Zeitung Heute : Der Fall

Die fünfte Niederlage in Folge, der Trainer muss gehen. Wie geht es weiter mit der Hertha?

Ohne Trainer. Herthas Manager
Ohne Trainer. Herthas Manager

Nach nur 52 Tagen im Amt ist Michael Skibbe gestern als Trainer von Hertha BSC entlassen worden. Die 0:5-Niederlage am Vortag beim VfB Stuttgart war unter dem 46 Jahre alten Trainer die fünfte Niederlage im fünften Spiel. Am 22. Dezember 2011 hatte Skibbe die Nachfolge von Markus Babbel angetreten. Seitdem wurden alle vier Bundesligaspiele sowie das Pokalspiel vor wenigen Tagen gegen Borussia Mönchengladbach verloren. 13 Spieltage vor Saisonende befindet sich Berlins Fußball-Bundesligist in höchster Abstiegsgefahr. Der letzte Sieg liegt über über Monate zurück, ein 3:2 in Wolfsburg am 29. Oktober 2011.

Woran ist Skibbe gescheitert?

Die Umstände, unter denen Skibbe Trainer wurde, waren ungünstig. Die unsaubere Trennung von Babbel, die von gegenseitigen Lügenvorwürfen begleitet war, hatte auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft gedrückt und die Vereinsführung unter Zugzwang gesetzt. Skibbe, der zu diesem Zeitpunkt noch Trainer in der Türkei war, musste aus einem noch laufenden Vertrag herausgekauft werden. Die sportliche Talfahrt aber hatte bereits unter Babbel eingesetzt. Die letzten sechs Spiele der Hinrunde war Hertha sieglos geblieben. Andererseits bezweifelte ein großer Teil der Hertha-Fans, dass Skibbe der richtige Mann für Hertha sei. So stand es in Internetforen. Selbst im Präsidium soll es eine gewisse Skepsis gegeben haben. Das Binnenklima belastet haben dürfte vor allem der Kabinenskandal nach der Heimniederlage gegen den HSV, wo Interna aus der Kabine in die Öffentlichkeit gedrungen waren. So soll Skibbe den Stellvertreter des Kapitäns, Christian Lell, verbal heftig angegangen sein. Preetz stärkte daraufhin Skibbe den Rücken. Mit der Autorität des Trainers Skibbe war es von da an nicht mehr gut bestellt. Zudem unterließ es das Management, den Kader in der Winterpause zu verstärken. Kaum ein Spieler im vorhandenen Kader hat unter Skibbe sein Leistungsmaximum abgerufen.

Was sagen die vielen Trainerentlassungen über das Management Herthas?

Nichts Gutes. Michael Preetz hat im Sommer 2009 die Nachfolge von Dieter Hoeneß als Geschäftsführer Sport übernommen. In der Amtszeit von Preetz ist Skibbe bereits der vierte Trainer, der verschlissen wurde. Im September 2009 hatte er Lucien Favre, unter dem noch drei Monate zuvor um die Meisterschaft gespielt wurde, den Laufpass gegeben. Da waren gerade mal sieben Spieltage der neuen Saison absolviert. Preetz setzte Friedhelm Funkel als neuen Trainer ein, unter dem der Absturz nicht wirklich gestoppt werden konnte. Preetz hielt so lange an Funkel fest, bis der Abstieg Herthas nach 13 Jahren besiegelt war. Als Zweitligatrainer konnte Preetz dann Markus Babbel gewinnen, unter dem der Wiederaufstieg gelang. In der Bundesliga etablierte sich die Mannschaft unter Babbel im sicheren Mittelfeld. Nachdem Babbel im Spätherbst gesagt hatte, seinen bis zum Sommer 2012 laufenden Vertrag zwar gern erfüllen, aber nicht verlängern zu wollen, gab Hertha seine Entlassung bekannt.

Welche Konsequenzen hat die Entlassung Skibbes für Manager Preetz?

Der bis zum Sommer 2012 laufende Vertrag von Michael Preetz als Geschäftsführer ist im vergangenen Sommer um zwei Jahre verlängert worden. Neben einigen Spielern zählt Preetz zu den Topverdienern bei den Berlinern. Als er die Nachfolge von Hoeneß antrat, drückten den Verein hohe Schulden, die sein Handeln bestimmten. Vorrangig lieh Preetz Spieler aus oder aber verpflichtete Spieler, die ablösefrei waren. In den Jahren zuvor, in denen Preetz im Schatten von Hoeneß agierte, konnte er keine Akzente setzen. Nun, nach der höchsten Niederlage Herthas seit fünf Jahren und seiner vierten Trainertrennung, sagt Preetz: „Ich trage die Verantwortung für die Personalentscheidungen, gerade auch die der Trainer. Leider war die nicht von erhofftem Erfolg. Es ist auch meine Verantwortung für Hertha BSC, diese Fehleinschätzung zu korrigieren.“ Dass er sich auf dem Posten des Trainers Kontinuität wünsche, hatte Preetz immer betont. Gestern musste er einräumen, „dass wir das bis heute nicht hinbekommen haben“. Persönliche Konsequenz schloss Preetz aus. „Ich bin a) ein Kämpfer, der b) nicht wegläuft. Und c) macht es auch nicht jeder, Fehler einzuräumen.“ Bei zahlreichen Fans und Anhängern, bei denen Preetz als Rekordtorschütze des Klubs Ansehen genoss, bröckelt der Rückhalt. Vor allem wird dessen Krisenmanagement heftig kritisiert. Spätestens wenn in seinem Leistungsnachweis im kommenden Sommer nach dann drei Jahren als Manager ein zweiter Abstieg stünde, wäre er nicht mehr haltbar.

Wie geht es dem Verein wirtschaftlich?

Wirtschaftlich befindet der Verein sich seit Jahren in Schieflage. Nach wie vor ächzt Hertha unter einer Schuldenlast von rund 35 Millionen Euro, die Einnahmesituation bleibt eingeschränkt. Den letzten Abstieg konnte der Verein nur mit einigen wirtschaftlichen Verrenkungen und dank eines geheimen Investors (acht Millionen Euro) verkraften. Ob Hertha das ein zweites Mal schaffen kann, ob die Sponsoren erneut zum Risiko bereit wären, ist fraglich. Durch die Entlassung Skibbes, der einen Vertrag bis 2014 besaß, soll dem Verein „kein wirtschaftlicher Schaden“ entstehen, wie Preetz sagte. Man habe entsprechende „Regelungen“ getroffen.

Wie geht es weiter, wer übernimmt Hertha?

Am kommenden Wochenende gastiert Meister Dortmund in Berlin. Für Preetz eine ideale Konstellation. Die Borussia befände sich in bestechender Form, „wir sind krasser Außenseiter, wir haben nichts zu verlieren“. Einen neuen Trainer konnte Preetz am Sonntag nicht präsentieren, sondern zunächst nur eine interne Lösung. Die beiden Nachwuchstrainer René Tretschok (U 19) und Ante Covic (U 15) werden das Team ab Dienstag zunächst auf das Spiel gegen Dortmund vorbereiten. Zudem wurde gestern von mindestens einem Präsidiumsmitglied eine außerordentliche Präsidiumssitzung beantragt.

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