Zeitung Heute : Der ewige Spaß

Der Tagesspiegel

Irgendwie hat die kölsche Lebensart mit ihrem kompromisslos zur Schau getragenen Optimismus und dem ewigen Spaß an der Freud ja was Rührendes: Über 7000 rot-weiß gewandete Fans machten sich am Samstag auf den Weg ins Revier, um ihren FC beim Auswärtsspiel in Dortmund zu unterstützen. Alle waren sie bestens gelaunt, genossen den Sonnenschein und freuten sich auf das Spiel. Und wenn man nachfragte, gab es nicht den leisesten Hauch eines Zweifels: Am Ende der Saison wird alles gut.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Der 1. FC Köln ist zwei Spieltage vor dem Saisonende Vorletzter der Tabelle, der Abstand auf den rettenden Platz 15 beträgt fünf Punkte. Und wenn man alle Koordinaten zusammenzählt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Klub vom Rhein nach 1998 zum zweiten Mal absteigen wird, sehr viel höher als die auf ein Happy End. Doch seit wann kümmert sich der Kölner um so schnöde Dinge wie Fakten, wenn es um den FC geht? Selbst nach dem dramatischen 1:2 in Dortmund lebt die Hoffnung. Vor allem auch, weil die Mannschaft nie den Eindruck hinterließ, sie habe sich bereits aufgegeben.

Dirk Lottner, der kreative Kopf des FC, hätte zehn Minuten vor Spielende sogar für einen Kölner Sieg sorgen können, als er völlig allein vor BVB-Torhüter Jens Lehmann auftauchte, den Ball jedoch mit seinem starken linken Fuß am Tor vorbeischob.

Was bleibt, ist die Aussicht auf die beiden abschließenden Begegnungen gegen Freiburg und Cottbus. Trainer Funkel wird nicht müde, die „fantastische Moral meiner Mannschaft“ zu loben. Auch der neue Manager Andreas Rettig ist angetan, „wie es die Mannschaft verstanden hat, den Glauben hoch zu halten". Und so wird sich die Kölner Fußball-Gemeinde am kommenden Wochenende voller Zuversicht im Müngersdorfer Stadion versammeln, um gegen den Abstiegs-Konkurrenten aus Freiburg das Spiel zu zelebrieren, das tatsächlich die letzte Chance bedeutet. Alle, die dem FC zugetan sind, werden kommen. Alle - außer Rettig. Der Mann, der vor wenigen Wochen aus dem Breisgau an den Rhein gekommen ist, wird nicht im Stadion sein. „Das kann ich mir emotional nicht antun.“Felix Meininghaus

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