Zeitung Heute : Der gute Hase von Sezuan

Der Tagesspiegel

Ein Hase mit Ohren, die wie angenäht aussehen, ist der neue ZDF-Star. Felix heißt er, und er wird von einem Zeichner auf Weltreise geschickt („Briefe von Felix“, ZDF, 10 Uhr 20). Per Hand wurde das possierliche Tierchen animiert, und zwar ziemlich aufwändig, mit 480 Hintergründen. Produziert wurde das Ganze in Budapest. Zeichentrick im ganz klassischen Sinne.

Grundlage der 26-teiligen Serie sind sieben Kinderbücher des jungen Erfolgsduos Annette Langen (Autorin, Jahrgang 1967) und Constanza Droop (Illustratorin, Jahrgang 1965) mit einer verkauften Auflage von knapp 2,3 Millionen Exemplaren allein in Deutschland. Die Bücher wurden nun von John Patterson für den Bildschirm adaptiert, wobei man betont, dass die Bilderbücher „frei in ein anderes Medium übersetzt“ wurden. Entscheidend ist dabei der Wechsel der Erzählperspektive, denn war es in den Büchern Sophie, die von ihrem Plüschhasen erzählt, wie er ihr Briefe schreibt, so ist es nun der weltreisende Felix selbst, der unmittelbar von all seinen Abenteuern etwa aus Paris, London, Rom, Kairo oder New York erzählt.

„Abenteuerlich-humoristische Länderkunde für Kinder“ nennt dies das ZDF, und eigentlich ist Felix schon so eine Art guter Hase von Sezuan. Der moralische Zeigefinger wird zwar nicht wirklich erhoben, aber beim Zweiten unterstreicht man dann doch besser nochmal, dass die „Felix“-Bücher ja bereits eine Auszeichnung gegen Rassismus erhalten haben, dass es ums Reisen gehe, womit also Toleranz und Weltoffenheit einhergingen, und natürlich ums Briefeschreiben, womit durch die Serie auch ein bedrohtes Medium gewürdigt werde. Damit wäre wohl der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag erfüllt. Thilo Wydra

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