Zeitung Heute : Der Frost bleibt draußen

Wintergärten holen Sommerstimmung ins Haus

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Foto: gms

Draußen geht der Regen langsam in Schnee über. Das Thermometer sinkt der Null-Grad-Grenze entgegen, und der Wind pfeift durch die kahlen Bäume. Trotzdem wird der Liegestuhl ausgeklappt und es sich unter üppig wachsenden Pflanzen gemütlich gemacht – der Wintergarten macht''s möglich. Immer häufiger gestalten Hausbesitzer die Anbauten zu vollwertigen Wohnzimmern für das ganze Jahr aus.

Nur einfach verglast und entsprechend kalt und feucht, dienten Wintergärten über Jahrzehnte lediglich als Aufbewahrungsort für Kübelpflanzen und Gartenmöbel. Heute hat sich die Palette der Nutzungsmöglichkeiten dank verbesserter Baumaterialien stark erweitert. Die Bandbreite reicht von unbeheizten Klimapuffern zur Energieeinsparung über Pflanzenzimmer mit niedrigen Innentemperaturen bis zum beheizten, ganzjährig nutzbaren Wohnraum – ein dann allerdings nicht ganz preiswertes Vergnügen. Nach Angaben des Fachverbandes Wohn-Wintergarten in Berlin kostet ein solches Projekt ab 30 000 bis 40 000 Euro aufwärts.

„Viele Bauherren, die nachträglich einen Wintergarten für ein bestehendes Haus planen, wollen durch das Glashaus mehr Wohnraum und mehr Licht in ihr Haus bringen“, sagt Uwe Arndt vom Fachverband Wohn-Wintergarten. Um das ganze Jahr dort sitzen zu können, ist eine gute Planung unverzichtbar: Ein Muss ist eine isolierte Bodenplatte. Der Wintergarten sollte sich beschatten und belüften lassen. Auch eine separate Heizung ist unbedingt erforderlich. Denn in der Winterzeit reicht die Sonne allein nicht für genügend Wärme aus.

Mit einem beheizten Wintergarten glauben manche Bauherren nicht nur zusätzlichen Wohnraum gewonnen zu haben, sondern für die Hausnutzung insgesamt auch Heizenergie zu sparen. „Dies ist nicht der Fall, da – grob vereinfacht dargestellt – nur ein unbeheizter, vom Kernhaus abgetrennter Wintergarten Energie einsparen kann“, sagt Jürgen Benitz-Wildenburg vom Institut für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim.

Unbeheizt dient das Glashaus als Klimapuffer. Die Wärme des Hauses kann nicht mehr ungehindert abfließen. Durch die Sonne, die in den gläsernen Wintergarten strahlt, entsteht als Folge des Treibhauseffekts zusätzliche Wärme. Sie kann aus dem abgetrennten Wintergarten ins Ursprungshaus geleitet werden. Dagegen beeinflussen beheizte Wintergärten trotz Wärmegewinns und Wärmeschutzverglasung die Energiebilanz des Hauses negativ, es wird mehr Energie verbraucht als zuvor.

Wintergärten werden aufgrund des hohen Glasanteils bei Sonnenschein schnell warm, sie kühlen aber auch schnell wieder aus. Als Verglasung sollte deswegen möglichst Dreischeibenisolierglas wie in Passivhäusern eingesetzt werden, lautet der Expertenrat. Empfehlenswert ist auch selbstreinigendes Glas bei Wintergärten mit verglasten Dächern. Für diesen Bereich muss zum Schutz vor herabfallenden Gegenständen grundsätzlich Sicherheitsglas verwendet werden.

Im Sommer kann es im Glashaus ohne Beschattung unerträglich heiß werden. Bereits an einem normalen Sonnentag kann die Raumtemperatur auf mehr als 35 Grad Celsius steigen, heißt es beim Bundesverband Rollladen und Sonnenschutz in Bonn. Am besten hilft außen angebrachter Sonnenschutz. Markisen und Jalousien blocken die Sonnenstrahlung schon vor der Glasfront ab und sorgen im Wintergarten für angenehme Temperaturen.

„Natürlichen Sonnenschutz bieten auch Laubbäume in der Nähe des Wintergartens. Die Blätter spenden im Sommer ausreichende Beschattung, im Winter kann man den Sonnenschein im Glasbau genießen.

Große Bedeutung für das Klima im Wintergarten hat eine gute Belüftung. Grundsätzlich müssen Zu- und Abluft sichergestellt sein. Abluftöffnungen in fünf bis sechs Metern Höhe können durch den natürlichen Auftrieb der Wärme meist eine ausreichende freie Lüftung gewähren. Ansonsten ist eine künstliche Lüftung empfehlenswert. Das Raumklima hängt von der Himmelsrichtung ab. Ist der Wintergarten nach Norden ausgerichtet, so fängt er die ersten und letzten sommerlichen Sonnenstrahlen ein, wird aber meistens tagsüber durch das Haus abgeschattet und ist daher vergleichsweise kühl. Einen idealen Frühstücksplatz bietet ein nach Osten gelegener Wintergarten. Er wird von der Morgensonne und teilweise auch von der Mittagssonne erwärmt, dann aber vor allzu großer Hitze bewahrt. dpa/Tsp

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