Zeitung Heute : Der Hunger wartet

In der südirakischen Millionenstadt Basra fehlt Wasser, Nahrung und Medizin

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Noch harren sie aus und hoffen, dass die Angriffe bald vorüber sein werden und sie nicht fliehen müssen. Aber schon jetzt, nach einer Kriegswoche stehen die Menschen im Irak, besonders im südirakischen Basra, vor einer humanitären Katastrophe.

Die ZweiMillionen-Stadt Basra ist von der Elektrizität weitgehend abgeschnitten, das dortige Wasserwerk von Bomben getroffen – damit sind 60 Prozent der Wasserversorgung seit dem vergangenen Freitag zusammengebrochen. Die verbleibenden 40 Prozent stammen aus Brunnen und Vorräten und sind von geringer Qualität – jetzt käme noch von Abwässern belastetes Flusswasser dazu, berichten Vertreter der Hilfsorganisationen. Das erhöht die Seuchengefahr. Vor allem aber reicht die verfügbare Menge bei weitem nicht aus, schon gar nicht für die Basra umgebenden kleineren Ortschaften, die von der Großstadt mitversorgt wurden. In Safwan zum Beispiel kommt kein Trinkwasser mehr an, auch keine Nahrung, und die drei Lebensmittelgeschäfte des Ortes sind geschlossen.

Der irakische Handelsminister, Mohammed Mehdi Saleh, sagte am Dienstag, die Regierung hätte Lebensmittelrationen verteilt, die für sechs Monate ausreichend seien. Für den Raum Basra gilt das offenbar nicht: Die Nahrungsmittel gingen zur Neige, heißt es dort, wahrscheinlich seien sie in einer Woche aufgebraucht. Der Nachschub funktioniert nicht. Schiffe mit Hilfsgütern können Umm Kasr, die Stadt mit dem einzigen Tiefseehafen des Irak momentan nicht anlaufen: Wegen der Gefechte und der noch nicht abgeschlossenen Minensuche, war das bisher zu gefährlich.

Am Dienstag appellierte die irakische Regierung an die Vereinten Nationen, ihr Programm Öl-für-Lebensmittel wieder aufzunehmen. Diese Regelung erlaubte es den Irakern seit 1990 im Rahmen der Sanktionen, Öl gegen Nahrung quasi einzutauschen. Etwa 60 Prozent der 26 Millionen Iraker sind von diesem Programm abhängig – seit Kriegsbeginn ist es unterbrochen.

In Bagdad sei die Wasserversorgung noch unter Kontrolle, auch Medikamente gingen den Krankenhäusern noch nicht aus. Anders ist auch das in Basra: Die medizinische Versorgung sei fast zusammengebrochen, heißt es dort.

Der amerikanische General Tommy Franks kündigte am Dienstag an, er sei zuversichtlich, dass Basra innerhalb von 48 Stunden Hilfslieferungen erhalten werde, da die Kämpfe in Umm Kasr endeten. Fraglich ist, wie das mit der Aussage eines britischen Militärsprechers zusammenpasst, der Basra am Dienstagmorgen zum „legitimen Kriegsziel“ erklärte. nan

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