Zeitung Heute : Der Kauf mit der Maus

BERTRAM KÜSTER

Der Handel im Internet scheint rosigen Zeiten entgegenzugehen.Wurden in Europa 1998 mit einem Umsatz von 5,6 Mrd.Dollar im E-Commerce noch kleine Brötchen gebacken, so prognostizieren die Experten für das Jahr 2000 Umsätze von 32 Mrd.Mark.Für 2002 erwartet die International Data Corporation einen Anstieg auf 220 Mrd.Dollar.

Zu einem echten Umsatzfaktor entwickelt sich E-Commerce im Business-to-Business-Bereich (b2b).So übertrifft der Umsatz des Handels zwischen Unternehmen in den USA schon jetzt den Verbrauchermarkt um das Fünffache.Kurzzeitige Allianzen mit effizienterer Produktions- und Zulieferorganisation ermöglichen eine nicht zu unterschätzende Kostenreduzierung.Online-Shopping allein bringt bislang kaum Gewinn.Selbst amazon.com, das den Buchhandel im Netz dominiert, schreibt bislang noch rote Zahlen.

Und die Verbraucher? 2,2 Mio.Internetnutzer sollen, laut GfK, in den letzten zwölf Monaten in Deutschland von den virtuellen Marktplätzen Gebrauch gemacht haben.Die Meisten stehen dem Einkauf per Mausklick jedoch noch mißtrauisch gegenüber.

Die Datensicherheit im elektronischen Zahlungsverkehr ist Hinderungsgrund Nummer Eins.Nicht nur die Angst vor dem unbefugten Zugriff auf die Kreditkartennummer, sondern auch die mangelnde Sicherheit der persönlichen Daten läßt Internet-Nutzer vom Online-Kauf zurückschrecken.Darüberhinaus sorgen die in Online-Shops oft übliche Vorauskasse, der Lieferservice und unübersichtliche Präsentationen für Unmut.Und dennoch, in einer Untersuchung der Hamburger Marktforscher Fittkam und Maaß gaben rund 75 Prozent der befragten Netz-Shopper an, in Zukunft häufiger online einzukaufen.Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Soft- und Hardware, Bücher und CDs.Gegenstände, deren Form und Inhalt bekannt ist und nicht, wie etwa Kleidung, einer persönlichen Begutachtung bedürfen.

Insgesamt steckt der E-Commerce noch in den Kinderschuhen.Doch vor allem die rapide anwachsenden Internet-Zugänge könnten die positiven Aussichten der Marktforscher bewahrheiten.Daß Europa den USA auch in diesem Bereich hinterherhinkt, liegt auf der Hand.Erst Anfang des Jahres startete Bertelsmann mit dem Online-Buchhandel BOL die Verfolgung von Amazon.Richtig düster sieht es aber noch für den europäischen Mittelstand und die Kleinunternehmen aus.Nur 20 Prozent verfügen bislang über einen Internetzugang, nur 5 Prozent über eine Homepage.

Mehr zum Thema "Kauf mit der Maus" auf einer Diskussionsveranstaltung des Tagesspiegel am Montag um 19 Uhr im Hotel Intercontinental

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