Zeitung Heute : DER EX-FAVORIT

Sergej Iwanow

(54), er galt bis gestern Nachmittag als möglicher zukünftiger Präsident Russlands. Nachrichtengenturen spekulierten dann auch, dass Wladimir Putin ihn als Nachfolger des Ministerpräsidenten Michail Fradkow vorschlagen werde, der am Mittwoch zurückgetreten war. Schließlich hatte Putin Iwanow erst im Februar dieses Jahres vom Verteidigungsminister zum stellvertretenden Regierungschef befördert – und ihn zusätzlich damit betraut, einen Teil der zivilen Wirtschaft zu koordinieren. Politische Beobachter sagten damals, mit diesem Schritt werde Iwanow von Putin für das Präsidentenamt in Stellung gebracht. Tatsächlich gilt Sergej Iwanow als ähnlich harter Kerl wie Putin. Iwanow arbeitete seit 1976 beim russischen Geheimdienst und rückte 1998, als Putin für kurze Zeit Geheimdienstchef war, zu dessen Stellvertreter auf. Im März 2001 holte ihn Putin als Verteidigungsminister in seine Regierung. Iwanow, ein Hardliner und russischer Großmachtideologe, machte mit markigen Sprüchen auf sich aufmerksam – die meist gegen den Westen, die USA oder die Nato zielten. Dass er dieses Amt zu Jahresanfang aufgeben musste, kann durchaus als Befreiungsakt für ihn gewertet werden. Denn das entledigte ihn der politischen Verantwortung für die Missstände in der russischen Armee. Rekrutenschinderei, bei der jährlich Tausende junger Russen sterben oder krank werden, sowie Korruption in der Armee hatten seinem Ansehen in der Bevölkerung geschadet.

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