Zeitung Heute : Der Klick in die Sonne

Billigflüge, preiswerte Hotels, die günstigsten Last-Minute-Angebote – wer seine Reise online bucht, wird derzeit heiß umworben

Andreas Kaiser

SOMMERURLAUB 2004: WIE DAS INTERNET BEIM SPAREN HILFT

Seine schönsten Wochen im Jahr bucht der Deutsche immer häufiger online. „Das Internet ist die Zukunft“, sagt Peter Köppen, Sprecher der Internationalen Tourismusbörse Berlin, die am 12. März wieder ihre Tore öffnet. Der Grund für das veränderte Verbraucherverhalten ist offensichtlich. Im Netz werden etliche Reisen preiswerter angeboten als in den lokalen Agenturen, da bei den so genannten Direktanbietern geringere Kosten für Personal und Miete anfallen. Ausgeklügelte Eingabemasken, bei denen nur Reisetermin, Startpunkt und Urlaubsziel angeklickt werden müssen, haben die Bedienung der Reiseportale inzwischen so einfach gemacht wie das Googeln oder die Suche nach einem bestimmten Kinofilm oder Gebrauchtwagen im Netz. Weil nebenbei am PC auch noch Länder- und Hotelinfos sowie Wetterdaten oder Landkarten durchstöbert werden können, ist das individuelle Zusammenstellen des Urlaubs zum Spaß für die ganze Familie geworden.

Angesichts des zuletzt enormen Wachstums der Branche hat die Werbeschlacht um Deutschlands Touristen erst in diesem Jahr so richtig begonnen – wie die aktuellen Kampagnen von Opodo und Expedia beweisen. Mit zunehmend sicheren Verschlüsselungstechnologien sollen die Ängste der Surfer vor Zahlungsabwicklungen im Netz abgebaut werden (siehe Kasten).

So begeistert viele Menschen von der Reisevorbereitung online sind, so schwer wiegen die Befürchtungen. 2003 wurden gerade mal zwei Prozent aller Reise-Komplettpakete über das Netz gebucht. Anders als in den USA, wo das nächste Reisebüro im Durchschnitt 50 Kilometer entfernt ist, weist Deutschland mit 14 000 Agenturen die weltweit größte Reisebüro-Dichte auf.

Eine Frage des Vertrauens

Die wichtigste Frage bei Online-Buchungen ist sicherlich, woran man einen vertrauenswürdigen Anbieter erkennt. Die Antwort ist nicht ganz einfach: Anders als im Buchhandel oder beim Auktionsgeschäft, wo alle Welt an Amazon oder Ebay denkt, hat sich im Reisesektor noch kein echter Marktführer herauskristallisiert. Neben den Branchenriesen Expedia und Opodo buhlen allein im deutschsprachigen Raum rund 75 Internet- Agenturen wie Travelchannel.de, Travelscout24.de, Start.de, Buybuy.de, Lastminute.com, Reise.de, Traveloverland.de oder Travel24.de um Marktanteile. Doch gerade die große Auswahl macht die Sache schwierig. Häufig verbergen sich hinter den Angeboten verschiedener Portale dieselben Reisen, da etliche Anbieter gern auf die fertigen Pakete (Flug, Hotel, Mietwagen) etablierter Veranstalter wie FTI oder Alltours zurückgreifen. Ein Preisvergleich lohnt sich daher fast immer. Wer das erstbeste Angebot wählt, zahlt häufig drauf.

Nach Angaben von Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseveranstalter Verband (DRV) sind es derzeit vor allem Einzelsegmente wie Bahnfahrten, Flüge, Hotels und Lastminuteangebote, die über das Internet bestellt werden. Länderinfos und Reisewarnungen werden gerne beim Auswärtigen Amt abgerufen. Über Einreisebestimmungen und Visumpflicht informieren die Botschaftsseiten der gesuchten Reiseländer. Gesundheitshinweise gibt es beispielsweise auf www.gesundes-reisen.de. Zudem ersetzen immer häufiger die Online-Archive von Zeitungen und Fachzeitschriften sowie die Internet-Angebote von Verlagen wie Lonely Planet, Polyglott oder Marcopolo die Anschaffung teurer Reiseführer. Auch liebevoll verfasste Berichte über exotische Fernreisen mit dem Moped (www.srilanka-reisen.de) oder Kraterklettertouren auf La Réunion (www.inseltouring.de) finden sich im Netz ebenso selbstverständlich wie deutschsprachige Angebote über der Teutonen liebste Urlaubsländer. Längst haben die Inseln der Kanaren und Balearen sowie Griechenland und die Türkei eigene Angebote ins Netz gestellt. Neben vielen bunten Bildern sowie ausführlichen Schilderungen des dortigen Strand- und Nachtlebens, können auf Seiten wie Mallorca.de oder Gomera.de zum Teil auch Unterkünfte und Mietwagen gebucht werden. Allerdings ist auf vielen solchen Seiten eher Vorsicht geboten. Nicht immer lässt sich erkennen, wer hinter dem Angebot steht.

Viele Rabatte nur noch online

Bei den Billigfliegern ins nahe Aus- oder Inland buhlen vor allem easyjet.com, hlx.de, flydba.de, ryanair.com und airberlin.com um die Gunst der Kunden. Auch bei der Direktbuchung von Hotels lassen sich im Internet gute Rabatte erzielen. Um nicht mühevoll und zeitaufwändig alle lokalen Angebote durchzuforsten, empfiehlt sich hier der Besuch bei einem Spezialisten wie dem Hotel Reservation Service. Bei HRS sind 130 000 Unterkünfte registriert.

Im Lastminute-Bereich heißt das Maß der Dinge L’Tur. Im April vergangenen Jahres hat die Internetseite des Unternehmens erstmals die magische Grenze von einer Million Besuchern pro Monat übersprungen und liegt seither konstant vor allen anderen vergleichbaren Anbietern.

Die höchste Traffic-Rate im Netz kann allerdings nach wie vor die Bahn vorweisen. Mit durchschnittlich 800 000 Visits pro Tag hat sich das Unternehmen nach Angaben von Firmensprecher Achim Stauß zu Europas besucherstärkstem Reiseportal gemausert. Bis zu 7000 Fahrkarten werden pro Tag am heimischen Computer ausgedruckt, so Stauß. Knapp drei Prozent der Bahnkunden bestellen ihr Ticket inzwischen online.

Bei L’Tur dagegen wird bereits jede dritte Reise direkt gebucht, sagt Kirsten Wiegand vom Online-Marketing. Ein Wunder ist das nicht: Spezielle Rabatte wie das Super-Lastminute-Ticket bietet L’Tur ausschließlich im Internet an.

Wichtige Internet-Adressen:

www.drv.de ,www.itb-berlin.de ,www.ltur.de ,www.expedia.de ,www.opodo.de ,www.bahn.de ,

www.auswaertiges-amt.de ,www.hrs.de

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