Zeitung Heute : Der Klang von Kiez und Kiesbett

Sound Studies erforschen die akustische Umgebung.

Julia Haase

Wie klingt eine Holztreppe? Welches Geräusch entsteht, wenn man über ein Kiesbett läuft? Und warum nutzt die Werbung ausgerechnet diesen oder einen anderen Sound, um ihr Produkt zu prägen und zu vermarkten? All das ist Forschungsgebiet der Sound Studies.

Sound Studies – das ist Klang, Hören, akustische Kommunikation, auditive Kultur. Der Studiengang schlägt den Bogen von der reinen Kunst zur reinen Angewandtheit und das Ganze unter dem Aspekt des Hörens. In diesem Jahr wird dem Studiengang eine besondere Ehre zuteil. Eines der wichtigsten internationalen Festivals in der Medienkunst, die Ars Electronica, hat den Weiterbildungsstudiengang der UdK Berlin zu sich eingeladen. Eine absolute Seltenheit, denn normalerweise müssen sich Universitäten bewerben, um bei der „Ars“ vertreten zu sein. Doch Festivaldirektor Gerfried Stocker war so fasziniert von dem Studiengang, der einen völlig anderen Zugang zu jeder Art von klanglicher Kunst bildet und praktiziert, dass er ihn kurzerhand persönlich nach Linz einlud.

„Lebensräume“ lautet das selbstgewählte Thema des Studiengangs für den Auftritt bei der Ars Electronica. „Das Thema ist gleichzeitig ein Wahlspruch unseres Studiengangs. Wir wollen aufzeigen, wie sich unsere Arbeiten in die Konkretheiten des Alltags einschreiben“, sagt Sam Auinger, Leiter des Bereiches Experimentelle Klanggestaltung und künstlerischer Leiter des Festivalauftritts. Auinger selbst befasst sich mit auditiven Zugängen zu unseren Lebenswelten. Mit seinen Studentinnen und Studenten entwickelt er jedes Jahr Hörstücke zu speziellen Stadtteilen. Wie klingt der Fasanenkiez? Wie der Hohenzollerndamm? Diese fast Feature-artigen Hörstücke wurden teilweise im „Kunstradio“ in Wien gesendet und werden auch auf der Ars Electronica eine wichtige Rolle spielen.

Die Vorbereitungen der Studenten für das Festival laufen seit Herbst letzten Jahres. 25 Alumni und Studierende werden ihre Arbeiten Ende August in Linz vorstellen: von Radiohörstücken über Raumakustik bis hin zu einem Ein-Mann-Theaterstück, in dem es um die Eigenwahrnehmung von Stimme geht.

Im Mittelpunkt wird wohl eine Arbeit stehen: der Preisträger des „Prix Ars Electronica 2012“ in der Kategorie Digital Musics & Sound Art. „#Tweetscapes“ heißt das Projekt von Anselm Venezian Nehls, das Twitternachrichten in Klänge und Bilder umwandelt – live und in Echtzeit. Nehls hat über einen Algorithmus jedem Buchstaben einen Sound zugeschrieben. So klingt jedes Tweet individuell. Das Besondere an der Auszeichnung: Es ist eine Arbeit, die von der Jury nominiert und nicht extra eingereicht werden musste. Und es ist eine Masterthesis des Studiengangs Sound Studies. Eine Seltenheit beim Prix Ars Electronica. „Für Sound Studies und seine Studierenden ist die Präsentation auf der Ars Electronica eine großartige Chance“, sagt Auinger.

Das UNI.K - Studio für Klangkunst und Klangforschung zeigt während des Rundgangs unter dem Titel „Klangkunst im öffentlichen Raum“ Arbeiten von Studierenden. Ort: Fasanenstraße 1B, Raum 314 (Altbau)

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