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Anschauen kostet nichts, sagen sich viele Cebit-Besucher. Aber die hohen Preise für die schicken neuen Geräte schrecken eher ab

Kurt Sagatz

Wie kaum eine andere Messe ist die Cebit eine Technik-Show der Superlative. Zumindest wollen die rund 6500 Firmen beim Besucher diesen Eindruck hinterlassen. Auch wenn sonst an allen Ecken und Enden gespart wird, bei der Werbung für die eigenen Produkte ist Zurückhaltung ein Fremdwort. „Wir erleben gerade die Geburt einer neuen Sensation“, beschwört Philips-Chef Gerard Kleisterlee die Segnungen des vernetzten Hauses. Und auch bei Intel geht es um den Wendepunkt in der digitalen Technikgeschichte. Der wird durch die neuen Laptop-Chips auf der Cebit eingeläutet. Doch was ist mit den Konsumenten? Lassen sie sich von dem „Höher, Schneller, Weiter“ anstecken? Eine Umfrage unter Cebit-Besuchern: Wieviel High-Tech brauchen wir wirklich? Und was wird gekauft?

DIE CEBIT 2003: WAS DIE MESSEBESUCHER INTERESSIERT

„Kauf’ ich mir das später?“, fragt sich der Fondsmanager Frank Heise. Er hat gerade am Cebit-Stand von Nikon den neuen 6,1-Megapixel-Fotoapparat, die D100, getestet. Die Eigenschaften der Kamera kann der Hobby-Fotograf besser aufzählen als die Standleute: „Das Besondere ist die schnelle Auslösezeit. Man muss nicht wie bei einer kleinen Digitalkamera lange warten, sie macht acht Bilder je Sekunde. Das hat mich sehr interessiert“, lobt er die Vorzüge der Edelkamera. Schon vor der Cebit hatte er sich im Internet über die Kamera informiert. Auch den Preis kennt er: „Das Gehäuse ohne Objektiv und Extra-Batterie würde 2000 Euro kosten, für ein normales Zoomobjektiv kommen noch einmal 800 Euro hinzu.“ Doch wäre er auch bereit, so viel zu zahlen? „Nein, das bin ich nicht. Mir ist das doch zu teuer. Ich bleibe bei meiner Spiegel-Reflex, die bei gleicher Bildqualität 500 Euro kostet.“

Es muss sein Geld wert sein, ist die Devise von Wolfgang Sauerwald. Der begeisterte Hobby-Filmer blickt immer wieder durch das Okular des neuen JVC-Camcorders. Es ist das erste Gerät, mit dem auch private Filmfans in High-Definition-Qualität aufnehmen können. „Die Bildqualität ist doppelt so gut wie beim heutigen Fernsehen“, lautet sein Urteil. Dem 57-jährigen Kaufmann ist klar, dass der Camcorder (voraussichtlicher Preis: 4000 Euro) allein nicht ausreicht. „Um die Qualität erleben zu können, muss man die Aufnahmen auf einem großen Schirm ansehen.“ Und der flache Plasma-Bildschirm ist eher im gehobeneren Preissegment angesiedelt. 8000 Euro soll er kosten. Den ambitionierten Filmfan schreckt das nicht: „Ich würde das Gerät für diesen Preis kaufen. Ich halte das für obergünstig, vor allem, wenn man sieht, was der Camcorder kann.“

Julia Dietrich hat gerade am Stand von Nokia bewiesen, dass die neuen Spielehandys mit dem Namen N-Gage eher etwas für die jüngere Generation sind. Der Anzugträger, gegen den die 15-jährige Schülerin aus Hannover gespielt hatte, war ohne Chancen. Das Gameboy-ähnliche Spielehandy, mit dem man sogar Radio hören kann, gefällt ihr gut: „Wer möchte das nicht haben?“ Auf die Frage, welches Handy sie derzeit hat, lacht sie nur. Ihr altes Motorola – ohne Spiele – gilt als reichlich veraltet. Das „N-Gage“ wird ohne Kartenvertrag um die 500 Euro kosten, der endgültige Preis steht noch nicht fest. Ob sie so viel dafür ausgeben würde? „Das kann ich nicht sagen, im Moment bin ich ohnehin pleite.“

Über den Preis des neuen UMTS-Handys von Samsung mit der eingebauten Kamera macht sich Frank Kermani aus Manchester keine Gedanken. In Großbritannien steht die Einführung der neuen Mobilfunkgeneration – anders als in Deutschland – noch nicht an. Über die Entwicklung von UMTS informiert er sich aus privatem Interesse. Die Technik findet der IT-Mann Klasse, vor allem für den professionellen Einsatz. Beim Preis hofft er darauf, dass die neuen Geräte subventioniert werden. Bislang bekam man bei einem Vertragsabschluss in Großbritannien ein Handy, das eigentlich 200 Pfund kostet, für 50 Pfund. „So sollte das auch bei UMTS sein.“

Die Laptops der Protégé-Serie von Toshiba gehören zu jenen Geräten, die schon immer etwas Besonderes waren. Auch preislich: Der neue Tablet-PC werde nach der Markteinführung 3600 Euro kosten, sagt Jan Belke. Er will nach seiner Ausbildung bei der Telekom im Wintersemester ein Studium beginnen und benötigt dafür einen neuen Laptop. Er überlegt, ob es nun ein herkömmliches Gerät sein soll oder eben ein Tablet-PC, der auch mit dem Stift und der Handschriftenerkennung bedient werden kann. Den Preis hat er gerade eben am Cebit-Stand erfahren. „Zu teuer“, sagt er gleich nach dem Standbesuch. „Dieser Preis ist einfach nicht gerechtfertig, der Mehrwert reicht nicht aus.“

Auch der PR-Berater Hans-Peter Suchand weiß, wonach er sucht. Für Kunden-Präsentationen möchte der 52-Jährige einen Handheld-Computer anstelle des Laptops einsetzen. „Schön an dem Clié ist die unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Apple.“ Besonders fasziniert ihn die Version mit eingebauter Kamera. Doch dafür wird Sony 650 Euro verlangen. Ein stolzer Preis, den der Düsseldorfer privat nicht bezahlen würde.

Fazit des interaktiven Messe-Rundgangs: Die neuen High-Tech-Produkte werden viel bestaunt. Aber wohl eher selten auch später gekauft.

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