Zeitung Heute : Der Fußball kennt keine Dankbarkeit Marcel Reif verabschiedet eine große Generation

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Er tanzt nicht mehr. Er schwebt nicht mehr. Er muss sich von allenfalls mäßig begabten Schweizern anrempeln lassen, anpöbeln, anfassen. Er hat traurige Augen. Es ist ja auch zum Heulen. Es ist Götterdämmerung. Zinedine Zidane, der dem Fußball so unendlich viel gegeben hat, hat nichts mehr zu geben. Er hat es gewusst, er hat nicht mehr gewollt, sie haben ihn überredet. Aber dankt der Fußball ihm so viel Pflichterfüllung? Der Fußball kennt keine Dankbarkeit, er kennt auch keinen Respekt, er rollt einfach weiter, getreten, manchmal auch gedemütigt von anderen.

Es wird nicht weniger traurig, dass Zidane nicht alleine steht. Plötzlich können sie einfach nicht mehr mithalten. Sie sind einfach nicht mehr gut genug. Raúl ist auch so einer. Eine spanische Ikone. Verehrt, geliebt – für einst geleistete Arbeit. Die Gegenwart? Die vermisste ihn nicht, als die Spanier so furios gegen die Ukraine starteten, die Gegenwart heißt jetzt Torres.

Es bleibt den Abtretenden zu wünschen, dass sie die Größe haben, in Würde zu gehen. Zidane hatte sie, er müht sich jetzt für Frankreich, aber spielt nicht mehr für die Liebe zum Spiel. Oliver Kahn hat sie nun auch nach ein paar trotzigen Momenten. Jetzt gibt er den Herbergsvater für die Jungs, es ist schön, dass der Rat noch hilft, wenn die Tat es nicht mehr vermag.

Und Ronaldo? Das Denkmal, der Stürmer aller Stürmer. Ach, es ist auch dieser Fall schrecklich, noch schrecklicher als die anderen. Ronaldo steht rum, guckt zu, macht sich zur Karikatur. Ihm bleibt nichts, was er dagegenhalten könnte, er hat nicht mehr die Kraft dazu, vielleicht auch nicht den Willen. Will man ihm Lustlosigkeit vorwerfen, Faulheit, Arroganz? Wie er so dasaß, ausgewechselt, allein auf einer Bank, da sah es für mich so aus, als habe er schon gewollt, aber eben nicht mehr gekonnt. Auch er hatte traurige Augen.

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