Zeitung Heute : Der Krieg der Blumen

42 Hektar, 263 Bauern, 160 000 Rosenstöcke: Ein Entwicklungshelfer will im zerstörten Afghanistan so etwas wie Normalität schaffen. Nur ist eine Geschichte von Rosen in diesem Land auch eine von Drogen und Waffen, von Opium und Taliban

Christine-Felice Röhrs[Dschalalabad Afghanistan]

In der Stadt ist am Morgen eine Bombe explodiert, am Flughafen heißt es, und nachts war Maschinengewehrfeuer zu hören. Vielleicht wäre dies ein Tag zum Daheimbleiben in Dschalalabad, Ostafghanistan. Aber auf dem Land blühen jetzt die Rosen, rosa, der zausige Stempel ein sonniges Gelb, und Norbert Burger, Mitarbeiter der Welthungerhilfe, ist hinausgefahren. Afghanische Rosen blühen nur bis Mitte Mai, und wer Blüten ernten will, darf sich um Bomben nicht kümmern.

42 Hektar voller Rosen sind es in drei Distrikten der Provinz Nangarhar entlang der pakistanischen Grenze, entlang eines Gebirges, in dem die Taliban sich verstecken. Sie gehören zu einem Projekt der Welthungerhilfe, das „Rosen für Nangarhar“ heißt. Das klingt nett. Nach einer rosigen Zukunft für Nangarhar und seine Bauern. Allerdings sind das Gestern und Heute so eng verwoben in diesem Land, dass eine Geschichte über Rosen auch eine über Drogen und Waffen ist.

Norbert Burgers Ziel ist das Inzeraj-Tal, eine grüne Senke in der weiten, staubfarbenen Ebene des Nazyandistrikts. Im Inzeraj-Tal leben die Wadans, eine der Familien, die unter Burgers Aufsicht Rosen anbauen. In den Hängen ihres Tals klaffen Höhlen. Darin sind lange Zeit Waffen gelagert worden. Tora Bora, die Höhlenfeste, in der Osama bin Laden sich verschanzt hatte, ist auch nicht weit. Dieses Tal ist wie ein Nukleus des ganzen Krieges gegen den Terrorismus. Von hier aus lassen sich alle Afghanistankonflikte der letzten 30 Jahre erzählen, und wer glaubt, dass es nur um Taliban geht, irrt. Es lässt sich von hier übrigens auch die Frage beantworten, was die Deutschen mit Afghanistan eigentlich verbindet. 70 Prozent der Bundesbürger sagen mittlerweile: raus da.

Die Rosen sind eine dieser Verbindungen. Ihr Öl landet in bekannten deutschen Pflegeprodukten: in den Cremes der Marke Dr. Hauschka, hergestellt von der Wala Heilmittel GmbH aus Bad Boll bei Stuttgart, zweistellige Zuwachsraten. Drei Millionen trendbewusste Deutsche reiben sie sich täglich selbst unter die Nase, die Verbindung zu Afghanistan.

Und Norbert Burger ist noch so eine Verbindung. 1974 war er als Hippie zum ersten Mal in Afghanistan. In den Neunzigern ist er zweimal als Entwicklungshelfer wiedergekommen. Heute ist er 62, sein Haar ist weiß, ein Eckzahn fehlt, und bald geht er in Pension – aber die Rosen will er „unbedingt noch machen“. Vielleicht als eine Art Abschiedsgeschenk. Als ein winziges Zeichen, dass man hier doch etwas verändern kann.

Norbert Burger und Mohammed Wadan sind aufs Feld hinausgegangen. Es ist ganz still. Handlange Grillen springen über dem sandigen Boden davon. Mannshoch stehen die Büsche in diesem Jahr bereits, rosa Knäuel im knalligen Grün. Burger wühlt mit den Fingern durch ein paar dornige Zweige. Gesund. Die Brühe aus Pfeffer und Seife hat gegen die Läuse geholfen. Die Wadans waren unter den Ersten, die sich getraut hatten, es mit den Rosen zu versuchen. Das war vor vier Jahren. Es war eine Gemeinschaftsidee gewesen. Die Wala aus Bad Boll hatte dringend neue Quellen für biologisch angebautes Rosenöl gebraucht, und die Welthungerhilfe hatte einen Weg gesehen, afghanischen Bauern aus der Opiumfalle zu helfen. Nangarhar war damals die Provinz mit dem zweitgrößten Ertrag des Landes: 28 213 Hektar voller Schlafmohn.

Niemand hier hegt die Illusion, Rosen allein könnten das Opium aus Afghanistan verdrängen. Aber sie sind ein Anfang, eine Erweiterung des Horizonts, der auf Krieg und Opium zusammengeschrumpft war. Normalität säen, legale Einkommen ernten, so in etwa lautete die Idee. Also hat Norbert Burger 160 000 Stöcke der ölreichen Damaszenerrose aus Bulgarien importiert, hat drei Destillen gebaut und nach Bauern gesucht. Er hat ihnen gesagt: Rosen sind nicht schwer. Mist ran, wässern, schneiden.

Nur fürs Pflücken gibt es Regeln. Und da fangen die Probleme auch schon an.

Zwei Kilo Rosenblätter pro Stock gibt die Damaszenerrose her. Aber man muss sie früh pflücken, die frisch erblühten Knospen, zwischen sechs und zehn Uhr morgens, denn wenn die Sonne klettert und die Luft erwärmt, dann verflüchtigt sich das ätherische Öl der Rose. Nun ist es 11 Uhr 27, und an den Stöcken hängen immer noch weit geöffnete Blüten. Das ist doch scheiße, knurrt Burger.

Norbert Burger ist eigentlich Landwirt, ein biodynamischer, was noch radikaler ist, als nur bio zu sein. Für Biodynamische ist die Erde lebendig und der Bauer ein Heiler. Als Burger studiert hat, waren die Biodynamischen die Idealisten unter den Bauern. Oder die Spinner, je nach Blickwinkel. Waldorflehrer war er auch mal. Man könnte meinen, diese Mischung macht sanft, aber Burger ist ein höchst Getriebener geworden: ein energisch marschierender, schnell sprechender Mann mit explosiver Fröhlichkeit und explosiver Ungeduld. Er hat schon in Darfur, Sri Lanka und Nordkorea gearbeitet, an Orten, die Zähigkeit erfordern. Aber in Afghanistan Rosen zu pflanzen, lehrt einen mehr als 25 Jahre Entwicklungshilfe. Es lehrt, wie vielschichtig die Loyalitäten hier sind. Und dass sie manchmal auch den Feinden jeder Entwicklung gelten.

Auf dem Land der Familie Wadan sind viele Kriege ausgetragen worden. Es begann 1979 mit dem Einmarsch der Russen. Drei Jahre später flohen die Wadans nach Pakistan. Damals kamen aus den Bergen hinter ihrem Haus die Mudschaheddin, Söldner afghanischer Kriegsherrn, um die Besatzer zu bekämpfen. Später erwiesen sich die Mudschaheddin als schlechte Befreier, die Millionen vertrieben, raubten und vergewaltigten. Daraufhin, ab Sommer 1994, kamen aus den Bergen hinter dem Haus die Taliban, um wiederum mit den Mudschaheddin aufzuräumen. Die Wadans blieben lieber im Exil.

Als sie 1996 heimkehrten, fanden sie ihr Land immer noch besetzt von Kämpfern vor. Es war ein Ausbildungslager geworden. Mohammed Wadan hat ins Haus eingeladen, das am Hang über den Rosen liegt. Er und Norbert Burger sitzen auf einem abgeschabten Teppich in Rottönen und trinken Tee. Wadan wiegt eine kleine Tochter auf dem Schoß und erzählt, wie er kam, um sein Land zurückzufordern, und sah, wie die Rebellen zwischen seinen Bäumen das Schießen im Laufen übten. Es waren vor allem Araber, Kurden. Aber auch Tschetschenen, Uiguren, Usbeken – „Foreign Fighters“ nennt die moderne afghanische Geschichtsschreibung sie. Männer, die Osama bin Laden, der Saudi, Chef von Al Qaida, mit nach Afghanistan gebracht hatte, um die Taliban zu unterstützen, später, um sie für Anschläge in aller Welt auszubilden.

Es heißt, bin Laden selbst soll in diesem Haus gelebt haben. Mohammed Wadan schüttelt erschreckt den Kopf. Auf so einen Ruhm ist er nicht scharf.

Es war ein Talibangouverneur, der den Wadans damals ihr Land zurückgegeben hat. Die Familie hatte bei ihm vorgesprochen, und der Talibangouverneur hatte den Fremden befohlen abzuziehen. Seitdem steckt Mohammed Wadan ein wenig in der Klemme. Er kann die Taliban, die gerade zu alter Stärke zurückkehren und das Land mit ihrem Guerillakrieg überziehen, nicht hassen.

Denn die Taliban sind Afghanen, anders als die Foreign Fighters der Al Qaida. Sie sind von seinem Blut. „Wir haben keine Schwierigkeiten mit ihnen“, sagt Wadan abwehrend. Pause. „Ja“, sagt er dann zögerlich, „auch die Taliban haben uns später hart regiert.“ Er sei froh gewesen, als die Amerikaner sie nach dem 11. September vertrieben, weil sie Al-Qaida-Terroristen Unterschlupf gewährt hatten … Wadan verstummt wieder. Sein Aber hallt ungesagt nach. Vielleicht meint er es so: Ganz zu Beginn waren die Taliban einfach junge, fromme Paschtunen, die sich selbst bescheiden „Schüler“ nannten und nur dem Sittenverfall unter den Mudschaheddin entgegentreten wollten. Vielleicht vergleicht Wadan sie mit sich selbst. Auch die Jungen, die später Taliban wurden, waren jung zu Flüchtlingen geworden. Erst in den Lagern in Pakistan, in den fanatischen Religionsschulen, hat man sie zum Kampf gegen die Ungläubigen aufgehetzt.

Diese Ambivalenz ist überall spürbar. Die Welt, aus der Ferne, malt Afghanistan gern schwarz-weiß, aber im Land entkommt man den Grautönen nicht mehr.

Mohammed Wadan stoppt die nächste Frage mit emporgehaltener Hand. Er erzählt jetzt lieber von den Rosen. Früher hatte er auf der Hälfte seiner 50 Jirib Schlafmohn stehen; ein Jirib ist das Fünftel eines Hektar. Jetzt geht das nicht mehr. Das Anti-Drogen-Ministerium schickt Truppen, die die Felder abbrennen. Minister Khodaidad sagt, Nangarhar sei ein Erfolg. Fast kein Opium dieses Jahr! Das Office on Drugs and Crime der UN sieht das allerdings ein wenig anders. Für sie war in dieser Provinz 2005 der Tiefststand erreicht, mit 1093 Hektar Schlafmohn. 2007 waren es wieder 18 739.

Nangarhar und das Rauschgift, es ist wie in der Achterbahn.

Mohammed Wadan hat 2007 mit den Rosen zum ersten Mal Geld verdient: 500 Dollar. Und dieses Jahr werde die Ernte drei Mal so groß ausfallen, sagt er. Burger lächelt. Er hegt große Hoffnungen für diese Familie. Die Wadans bekommen vielleicht eine eigene Destille von ihm. Es wäre der erste Familienbetrieb.

2008 ist für Burger auch ein Jahr der Entscheidung. Bleiben die Bauern dabei, jetzt, da die Rosen das erste Mal richtig tragen? Oder zerstört die Krise, was er aufgebaut hat?

Denn nun steigen die Lebensmittelpreise ins Unermessliche. Die globale Krise erfasst auch Afghanistan, nur dass es hier, im fünftärmsten Land der Erde, keine Polster mehr gibt: keine Fettpolster, Geldpolster, Geduldspolster. Ein 50-Kilo-Sack Mehl reicht einer Großfamilie für eine Woche. Er kostet heute 57 Dollar. Vor vier Monaten waren es noch 22. Vor einem Jahr 13.

Norbert Burger bricht auf. Hopphopp, sagt er und wedelt in unafghanischer Eile mit den Armen. Mohammed Wadan verabschiedet sich umständlich. Höflich verpackt er die Bitte, man möge ihm mehr zahlen für seine Blüten. Die Klage hört Burger oft. Die Drohung ist implizit: Sonst reiße ich die Rosen wieder raus.

Es bahnt sich was an, sagt Burger, als er in den Jeep steigt. Dies Jahr passiert noch was. „Die meisten Afghanen ernähren sich sowieso nur noch von Tee und Brot. Wenn dann noch das Brot wegfällt …“

Es ist eine einfache Rechnung. Norbert Burger kauft den Bauern ihre Rosenblätter für um die 50 Cent pro Kilo ab. Ein Kilo Rohopium dagegen bringt immer noch 76 Euro, obwohl die Preise nach der Rekordernte im letzten Jahr im Keller sind. Der Mohn ist der härteste Gegenspieler der Rose, eine zarte, rosa Blüte gegen die andere, ein Krieg der Blumen. Burger versucht, seinen Landwirten zu erklären, dass der Rosenbauer von einem Jirib bis zu 1000 Kilo Ertrag hat, während der Opiumbauer von einem Jirib nur fünf Kilo erntet. Reichtum ist nicht geplant – dafür eine „dauerhafte Einkommensstabilisierung“. Aber die Afghanen haben gelernt, dass hier nichts von Dauer ist. Dauerlösungen machen erst morgen den Bauch voll, nicht heute, und was morgen kommt, weiß eh kein Mensch.

Norbert Burger fährt hinüber in den Nachbardistrikt Acin. Er hat gehört, dass einige Familien dort seit Tagen nichts mehr zu essen haben. Das Dorf heißt Shagal. Unterhalb des schneeweiß gezackten Bergmassivs liegen sattgrüne Rechtecke. Der Wind malt Muster in Weizen, Alfalfagras und Mais, ein paar Rosenfelder liegen dazwischen. Bürgermeister Herat Khan und ein paar weitere Männer sitzen auf dem Dorfplatz. Maulbeerbäume filtern das Sonnenlicht als zitternde Flecken auf ihre Gesichter, im Hintergrund spaziert eine Ziege über die Mauer. Es ist ein friedliches Bild, aber Herat Khan hat Beschwerden vorzutragen. Er erzählt von einem Mann, der seinen Kindern nichts mehr zu essen geben konnte. Vergangene Woche habe er kochendes Wasser über sie geschüttet, damit sie ins Krankenhaus konnten. Dort gibt es zu essen.

Noch im vergangenen Jahr haben die Menschen aus Shagal fast ausschließlich Opium angebaut. Es war die Basis eines funktionierenden Finanzsystems. Auf die bevorstehende Ernte konnte jedermann in den Läden Schulden machen, für Essen und Arzneien. Aber jetzt ist dieses System zusammengebrochen. Wer keinen Mohn anbaut, kann nichts kaufen. Er ist nicht mehr kreditwürdig. Es ist das Gegenbild der schönen Zeichnung, die Anti-Drogen-Minister Khodaidad entwirft: Schon 14 der 34 Provinzen opiumfrei!

2007 hatte die Regierung in Nangarhar viel unternommen. Mehr als 8000 Mohnfelder waren abgebrannt worden, es gab eine „Bewusstseinskampagne“ und eine Vereinbarung zwischen dem Gouverneur und den Führern der Dorf-Schuras, auf das Opium zu verzichten. „Und jetzt?“, schimpft Bürgermeister Khan: „Als Gegenleistung kommt – nichts!“

Drogenminister Khodaidad antwortet auf solche Klagen ausweichend. In seinem eleganten, blau-gelb gehaltenen Büro in Kabul sind jede Stunde wildbärtige Männer aus den Provinzen zu Gast. Sie kommen mit finsteren Mienen wieder raus. „Opium ist illegal“, sagt der Minister fast trotzig, ein kleiner, zarter General mit Schnurrbart und Stirnglatze. „Soll ich etwa belohnen, dass jemand auf eine kriminelle Handlung verzichtet?“

Er hat ein Problem. Die Welt verlangt von ihm, den Mohnanbau zu stoppen. 193 000 Hektar waren es 2007 landesweit, vor allem in den unkontrollierbaren Provinzen im Süden, eine Steigerung um 17 Prozent. Aber der Kampf gegen das Opium ist zwangsläufig ein Krieg gegen die eigene Bevölkerung.

Und während die Regierung mithilfe der verhassten Amerikaner Felder abbrennen und Häuser durchsuchen lässt, werben die Taliban in den Dörfern um Unterstützung. Die Oberen in Shagal haben bisher entschieden, nicht nachzugeben. „Aber die Leute“, warnt Bürgermeister Khan, „springen auch auf eine brennende Brücke.“ 95 Prozent der jungen Männer sind arbeitslos. Die Taliban zahlen gut. Kann sein, sie folgen ihnen bald, die jungen Leute. Und das wäre auch für Norbert Burger gefährlich.

Der hält zum Abschied eine Motivationsrede. Er setzt sich aufrechter hin und schaut dem Bürgermeister fest in die Augen. Mit den Rosen sei es wie mit den Kühen, sagt er gewichtig. Im ersten Jahr gäben die Kühe noch wenig Milch, aber in den Jahren darauf werde es immer besser. Gebt den Rosen eine Chance, sagt er. Und dann bittet er um Nachrichten. „Wenn ihr hört, die Taliban wollen was von mir, ruft an. Dann fahre ich gar nicht erst los.“

Am Abend, bei einem Bier für sieben Dollar, sagt Burger mit müden Augen, dass mittlerweile die Hälfte der Zeit für die Organisation seiner Sicherheit draufgehe. Das Zweckbündnis aus Taliban, Al Qaida und Alt-Mudschaheddin erfasst nun auch die Entwicklungshelfer.

Nur die Rosen hielten ihn noch hier, sagt Norbert Burger. Die seien anders als viele Entwicklungsprojekte. Die schnelle Nothilfe habe ihm zum Hals rausgehangen. Er habe etwas aufbauen wollen. Und er hat etwas aufgebaut. Aber ganz gefeit gegen den Frust, der fast jedem Entwicklungshelfer hier zuzusetzen scheint, ist er auch nicht. Das Mantra des Waldorflehrers lautet: Hol die Kinder da ab, wo sie sind. Aber, sagt Burger: Dazu bin ich nicht in der Lage. Hier ist keine Demokratie! Wir bringen unsere Zwänge in eine archaische Gesellschaft und die Krankheit des Westens, den Zeitmangel, noch dazu.

Glücklicherweise mögen die bulgarischen Rosen Afghanistan. Im ersten Jahr hatte Burger insgesamt einen Liter Rosenöl raus. Im zweiten waren es fünf. In diesem Jahr hofft er auf zehn. Rosenöl ist ein Wert der winzigen Mengen. 40 Kilo Blüten ergeben nur acht Milliliter Öl. Dafür ist ein Liter 6000 Euro wert.

Norbert Burger befindet sich im Endspurt. Er spürt das körperlich, seelisch. Er trägt jetzt immer eine Phiole Rosenöl mit sich herum, und wenn er sich aufregt, reibt er sich einen Tropfen unter die Nase. Aber eine Aufgabe ist da noch. Nächstes Jahr soll das Projekt, das bisher vor allem die GTZ, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, finanziert hat, in afghanische Hände übergeben werden. Burger muss nun Afghanen finden, die „dieselbe Verantwortung gegenüber dem Projekt fühlen“. Denen es nicht nur um Geld geht. Die Wala, gegründet vom Anthroposophen Rudolf Hauschka, ist ein anspruchsvoller Kunde. Zumindest nachhaltig wünscht sie sich ihren Rosenanbau. Nachhaltigkeit ist ein komisches Pflänzchen im Afghanistan des Jahres 2008.

Noch immer leben 3,3 Millionen Afghanen vom Mohn. 263 Familien pflücken Rosen. Norbert Burger hinterlässt ein Zeichen, wenn sein letzter Job getan ist.

Andererseits hinterlässt er einen Dorn im Fleisch von Terroristen.

Die Taliban verdammen das Opium schon lange nicht mehr. Sie bieten den Bauern Schutz für die Mohnfelder, handeln mit ihrem Anteil am Ertrag und kaufen Waffen davon. 263 Bauern, die Rosen ernten statt Schlafmohn, sind zehntausende Dollar weniger für den Krieg.

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