Zeitung Heute : Der Evangelische Kirchentag

Claudia Keller

Was wird heute wichtig?

Die Türen auf, das Tor macht weit: Heute Abend wird in Hannover der 30. Evangelische Kirchentag eröffnet. Das Christentreffen, zu dem mehr als 100000 Besucher erwartet werden, könnte besonders spannend werden, denn es haben viele Bundespolitiker ihr Kommen angesagt. An der Eröffnungsveranstaltung werden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Bundespräsident Horst Köhler und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) teilnehmen, in den Tagen darauf sitzen unter anderem Franz Müntefering (SPD), Angela Merkel (CDU) und Joschka Fischer (Grüne) auf den Podien. Am Donnerstag diskutieren Müntefering und Merkel über Europa und seine gemeinsamen Werte. Schröder spricht am Freitag mit Friedensnobelpreisträger Wangari M. Maathai über das Thema „Welt-Partnerschaft“. „Wir hoffen, dass die Veranstaltungen nicht zu Wahlkampfkundgebungen werden, sondern dass die Politiker über die Sachthemen diskutieren, zu denen wir sie eingeladen haben“, sagt Rüdiger Runge, Sprecher des Kirchentages.

Unter dem Motto „Wenn dein Kind dich morgen fragt“ und entlang der drei Fragestellungen „Wie können wir glauben?“, „Wie wollen wir leben?“, „Wie sollen wir handeln“ soll es bis Sonntag in etwa 3000 Veranstaltungen um die Zukunft der Kirchen und der Gesellschaft gehen.

Schwerpunktthemen sind das Verhältnis zu den Muslimen, die Reform der Sozialsysteme, die Frage, welche christlichen Werte in Wirtschaft und Politik eine Rolle spielen. Interessant dürfte die Frage werden, welche Rolle sich die Kirchen selbst bei den Reformen zuschreiben. Auch die Ökumene steht im Mittelpunkt der Debatten. Nach dem ökumenischen Kirchentag vor zwei Jahren ist das Verhältnis der Amtskirchen zueinander abgekühlt. Da nun das Jahr 2010 als Termin für einen neuen ökumenischen Kirchentag feststeht, könnten die Treffen von Bischof Wolfgang Huber, EKD-Ratsvorsitzender, und Kardinal Karl Lehmann, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, in Hannover neue Impulse geben.

Fast rund um die Uhr führen außerdem Meditationen, Pilgerwege und Workshops zu Gebetsritualen der Weltreligionen sowie ein „Zentrum Glück“ in die bunte Welt der Spiritualität. Der Evangelische Kirchentag kehrt in Hannover zu seinen Ursprüngen zurück. Vor mehr als 50 Jahren ging die Kirchentagsbewegung von hier aus.

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