Zeitung Heute : Der Harry in unseren Köpfen

Harald Martenstein

Ein Buch kann man aufschlagen, so oft man will, und zwar überall. Wie die Zeitung! Einen Film kann man nur sehen, wenn ein Kino in der Nähe ist. Wenn man ein Buch liest, hat man dabei Bilder im Kopf. Jedes Kind und jeder Erwachsene, der die Harry-Potter-Bücher gelesen hat, hat sich dabei natürlich Harry, Ron und Hermine vorgestellt. Und jeder Harry, jeder Ron, jede Hermine sah wahrscheinlich ein bisschen anders aus - 100 Millionen Harrys, Rons und Hermines in 100 Millionen Köpfen, das muss man sich mal vorstellen!

Jetzt kommt der Film. Manche Leute finden, das ist schade. "Der Film macht uns unseren eigenen Harry kaputt", sagen sie. "Wir haben jetzt immer diesen Kinoharry im Kopf." In einem Film muss auch immer vieles weggelassen werden. In einen Film passt nie so viel Stoff hinein wie in ein Buch.

Manchmal sind die Filme sehr anders als die Bücher - die Winnetoufilme zum Beispiel sind viel lustiger als die Bücher von Karl May. Man kann versuchen, einen Film dem Buch so ähnlich zu machen, wie es geht. Das haben die Potter-Leute probiert.

Also werden alle Harry-Potter-Fans den Film sehen wollen. Eine Sache aber finden viele nicht okay: Dass jetzt Coca-Cola mit Harry Reklame machen darf. Dafür hat Coca-Cola viel Geld bezahlt. Aber Cola und Harry haben nichts miteinander zu tun. Werbung für einen Besenkonzern oder für eine Tierfabrik, die Zaubereulen herstellt - das hätte Harry gefallen.

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