Zeitung Heute : Der Feuerlöscher

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Mit am schlimmsten sind die Fisteln. Gänge, die die Krankheit durch das Gewebe bohrt. Gänge, die sich vom Darm bis in die Haut durchwühlen können. Oder in andere Organe. Die Rede ist vom Morbus Crohn, einer chronischen, in Schüben verlaufenden Entzündung des Darms, die sich am häufigsten durch Schmerzen und Durchfälle bemerkbar macht. Aber in schweren Fällen eben auch durch Fisteln und andere Komplikationen.

Schon länger verdächtigen Wissenschaftler ein körpereigenes Eiweiß, den Schwelbrand der Entzündung immer wieder anzufachen. Gegen diesen Stoff mit Namen TNF-alpha gibt es nun ein Mittel. Es ist ebenfalls ein Eiweiß, ein Antikörper, der seinerseits TNF-alpha ausschaltet. Das funktioniert auch in hartnäckigen Fällen, wie nun eine Studie im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ beweist.

Ein internationales Ärzteteam unter Leitung von Bruce Sands von der Harvard Medical School in Boston testete das neuartige Medikament namens Infliximab bei rund 300 Crohn-Kranken, die unter Fisteln litten. Das Ergebnis nach einem Jahr: bei knapp 40 Prozent der Patienten hatten die Fisteln sich zurückgebildet. Das waren doppelt so viel wie in der Gruppe der Kranken, die zum Vergleich nur ein Scheinmedikament bekommen hatten. Damit bestätigt die Studie voraufgegangene Untersuchungen. Infliximab, so das Fazit, kann die Krankheit in schweren Fällen zurückdrängen und ein Wiederaufflackern hinauszögern.

„Zwei von drei Crohn-Patienten sprechen auf das Mittel an“, berichtet Carsten Büning, Magen-Darm-Spezialist an der Berliner Charité, der an der Studie beteiligt war. Allerdings wird dieser Erfolg teuer erkauft, denn eine Dosis des Medikaments kostet rund 3000 Euro. Es wird im Abstand von einigen Wochen gespritzt.

Und dann ist da noch ein Problem. „Der Körper braucht TNF-alpha in guten wie in schlechten Zeiten“, sagt Büning. Wird das Eiweiß im ganzen Organismus blockiert, kann die Körperabwehr geschwächt werden und so alte Infektionen wie eine Tuberkulose wieder aufflammen.

Deshalb arbeiten jetzt Forscher an einem neuen Medikament, das TNF-alpha nur dort blockiert, wo es Schaden anrichtet – nämlich im Darm. Vielleicht wird auf diese Weise die Pille gegen die Crohn-Krankheit Wirklichkeit.

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