitstimmung. Ein Komet rast auf die Erde zu. Der Menschheit steht die größte überhaupt vorstellbare Katastrophe bevor. Die letzte Hoffnung: das Raumschiff „Messiah“. Es bricht auf, um den Kometen auf eine andere Flugbahn zu lenken.

Bislang weiß niemand, ob diese spektakuläre Rettungsaktion in der Steven Spielberg-Produktion „Deep Impact“ auch im realen Ernstfall glücken könnte. Aber das soll sich bald ändern. Noch in diesem Jahr startet die amerikanische Weltraumbehörde Nasa die Mission „Deep Impact", bei der erstmals mit einem großen, zylinderförmigen Kupferprojektil auf einen Kometen geschossen wird.

Derartige Weltraumexpeditionen haben einen ernsten Hintergrund. Denn dass uns eines Tages der Himmel auf den Kopf fallen könnte, befürchtet nicht nur der spleenige Gallierhäuptling in Asterix-Comics. Meteoriten und Staub fallen ständig auf die Erde.

Die Steine, die unser Planet auf seinem Weg um die Sonne aufsammelt, sind meist klein. Aber der Erdball ist in der Vergangenheit auch immer wieder von heftigen Kollisionen erschüttert worden, wenn große Brocken herniederfielen. Sie haben riesige Krater hinterlassen, unter anderem das Nördlinger Ries und einen Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Dort donnerte vermutlich vor etwa 65 Millionen Jahren ein kilometergroßer Asteroid vom Himmel. Mit einem Schlag löschte er die Dinosaurier und viele andere Lebewesen aus.

Seit etlichen Jahren suchen Astronomen den Nachthimmel systematisch nach potenziell gefährlichen Kometen und Asteroiden ab. Davon gibt es viele (siehe Kasten). Entsprechend haben Forscher in den letzten Jahren schon mehrfach gewarnt, dass einer die Erde tatsächlich einmal treffen könnte. Die Bahnen der kleinen Geschosse sind aber nur sehr schwer zu berechnen. Erst nach langer Beobachtung lässt sich ihr Weg mit der nötigen Präzision vorzeichnen. Bisher haben sich akute Warnungen immer als falscher Alarm erwiesen.

Was aber, wenn sich eines Tages tatsächlich ein Asteroid als apokalyptischer Reiter erweisen sollte? Zahlreiche Forscher haben bereits an die Wissenschaftsorganisationen appelliert, sich frühzeitig vorzubereiten. Und das solle damit beginnen, den Aufbau der Kometen und Asteroiden zu studieren. Handelt es sich bei den Asteroiden in der Regel um harte Gesteinsbrocken oder um lose Sandhaufen? Sind Kometen schmutzige Schneebälle oder haben auch sie einen festen Kern? „Ins Innere eines Kometen hat noch keiner geschaut“, sagt Jochen Kissel, emeritierter Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung. „,Deep Impact’ ist der erste Versuch, dies zu tun.“

Die Raumsonde startet im Dezember mit einem fast 400 Kilogramm schweren Kupfergeschoss an Bord. Im Juli kommenden Jahres feuert sie auf den sechs Kilometer dicken Kometen „Tempel 1“. Der Komet wurde vor 140 Jahren entdeckt und umkreist die Sonne alle fünfeinhalb Jahre.

„Es wird erwartet, dass beim Einschlag des Kupfergeschosses auf Tempel 1 ein Krater von etwa 25 Metern Tiefe erzeugt wird", sagt Kissel. Er ist an der Auswertung der Daten beteiligt, die die US-Raumsonde im Vorbeiflug gewinnen will. Mit etwas Glück werden die Kometenforscher einen Blick in den Krater und seine tieferen Schichten erhaschen können.

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa wird vielleicht sogar noch einen Schritt weiter gehen: Eine internationale Kommission hat der Esa soeben eine Mission empfohlen, bei der zwei Satelliten zu einem Asteroiden aufbrechen sollen. Eine dieser Sonden schlägt auf dem Gesteinsbrocken ein, während die andere misst, wie stark sich der Asteroid durch den Beschuss aus der Bahn bringen lässt. „Es steht allerdings noch nicht fest, welcher Asteroid das sein könnte", sagt Alan Harris, Vorsitzender des internationalen Beraterausschusses und Forscher am Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt in Berlin-Adlershof. Fest steht nur, dass er etwa 500 Meter groß sein soll.

„Don Quijote“ heißt das Esa-Projekt, um den einsamen Fels im All. Eine der Sonden, „Sancho“, wird eine schnelle Route dorthin nehmen. Sie umkreist dann den Kleinplaneten und beobachtet ihn vor, während und nach dem Aufprall der zweiten Sonde, die die fantasiebegabten Wissenschaftler „Hidalgo" getauft haben. „Hidalgo“ wird ebenfalls etwa 400 Kilogramm schwer sein – was bei weitem nicht genug ist, um den mächtigen Asteroiden stark aus der Bahn zu werfen. Aber genau diese winzige Änderung des Kurses soll „Sancho" messen.

Den Ablauf vorher zu berechnen, ist alles andere als einfach. „Das ist kein Billardspiel", sagt Willy Benz, Astrophysiker und Planetologe der Universität Bern. Zunächst einmal werde es schwierig sein, ins „Rote" zu treffen, ins Zentrum des Himmelskörpers. Wenn dies nicht gelingen sollte, würde der Asteroid vor allem in eine Umdrehung versetzt, seine Flugrichtung hingegen kaum beeinflusst.

Außerdem gibt die kleine Raumsonde bei der Kollision mit dem Asteroiden keinen Impuls weiter, wie er sich zum Beispiel beim Zusammenstoß zweier Kugeln von einer auf die andere übertragen würde. Denn sie dringt in das Gestein ein und erzeugt einen zehn bis 20 Meter breiten und zehn Meter tiefen Krater. Dabei wirft sie jede Menge Material aus und schleudert es ins offene Weltall. „Der größte Teil des Impulses kommt nicht von dem Projektil selbst", sagt Benz. Für den Rückstoß sorgen vielmehr die zahllosen Trümmer.

Wissenschaftler haben versucht, die Auswirkungen des Einschlags für einen Modellasteroiden möglichst genau zu berechnen: für den vor 15 Jahren entdeckten Himmelskörper 1989 ML. „Er ist etwa 500 Meter groß", sagt der Asteroidenforscher Alan Harris. „Man kennt nicht seine genaue Dichte, aber man würde erwarten, dass sich seine Position durch den Aufprall im Verlauf von vier Monaten um 1400 Meter ändert."

Eine solche Ablenkung wäre durchaus messbar. Aus ihr könnten die Forscher ableiten, wie ein Asteroid auf den Beschuss mit einem Projektil reagiert. Im Ernstfall würde man dann allerdings ein sehr viel größeres Geschoss einsetzen müssen.

Die Erfolgsaussichten eines jedes solchen Unternehmens hängen letztlich aber auch von vielen unvorhersehbaren Parametern ab. Zum Beispiel davon, wie viel Zeit nach der Entdeckung eines gefährlichen Asteroiden oder Kometen bleibt, bis er auf der Erde aufschlägt. „Wenn man noch viel Zeit hat, reicht auch eine kleine Änderung der Bahn, um den Asteroiden vom Kurs abzubringen", sagt Benz. Denn die Zeit macht aus jeder kleinen Änderung schließlich eine große. „Wenn man jedoch einen Asteroiden entdeckt, der schon nächste Woche auf der Erde eintreffen soll, dann geht sowieso nichts mehr."

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