Zeitung Heute : Der Einstieg ist geschafft

Ein Techniker für Lebensmittel, eine Hotelfachfrau, ein Erzieher und eine Bankkauffrau erzählen von ihrer Ausbildung.

Ein guter Anfang.
Ein guter Anfang.

„Die Aussichten in meinem Job sind gut – gegessen wird immer“

Sebastian Sandow, 22, aus Prenzlauer Berg ist im 3. Ausbildungsjahr zum Lebensmitteltechniker:

„Ich habe das Abitur in meinem Leistungskurs Chemie nicht bestanden – das hat mich aber nicht entmutigt, dennoch in diesem Bereich tätig zu werden. Meinen Ausbildungsplatz als Lebensmitteltechniker beim Nahrungsmittelhersteller Carl Kühne KG hatte ich schon in der Tasche, also habe ich mich gegen eine Wiederholung der 13. Klasse entschieden. Die Aussichten in der Lebensmitteltechnologie sind gut – gegessen wird immer, das ist ein sicherer Job. Ich wollte einen Beruf, den ich auch in 30 Jahren noch ausüben kann. Nach zwei bis drei Jahren Berufserfahrung kann ich dann an einer Fachhochschule studieren.

Bei Kühne in Berlin werden Dressings und Saucen hergestellt. Ich bin dafür zuständig, dass die einzelnen Komponenten in den riesigen Stahlkesseln richtig zusammengemischt werden. Ich bediene die Maschinen, kontrolliere die Rezepturen, die Temperatur und den Druck. Am Anfang war ich überwältigt von der Größe der Maschinen und der Masse, die hier produziert wird. Durch die Maschinen ist es richtig laut in der Halle, daher braucht jeder Mitarbeiter Ohrenstöpsel.

Besonders hoch ist die Produktion im Sommer, zur Grillsaison. Wenn ich dann zur Frühschicht um kurz nach 3 Uhr aufstehen muss, ist das schon hart. Aber man gewöhnt sich an alles. Wenn ich meine Ausbildung im August abschließe, werde ich übernommen, zunächst für ein Jahr. In zehn Jahren möchte ich gerne in führender Position arbeiten, vielleicht in einem Betrieb mit Milchprodukten: Die sind sehr empfindlich und damit eine Herausforderung."

„Ich wollte dort arbeiten,

wo andere Urlaub machen“

Lisa Godo, 19, aus Reinickendorf ist im 2. Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau:

„Schon seit ich klein bin weiß ich: Ich möchte dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Nach dem Mittleren Schulabschluss (MSA) hat mich ein Bekannter darauf aufmerksam gemacht, dass das Hotel „Upstalsboom“ in Friedrichshain noch Auszubildende sucht.

Das Gute an der Ausbildung zur Hotelfachfrau ist: Ich lerne verschiedene Bereiche wie Service, Rezeption und Buchhaltung kennen, und kann mich im Anschluss an die Ausbildung für einen Bereich entscheiden. Außerdem kann ich mich in allen Hotels auf der ganzen Welt bewerben. Der Ausbildungsstandard in Deutschland ist sehr hoch, deshalb sind deutsche Hotelfachleute sehr gefragt.

Aus unserer Klasse im Oberstufenzentrum haben schon einige aufgegeben – die Ausbildung kann sehr anstrengend sein, besonders im Schichtdienst. Manchmal, wenn ich gerade ein Zimmer geputzt habe, möchte ich mich am liebsten selbst ins frisch gemachte Bett legen. Aber es macht mir einfach Spaß, für die Gäste eine heile Welt zu schaffen. Es soll einfach alles stimmen, dazu gehört auch: Der Gast hat immer recht. Wenn er findet, das Bad sei dreckig, spielt es keine Rolle, wenn ich nicht seiner Meinung bin. Man muss immer zuvorkommend bleiben und darf sich keinen Stress anmerken lassen.

Da hilft auch die Atmosphäre im Team: Wir sind wie eine große Familie, das Hotel ist unser zweites Zuhause. Die Umgangsformen, die ich mir seit meiner Ausbildung angeeignet habe, erstrecken sich auch in mein Privatleben: Ich habe jetzt immer Zeit für ein höfliches Gespräch mit meinen Nachbarn.“

„Als Erzieher muss man seine Augen und Ohren oft überall haben“

Nico Rosin, 25, aus Lichtenberg ist im 3. Ausbildungsjahr zum Erzieher:

„Ich habe Fachabitur gemacht und habe schon lange den Plan, Soziale Arbeit zu studieren. Weil ich die Wartesemester sinnvoll gestalten wollte, habe ich mich entschieden, eine Ausbildung zum Erzieher zu machen.

Abwechselnd mit meinen Praktika als Erzieher habe ich Unterricht an der Ruth-Cohn-Schule in Charlottenburg. Die Theorie, die man dort lernt, finde ich sehr hilfreich. Man erfährt, was Kinder in verschiedenen Altersstufen brauchen und wie man sie dabei unterstützt. Wenn ein Kind sich zum Beispiel für Dinosaurier interessiert, überlege ich mir, wie ich es in seinem Interesse fördern kann.

Es heißt immer, dass auch männliche Erzieher gebraucht werden – das finde ich ebenfalls wichtig. Es geht dabei auch um eine Vorbildfunktion als Mann, unter anderem bei Kindern aus dysfunktionalen Familien, die eine positive Männerrolle noch nicht kennengelernt haben. Ebenso zählt aber, dass Kinder und Jugendliche sich gegenüber einer Bezugsperson ihres eigenen Geschlechts oft besser öffnen können.

Seit fast einem halben Jahr bin ich Praktikant beim Abenteuerspielplatz „Kuhfuß“ in Treptow. Es ist ein kleines Paradies. Die Kinder kommen freiwillig hierher und haben das Areal zum Großteil mitgestaltet. Im Sommer waren hier bis zu hundert Kinder, da muss man seine Augen und Ohren überall haben.

Aber ich bin einfach gerne unter Menschen. Das Schönste an meiner Arbeit ist es, die Kinder bei ihren Erfolgen zu beobachten.“

„Studieren kann ich dann

später immer noch“

Anna-Maria Klapproth, 21, aus Spandau ist im 3. Ausbildungsjahr zur Bankkauffrau:

„Mein Berufswunsch hat sich während der Schulzeit stetig geändert. Ich wollte mal Jura studieren, mal zum Bund gehen. Als das Abitur kam, habe ich beim Arbeitsamt einen Berufseignungstest gemacht – das Ergebnis war eine Empfehlung zur Bankkauffrau.

Ich dachte mir: Das ist etwas Vernünftiges, und Mathe hat mir auch immer Spaß gemacht. Ich wollte zunächst eine Ausbildung machen, denn studieren kann ich dann immer noch. Außerdem sind die Aussichten im Bankwesen sehr gut. Ich hatte dann eine Menge Bewerbungsgespräche und bin schließlich bei der Berliner Volksbank gelandet – dort habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt.

Natürlich habe ich mir auch mal Gedanken gemacht, dass es immer heißt, die Arbeit in der Bank sei langweilig. Dabei stimmt das nicht: Man lernt jeden Tag neue Leute kennen und kann ihnen helfen. Am Anfang gab es kleine Erfolgserlebnisse, etwa wenn ich einem Kunden ein gesperrtes Online-Konto wieder freischalten konnte. Da freut man sich wie ein Honigkuchenpferd.

Im Lauf der Ausbildung hat man dann auch Beratungsgespräche, in denen die Kunden ihre persönliche Situation schildern. Das sind oft sehr emotionale Gespräche. Manchmal ist es schwierig, wenn man in einer persönlichen Situation nicht helfen kann, einem die Hände gebunden sind. Generell aber machen mir die Kundengespräche viel Spaß, ich bin halt eine kleine Quasselstrippe.

Bald habe ich meine Ausbildung beendet und werde dann bei der Berliner Volksbank meinen Vertrag als Privatkundenberaterin unterschreiben.“

Protokolle: Franziska Felber

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