Zeitung Heute : Der Elefant - nie würde er in einen Porzellanladen gehen (Kolumne)

Tomas Niederberghaus

Nichts mögen die Deutschen in ihrem TV-Programm lieber als wilde Tiger, quiekende Delfine oder ein kuscheliges australisches Hängebauchschwein. Der Tagesspiegel begrüßt die Inflation von Tiersendungen: In einer kleinen Serie erzählen wir von unseren Favoriten. Heute: Der Elefant



Als Johnny Weissmüller erstmals sein archaisch anmutendes Urwaldgebrüll "A-i-ja-ja" trällerte, blieb mir fast das Herz stehen. Was für ein Athlet! In der Tarzan-Verfilmung gab es nur wenige Momente, in denen ich meine Blicke von dem Adonis des Dschungels lassen konnte. Und zwar dann, wenn ein Elefant ins Bild lief. Am meisten hat mich die Existenz des Elefanten-Friedhofs berührt. Es ist wissenschaftlich gar nicht erwiesen, ob es Elefanten-Friedhöfe gibt. Stirbt jedoch ein Elefant, wird die Herde zur Trauergemeinde. Die Hinterbliebenen tasten mit ihrem Rüssel den Toten ab, als wollten sie die Todesursache ergründen.

Elefanten sind klug und vor allem sensibel. Sie würden nie in einen Porzellanladen gehen oder im Blitzlichtgewitter der Medien eine Elefantenhochzeit feiern. In Kenia wird einem gerne die Legende von der letzten Elefantenherde Afrikas erzählt: Die Tiere flohen in ein unzugängliches Sumpfgebiet. Damit ihnen die Menschen nicht folgten, marschierten sie rückwärts hinein - sie wollten den Eindruck erwecken, dass sie den Sumpf verlassen hätten. Solche Anekdoten gingen selbst in der Daktari-Serie unter. Allerdings spielten die Elefanten auch darin nur die Rolle der dumpf trampelnden Dickhäuter. Mochte Löwe Clarence sich noch so in die Herzen der Zuschauer schielen, mochte Judy noch so affig Purzelbäume schlagen, der König der Tierwelt war und ist der Elefant. Man kann einen schwarzen Elefanten zur Weißglut treiben und einen weißen Elefanten ärgern, bis er schwarz wird, seinen Stolz jedoch kann man ihm nicht nehmen. Es muss schön sein, als Elefant zu sterben.

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