Zeitung Heute : Der Geschäftsmann

Constanze von Bullion

Peter Krämer muss einen Augenblick grübeln, bis ihm einfällt, wann er zuletzt auf einer Demo war. „1979“, sagt er dann, „Nato-Doppelbeschluss. Ziemlich lange her.“ Um genau zu sein, war Krämer 28 Jahre alt, als er gegen die Stationierung von Mittestreckenraketen auf die Straße ging. Jetzt ist er 52, ein gesetzter Hanseate, der in einem Büro voll filigraner asiatischer Möbel sitzt und wieder diese alte Rage spürt. „Wenn sogar unsere Berufsgruppe, die immer auf der Seite Amerikas stand, vor dem Krieg warnt, muss man doch etwas tun“, sagt er. Krämer ist Reeder und hat für 80000 Euro eine Zeitungsanzeige geschaltet, in der Unternehmer und Künstler zur AntiKriegs-Kundgebung in Berlin aufrufen.

Ganz alltäglich ist das nicht für den Hamburger, der sich sonst eher abseits von Friedensfreunden und Weltverbesserern bewegt. Krämer besitzt eine Flotte von 15 Schiffen, die Heizöl und Diesel über die Meere schippern. Er berät auch Firmen, die Flüssiggas in Tankern transportieren, was durchaus schief gehen könnte, wenn man es falsch macht. Kurz gesagt, er kennt sich aus mit der Abwägung von Chancen und Risiken, weshalb ihn die aktuelle US-Politik entsetzt.

„Wenn es ein langer Krieg wird, dann wäre das verheerend für alle“, sagt Krämer, den eine Konferenz der internationalen Gas- und Ölindustrie in Katar aufgerüttelt hat. 2000 Manager und Vorständler multinationaler Konzerne saßen da zusammen. „Alles stockkonservative Geschäftsleute, die überwiegend sehr amerikafreundlich sind“, erzählt er. „Die haben sich ohne Ausnahme gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen.“ Viele Manager befürchteten eine Destabilisierung und Radikalisierung der Region – und eine Ölpreiskontrolle durch die USA. „Wenn es Saddam gelingt, saudi-arabische Häfen und Raffinerien zu treffen, ist die Weltwirtschaft getroffen“, sagt Krämer. Hundert Dollar pro Barrel Öl, weltweite Rezession, alles nicht ausgeschlossen, meint er.

Keine Frage, Peter Krämer will „etwas Sinnvolles tun“, aber es sind nicht nur humanitäre Anliegen, sondern auch wirtschaftliche Interessen, die ihn gegen den Krieg aufbringen. Er macht kein Hehl daraus, dass er auch kritisiert wurde für seine Anzeige. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nannte sie einen „verfehlten Friedensaufruf“, der „linken Antiamerikanismus“ schüre. Lächerlich, findet Krämer. Er fährt am Samstag nach Berlin, mit der Familie und dem halben Betrieb.

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