Zeitung Heute : Der Fitness-Verstand

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Oft widerspricht die Medizin unseren Alltagsgewissheiten. Die Erkältung kommt eben nicht von Kälte, sondern wird schlicht durch Viren ausgelöst. Und das Magengeschwür hat seine Ursache nicht in zu viel Stress, sondern in einem Bakterium. Aber manchmal bestätigt die Forschung auch aufs Schönste unsere Vorurteile. Ganz besonders trifft das auf den Spruch „Mens sana in corpore sano“ zu – dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper wohnt, wusste schon der Römer Juvenal, aus dessen Satiren der Spruch stammt. Eben diese Behauptung ist mittlerweile auch wissenschaftlich bestätigt worden: Wer sich körperlich bewegt, bleibt geistig beweglich. So einfach kann die Welt sein!

Sport, zum Beispiel Kreislauftraining mit Aerobic, stärkt also auch den Verstand. Und zwar nicht nur eine bestimmte Fähigkeit, sondern ganz allgemein. Wie das geschieht, ist noch nicht endgültig geklärt. Aber der allmähliche geistige Abbau, wie er im Alter nahezu unvermeidlich ist, wird gebremst. Die Hirnrinde – jenes Gebiet, in dem die berühmten kleine grauen Zellen dicht an dicht versammelt sind – schrumpft weniger, wenn man als älterer Mensch seinen Kreislauf regelmäßig trainiert.

Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler älteren Leuten, trainierten und untrainierten, beim Denken ins Gehirn geschaut. Sie wollten wissen: was sind die Unterschiede zwischen den Trägen und den Trainierten? Dazu verwendeten Stanley Colcombe von der Universität von Illinois in Urbana und seine Mitarbeiter ein Verfahren namens funktionale Magnetresonanz-Tomografie. Sie zeichnet Veränderungen der Durchblutung im Gehirn auf. Die Teilnehmer mussten zeigen, wie schnell sie auf Signale reagieren konnten.

Das Ergebnis der kürzlich im US-Fachblatt „PNAS“ erschienenen Studie: Kreislauftrainierte schnitten besser ab, und ihr Gehirn war anders durchblutet. Gebiete, die für die Erfüllung der Aufgabe benötigt wurden, waren stärker aktiv. Dagegen gab es ein Areal, das bei den Untrainierten stärker mit Leben erfüllt war – just jenes, das damit befasst war, die Aufmerksamkeit zu sammeln. Damit hatten die Fitten offenkundig weniger zu kämpfen. Sie waren konzentrierter.

Fitter Körper – flotter Verstand. Ein guter Grund für einen Spaziergang: 30 Minuten genügen!

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