Zeitung Heute : Der Hauptstadtbonus ist verbraucht

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Richtige Freude mag derzeit bei den Berliner Immobilienmaklern nicht aufkommen. Das Geschäft läuft verhalten, die Vermieter von Büroflächen sind enttäuscht über den schwachen Markt. Und das sei noch milde ausgedrückt, sagt ein Marktbeobachter. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres konnten in Berlin gerade einmal 290 000 Quadratmeter Büroflächen vermietet werden. "Rechnet man das hoch auf das Jahresende, kommen wir insgesamt vielleicht auf 420 000 Quadratmeter", sagt Rolf Scheffler von Aengevelt Research. Im Vergleich zu den 550 000 Quadratmetern des vergangenen Jahres ist das ein bescheidenes Ergebnis.

Erfahrungsgemäß seien bei den Büroimmobilien im vierten Quartal die meisten Abschlüsse zu erzielen. Doch nach den Ereignissen des 11. September sei in diesem Jahr nicht mehr viel zu erwarten, schätzt Martin Puchmayr von FPD Savills. Zwar seien einige größere Nachfrager noch auf der Suche nach geeigneten Flächen, sagt Rolf Scheffler, doch mit Abschlüssen rechnet man erst im kommenden Jahr. Aber auch dann ist mit einem Anziehen des Markts auf Grund der schwierigen Wirtschaftslage wohl nicht zu rechnen. Die Leerstandsrate hat sich mittlerweile auf 1,3 Millionen Quadratmeter zwar leicht verringert, doch der Abbau ist niedriger ausgefallen als im vergangenen Jahr. Der Markt stagniert.

Spitzenmieten am Pariser Platz

Lediglich die City-West konnte zulegen. Das Neue Kranzler Eck hat seine Ankündigungen, nicht unter 40 Mark zu vermieten, wahrmachen können, auch wenn dort noch Flächen bereit stehen. Durch die gute Vermietungsrate im Westteil der Stadt hätten sich die Unterschiede der beiden City-Bereiche etwas angeglichen. 50 000 Quadratmeter vermieteter Bürofläche in Mitte stehen 40 000 Quadratmeter in der West-City gegenüber. In Mitte liegen die Mietpreise mit 40 Mark daher auch nicht über dem Vorjahr. Durch die Fertigstellung der Flächen am Bahnhof Friedrichstraße erwartet Christine Buwitt von Angermann Immobilien für diesen Bereich sogar einen Anstieg des Leerstands. Die Spitzenmieten für Berlin waren mit 60 Mark weiterhin am Pariser Platz zu erzielen.

"Im Vergleich zu Berlin stehen die Märkte in den alten Bundesländern besser da", sagt Rolf Scheffler. Eine positive Entwicklung sei in Düsseldorf zu beobachten. Mieten und Flächenumsätze steigen im Vergleich zum Vorjahr weiter an, die Leerstandsrate sinkt. Frankfurt hat mit 540 000 Quadratmeter vermieteter Fläche bereits jetzt ein weitaus höheres Niveau geschafft als Berlin am Jahresende erreichen wird. Die Spitzenmieten haben die 100-Mark-Grenze erreicht. Grund dafür sei, dass in Frankfurt generell weniger Flächenpotenzial vorhanden ist als in Berlin. "Das hebt die Preise.

Ganz andere Dynamik in München

Primus unter den deutschen Städten ist in diesem Jahr wieder München. Die Millionen-Marke des vergangenen Jahres werde allerdings auch hier vermutlich nicht erreicht. Bei Aengevelt Research geht man für 2001 von 900 000 Quadratmetern vermieteter Bürofläche aus. Die Krise der New Economy mache sich auch hier bemerkbar. Mehrere Firmen hätten ihre Mietzusagen nicht eingehalten. "Die Nachfrage aus dieser Branche ist um etwa 40 Prozent eingebrochen", sagt Christine Buwitt. Dennoch herrsche in der bayrischen Landeshauptstadt eine ganz andere Dynamik als in Berlin.

Klagen werden auch in Hamburg laut. Hatte man dort im vergangenen Jahr noch ähnlich viel umsetzen können wie in Berlin, werde man vermutlich unter 400 000 Quadratmeter vermieteter Bürofläche bleiben, schätzt Rolf Scheffler.

In den ostdeutschen Städten sieht es nach Einschätzung der Experten nach wie vor düster aus. Selbst Leipzig werde vermutlich noch etwas schwächer abschneiden als im Vorjahr. Die Auswirkungen der Unternehmensansiedlungen der Automobilbauer BMW und Porsche würden sich, wenn überhaupt, nur verzögert bemerkbar machen. "Es ist auf jeden Fall eine Imageverbesserung", sagt Rolf Scheffler. Aber Büroansiedlungen im großen Stil seien vorerst nicht zu erwarten.

Ähnliche Prognosen werden für die Hauptstadt aufgestellt. Für den Berliner Immobilienmarkt erwarten die Makler auch in den kommenden Jahren keine entscheidenden Verbesserungen. Der Hauptstadtbonus sei aufgebraucht, ein neues Nachfragehoch nirgends abzusehen. Nicht nur Christine Buwitt geht von einer langfristigen Delle in der Konjunktur aus. Als Makler könne man sich jetzt nur noch mehr um die Kunden bemühen und den Service weiter verbessern.

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