Zeitung Heute : Der Eventmacher

Wenn Berlin am Brandenburger Tor oder auf der Fanmeile feiert, sorgt Rainer Wohlthat hinter den Kulissen für erfolgreiche Veranstaltungen

Foto: David Heerde

Der Berliner Halbmarathon ist gelaufen, das Baumblütenfest in Werder abgeräumt. Ende Mai feiert noch Müllrose im Landkreis Oder-Spree sein 750-jähriges Bestehen und dann ist es fast so weit: Für die Organisatoren von Wohlthat Entertainment, Berliner und Besucher der Stadt beginnt das Event des Jahres. Am zweiten Juniwochenende wird auf dem Olympischen Platz mit der Eröffnung des Internationalen Fifa-Fan-Festes Berlin der Beginn der Fußball-WM in Südafrika übertragen und gefeiert. Zwei Wochen später verwandelt sich die Straße des 17. Juni wieder in eine Fanmeile.

Die Fanmeile vor vier Jahren war das bisher größte Event, das Rainer Wohlthat mit seiner Mannschaft auf die Beine gestellt hat. „Die Stimmung hat uns fast Unmögliches leisten lassen“, erinnert sich der Geschäftsführer. Während der Veranstaltung haben sie zweimal innerhalb von 24 Stunden das Gelände erweitert, samt Großbildleinwänden, Bühnen, Absperrgittern, weiterem Sicherheitspersonal und Catering. In diesem Jahr will Wohlthat diese Stimmung wiederaufleben lassen. So können Millionen von Fußballfans die Spiele wieder auf sieben Großbildleinwänden sehen. Damit alles reibungslos funktioniert, werden laut Wohlthat rund 2000 Leute im Einsatz sein, allein 600 sind davon für den Sicherheitsdienst zuständig.

Die 15 festen Mitarbeiter des Unternehmens kümmern sich um Programm- und Evententwicklung, Planung, Organisation und Logistik der Veranstaltungen. Beim Bühnenaufbau und der Technik arbeiteten die Eventmacher schon viele Jahre beispielsweise mit den Firmen Lehmann-Crew und Stageco zusammen. Enge Kooperationen bestehen auch mit dem Verein „Deutschland – Land der Ideen“ und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. „Verlässliche und vertrauensvolle Partner und ein gutes Team sind wichtig, sonst funktioniert das Geschäft nicht“, sagt Wohlthat.

Der gelernte Dreher aus dem Sächsischen Vogtland ist seit 20 Jahren in der Eventbranche. Nach einigen Jahren im Ticketverkauf gründete er 1997 das Unternehmen Wohlthat Entertainment. Seine erste Großveranstaltung war Silvester am Brandenburger Tor, ein Auftrag von Willi Kausch, dem Geschäftsführer der Firma K.T.G. für Kongress-und Konferenzorganisation und Chef der Silvester in Berlin Veranstaltung GmbH. „Damals kamen 30 000 Gäste, heute sind es eine Million“, berichtet Wohlthat, der inzwischen mit Kausch befreundet ist.

Längst ist Wohlthat Entertainment bei den Großevents Marktführer in Deutschland. Neben der Silvesterparty am Brandenburger Tor und der Fanmeile ist das Unternehmen auch für das Fest am Tag der Deutschen Einheit, die Potsdamer Schlössernacht, die Botanische Nacht in Dahlem, das Gauklerfest an der Staatsoper zuständig. Der Jahresumsatz beträgt knapp sieben Millionen Euro. Zum Unternehmen gehört auch die Tochter Event Logistik Service, die für die Realisierung von Firmenevents zuständig ist.

Die Wirtschaftskrise ist an der Eventbranche nicht spurlos vorbeigegangen. „Einerseits braucht man fast die doppelte Besucherzahl, um den gleichen Umsatz zu machen, andererseits geben die Leute auch Geld aus, wenn ihnen etwas gefällt“, sagt der 57-jährige Geschäftsführer. Auch die Finanzierung mit Hilfe von Sponsoren sei schwieriger geworden. Wohlthats Geheimnis lautet: Veranstaltungen sind nur zu halten, wenn sie weiterentwickelt werden. Wichtig ist, den Besuchern immer etwas Neues zu bieten.

Die Potsdamer Schlössernacht ist eine von Wohlthats Lieblingsveranstaltungen, besonders der Konzertabend vor der Nacht. Ginge es nach ihm, würde er eine zweite veranstalten. Schließlich sei der Besucherstrom ungebrochen.

Wohlthat hat noch viel vor: das Programm der Botanischen Nacht im Botanischen Garten soll erweitert werden. Nach den Feierlichkeiten anlässlich des 350-jährigen Bestehens der Flaniermeile Unter den Linden, würde er gerne wieder ein historisches Fest veranstalten.

www.wohlthat-entertainment.de

Die Wirtschaftskrise ist an der Eventbranche nicht spurlos vorbeigegangen. Man braucht fast die doppelte Besucherzahl für den bisherigen Umsatz. Aber die Leute geben auch Geld aus, wenn ihnen etwas gefällt.“

Rainer Wohlthat,

Geschäftsführer

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