Zeitung Heute : Der erste Neubau

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An ihn hat man sich schon gewöhnt. Bereits seit 1998 hat Spandau einen neuen Fernbahnhof. Allerdings machte es die Bahn den Kunden dort bisher nicht einfach. Nur jeder zweite ICE legte bisher in Spandau einen Zwischenstopp ein; für Fahrgäste war dieses Verfahren unübersichtlich. Jetzt aber werden so gut wie alle der schnellen Züge im Bahnhof an der Havel halten. Spandau wird damit zur Station für Fahrgäste aus fast allen westlichen Stadtteilen, die bisher vom Bahnhof Zoo abgefahren sind.

Der Bau des Bahnhofs war im so genannten Pilzkonzept vereinbart worden. Bereits 1994 hatten die Arbeiten begonnen. Nachdem der Bahn ein futuristischer Entwurf des spanischen Architekten Santiago Calatrava zu teuer war, erhielt das Büro von Gerkan, Marg und Partner, das im Wettbewerb an dritter Stelle lag, den Zuschlag für den Bau des Bahnhofs.

Mit einer Länge von 430 Metern ist das Glasdach über den vier Gleisen der Fernbahn das wohl längste Bahnhofsdach in Europa. Ein ebenfalls von Gerkan, Marg und Partner geplantes noch längeres Dach am neuen Hauptbahnhof in Mitte hat Bahnchef Hartmut Mehdorn bekanntlich gestutzt. Aber nicht, i, Spandau den Superlativ zu lassen.

Das Dach über den beiden Gleisen der S-Bahn ist dagegen nur rund 150 Meter lang, was für die kürzeren Züge der S-Bahn locker reicht. Dummerweise hatte man beim Planen allerdings vergessen, dass das Glas im Dach irgendwann auch gereinigt werden muss. Deshalb mussten die Scheiben erst mühsam von Hand geputzt werden; inzwischen hat eine Maschine diese Arbeit übernommen.

Gebaut wurde der Bahnhof unter laufendem Betrieb, was die Arbeiten besonders erschwerte. Eine Eröffnung des Bahnhofs, der immerhin mehr als 50 Millionen Euro gekostet hatte, feierte die Bahn übrigens nicht.

Sparsam ausgestattet ist der Bahnhof Spandau mit Geschäften, denn in der Nachbarschaft entstand mit den „Spandau Arcaden“ ein großes Einkaufszentrum. Ob Spandau für die westlichen Bezirke den Bahnhof Zoo ersetzten kann, wird vom Bahnkunden-Verband bezweifelt. So eng wie jetzt im Zoo gehe es auch in Spandau zu. Von der Haupthalle führen nur eine feste und eine Rolltreppe sowie ein Aufzug zu den Bahnsteigen. Eine Rolltreppe abwärts gibt es nicht. Im Reisezentrum bildete sich in der Vergangenheit schon bei wenigen Fahrgästen oft eine lange Warteschlange. Der Verband schlägt deshalb vor, den neuen Bahnhof umzubauen und unter anderem weitere Zugänge zu den Bahnsteigen zu schaffen.

Im Nahverkehr erschlossen wird der Bahnhof durch insgesamt 14 Buslinien am Tag und drei Nachtlinien. Am Bahnhof endet zudem die U-Bahn-Linie U 7. Zu einem Dach für den Weg zwischen Fern- und U-Bahnhof hat es allerdings nicht gereicht. Nicht einmal eine Außenuhr gibt es. Zum Anbringen sei die Bahn nicht verpflichtet, hat das Bundesverwaltungsgericht nach einer Klage des Senats entschieden. kt

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