Zeitung Heute : DER FAST-SÜNDENBOCK

Rainer Brüderle,

Wirtschaftsminister



Der stellvertretende FDP-Chef gilt als markantestes Gesicht des Wirtschaftsliberalismus. Brüderle, der in Rheinland-Pfalz mit der SPD regiert hat, steht für Mittelstand, Steuersenkungen und galt 2010 als treibende Kraft für eine möglichst großzügige Verlängerung der Akw-Laufzeiten. Als Minister genießt er hohes Ansehen in der Bevölkerung, mehr jedenfalls als sein Parteichef. Zum Fauxpas kam es hingegen, als wenige Tage vor den Landtagswahlen bekannt wurde, dass Brüderle bei einem BDI-Treffen die Atomwende seiner Koalition als Wahlkampftrick bezeichnet hat. Nach dem Wahldebakel hatte Parteichef Westerwelle am Montag gemeinsam mit einigen jungen Spitzenliberalen versucht, Brüderle als Sündenbock für die Wahlen auszumachen und ihn aus dem Parteipräsidium und seinem Ministeramt zu drängen. Gerüchte, wonach zwei der jungen FDP-Spitzen, Philipp Rösler und dessen Staatssekretär Daniel Bahr, bereits im Kanzleramt eine Umbesetzung geplant hätten, fanden indes keine Bestätigung. So habe Brüderles Amt mit Rösler besetzt werden sollen, dem dann Bahr an der Spitze des Gesundheitsministeriums folgen sollte. Brüderles Ziel ist es, sich nicht aus seinem Ministeramt drängen zu lassen. Nachdem er für sein FDP-Landesamt nicht mehr kandidieren will, wird erwartet, dass er sich auch aus der Bundesparteispitze zurückziehen wird. asi

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