Zeitung Heute : Der Hunger regiert

Dagmar Dehmer

In Simbabwe hat eine Regionalkonferenz zur Ernährungssicherheit begonnen. Warum hungern die Menschen im südlichen Afrika seit mehr als drei Jahren?

Eine Konferenz zur Lebensmittelsicherheit ausgerechnet in Simbabwes Hauptstadt Harare mutet eigenartig an. Schließlich sind im Simbabwe des 81-jährigen größenwahnsinnigen Präsidenten Robert Mugabe rund vier Millionen von etwa zehn Millionen Einwohnern vom Hunger bedroht. Und in den Nachbarstaaten sieht es nicht besser aus. In Malawi hungert die Hälfte der Bevölkerung, und das Welternährungsprogramm (WFP) hat alle Mühe, die nötigen Finanzmittel für die Nothilfe in dem von Dürre und Aids geplagten südafrikanischen Land aufzutreiben.

Bei der Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltagrarorganisation (FAO) geht es aber um gefährliche Lebensmittel. An Krankheiten, die von unsicheren Lebensmitteln und schmutzigem Wasser ausgelöst werden, sterben nach WHO-Angaben jedes Jahr etwa 700 000 Menschen allein in Afrika. Und das hat dann doch wieder mit dem Hunger zu tun. Fälle, in denen Nahrungsmittelhilfe mit eher laxen Anforderungen an die Sicherheit importiert wurde und hunderten Menschen den Tod brachte, gibt es immer wieder. Im vergangenen Jahr traf es Menschen im Norden Kenias. Strengere Auflagen an die Nahrungsmittelsicherheit sollen Afrika aber auch ermöglichen, mehr Agrarprodukte in die Europäische Union zu exportieren.

Dass der Tagungsort günstig gewählt wurde, darf dennoch bezweifelt werden. Denn Simbabwe ist das krasseste Beispiel für die Hungerkrise im südlichen Afrika. Nachdem Mugabe vor fünf Jahren begonnen hatte, die rund 4500 weißen Farmer zu vertreiben und das Land an seine zum Teil in der Landwirtschaft völlig unerfahrenen Parteigänger zu verteilen, ist die Nahrungsmittelproduktion dort zusammengebrochen. Simbabwe, früher eine Kornkammer Afrikas, produziert nicht einmal mehr die Hälfte seiner benötigten Nahrungsmittel selbst. Dazu kommt eine Infektionsrate mit dem Aids-Virus HIV in der erwachsenen Bevölkerung von knapp einem Viertel. Das bedeutet, dass, selbst wenn es genug Saatgut gäbe, gar nicht mehr genügend gesunde Arbeitskräfte zur Verfügung stehen würden, um die Felder zu bestellen. Dazu kommt, dass Mugabe den Hunger als Waffe gegen seine Kritiker einsetzt. Wer nicht für ihn gestimmt hat, kann kaum damit rechnen, die Erlaubnis zu Nahrungslieferungen durch das WFP zu bekommen. Das WFP hat aber auch ganz praktische Probleme: Es gibt einfach nicht genügend Benzin in Simbabwe, um Lebensmittel in entlegene Landstriche zu liefern.

Im Süden Afrikas hungern 12 Millionen Menschen so sehr, dass sie auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Malawi, Sambia und Mosambik werden besser regiert als Simbabwe. Aber unter der Dürre leiden auch sie.

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