Zeitung Heute : Der Frühling ist gelb

Sobald es wärmer wird, strahlen Narzissen mit der Sonne um die Wette. In großen Gruppen gepflanzt wirken sie am schönsten.

Leuchtend. In Wales ist die Narzisse Nationalblume – Prinz Charles trägt sie an manchen Feiertagen im Knopfloch. Foto: dpa
Leuchtend. In Wales ist die Narzisse Nationalblume – Prinz Charles trägt sie an manchen Feiertagen im Knopfloch. Foto: dpaFoto: dpa-tmn

Wenn Wogen aus Gelb und Weiß die Gärten und Grünanlagen zieren, dann hat die Blüte der Narzissen ihren Höhepunkt erreicht. Die Zwiebelpflanze gehört zu den prächtigsten Boten des Frühlings. Sogar der britische Thronfolger, Prinz Charles, trägt sie an manchen Feiertagen im Knopfloch – denn in Wales ist die Schönheit Nationalblume. Die Narcissus pseudonarcissus blüht zuverlässig zu Ostern und wird daher auch Osterglocke genannt. Sie gehört zur Familie der Amaryllisgewächse und wird zehn bis 40 Zentimeter hoch.

Narzissen gibt es in vielen Farbnuancen, in klein- und großblumigen Formen, mit einfachen und gefüllten Blüten. „Narzissen verkörpern Aufbruch und stehen für Frühlingsgefühle“, sagt Anja Maubach, Staudengärtnerin und Gartendozentin aus Wuppertal. Sie rät daher zu einer geballten Bepflanzung: „Narzissen sollte man nicht vereinzelt pflanzen, denn sie wirken in großen Mengen erst richtig gut.“ Dann allerdings vermöge es kaum eine andere Pflanze, einen so intensiven Farb- und Blütenrausch im Beet oder auf dem Rasen zu produzieren. „Am schönsten und natürlichsten wirken die Frühlingsboten, wenn man die Zwiebeln beim Pflanzen aus den Säcken schüttet und so liegen lässt, wie sie fallen.“

Der Name der schönen Zwiebelblume entstammt der griechischen Mythologie. Der selbstverliebte Jüngling Narziss war so auf sich fixiert, dass er die Liebe der ihn umgebenden Nymphen nicht erwidern konnte. Aufgrund dieser übertriebenen Eigenliebe stürzte er der Sage nach in einen See und wurde in eine Blume verwandelt.

Zu den wichtigsten ursprünglichen Fundorten der wilden Narzissen zählen Spanien und Portugal. Zwei Wildarten haben heute ein besonders großes natürliches Verbreitungsgebiet: Die weiße Dichternarzisse (Narcissus poeticus), die von den Pyrenäen ausgehend bis nach Griechenland und zum Schwarzen Meer heimisch ist, und die gelbe Trompetennarzisse oder Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus), die sich von der iberischen Halbinsel nach Frankreich, Belgien und sogar England ausgebreitet hat. „In Deutschland ist besonders der Nationalpark Eifel für seine Bestände an Wildnarzissen berühmt“, sagt Maubach.

Narzissen sind wahre Alleskönner. „Sie passen nicht nur zu Gehölzen, auf Wiesen und ins Staudenbeet. Sie eignen sich auch für eine Kübelbepflanzung und als Schnittblume“, sagt Erika Brunken, Leiterin der Niedersächsischen Gartenakademie in Bad Zwischenahn. In Kombination mit dem blauen Frühlings-Gedenkemein (Omphalodes verna), dem gelben Steinkraut oder dem Leberblümchen (Anemone hepatica) sind besonders weiße Narzissen wie die mehrblütige und leicht duftende Sorte „Thalia“ vor Gehölzen ein Hingucker.

Für die frühe Blüte empfiehlt Brunken die kleinblütigen Sorten „Jetfire“ und „February Gold“, zum Schnitt für die Vase die großblumigen Sorten „Dutch Master“ und „Carlton“. „Aber Vorsicht: Narzissen sondern nach dem Schnitt eine schleimige Substanz ab, die andere Blumen schneller welken lässt. Deshalb sollte man sie in einer separaten Vase für etwa 24 Stunden ausschleimen lassen, bevor sie im Strauß kombiniert werden.“

Narzissen mögen es wintertrocken und sonnig, Staunässe sollte vermieden werden. „Sonne ist besonders für die großblumigen Sorten wichtig, damit sie standfest sind und bei Regen und Wind nicht so leicht umfallen“, sagt Brunken. Der Boden sollte alle zwei bis drei Jahre gekalkt werden. Ein pH-Wert unter sieben sei für die Narzissen ideal. Wenn sie nicht blühen, kann das laut Brunken daran liegen, dass der Boden zu arm an Nährstoffen ist.

Im Frühjahr sollten Narzissen drei bis fünf Liter Kompost pro Quadratmeter bekommen. Brunken rät, die Pflanzen nach der Blüte etwa Anfang bis Mitte April mit einem phosphatreduzierten, schnelllöslichen Volldünger zu versorgen. Er sollte ausgebracht werden, solange die Blätter der Osterglocken noch grün sind. „Dann kann die Pflanze die Nährstoffe noch aufnehmen und sie in der Zwiebel für Zuwachs und neue Blütenanlagen im nächsten Jahr speichern.“

Grundsätzlich sollte man die Blätter erst entfernen, wenn ihnen alle Nährstoffe entzogen und diese gespeichert wurden. „Die Blüte kann hingegen bereits nach dem Verblühen abgeknipst werden“, sagt Anja Maubach. Dann werde die vorhandene Energie nicht in die Samenbildung investiert. dpa

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