Zeitung Heute : Der Erste unter den Nächsten

Warum Wolfgang Schäuble höchst präsidiabel ist

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Seit er die CDUPartei- und Fraktionsführung abgeben musste, gilt Wolfgang Schäuble als eine Art außer Dienst gestellter Hoffnungsträger. In der Kombination von Person, politischer Erfahrung, programmatischem Denken und herausragender Rednergabe ist Schäuble ohne Zweifel der erste unter den ernst zu nehmenden Kandidaten der Union. Auch in der FDP gilt der Mann, der vergeblich versucht hat, die inhaltliche Erstarrung der letzten christliberalen Koalition unter Helmut Kohl aufzubrechen, als durchaus präsidiabel. Dass die Kandidatur trotzdem nicht automatisch auf ihn zuläuft, hat im Kern einen einzigen Grund. Schäuble hat trotz seiner langen politischen Laufbahn in der CDU keinerlei Hausmacht aufgebaut. Wenn also Edmund Stoiber als CSU-Vorsitzender, selbst wenn Erwin Teufel als Chef des großen Landesverbands Baden-Württemberg ins Kandidaten-Spiel käme, müsste Schäuble wohl rasch hintanstehen. Auch hat sich der Jurist aus dem Badischen, hart gegen sich selbst wie gegen andere und von manchmal schneidend scharfem Verstand, in seiner Zeit als Fraktionschef manchen Gegner gemacht. Gerade im eigenen Lager sind ihm darum längst nicht alle Stimmen sicher.

Dass hingegen alte Verdächtigungen aus der CDU-Spendenaffäre und die regelrechte Feindschaft zwischen Schäuble und Helmut Kohl eine Kandidatur unmöglich machten, halten viele Unionspolitiker entgegen einem verbreiteten Urteil nicht für zwingend. Schäuble sei weniger an ungeklärten Fragen in der Spendenaffäre als am eigenen unklugen Verhalten gescheitert. Und wenn er das gemeinsame Personalangebot von CDU-, CSU- und FDP-Führung werden sollte, werde sich auch Kohl dem kaum in den Weg stellen, vermuten führende Politiker. Mit Schäuble ist also durchaus zu rechnen. bib

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