Zeitung Heute : Der Leipziger Platz ist bald komplett

Der Tagesspiegel

Von Christian van Lessen

Noch klafft gegenüber dem Bundesrat am Leipziger Platz eine große Lücke, und nichts deutet äußerlich darauf hin, dass hier eines der größten Bauprojekte Berlins vor dem Start steht. In einer der besten Lagen der Stadt erstreckt sich tristes Brachland, das um so mehr auffällt, je mehr sich die Randbebauung des Platzes vervollständigt. Aber im Frühjahr nächsten Jahres soll es auf dem fast 21000 Quadratmeter groß en Grundstück mit dem Bauen losgehen. Das Projekt gilt als eines der ehrgeizigsten und bedeutendsten Vorhaben im neuen Jahrzehnt.

Insgesamt rund 400 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen, das die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft TLG, die Bauwert Property Group und ECE Projektmanagement auf dem größten freien Geländestück des Leipziger Platzes starten wollen. Mit der Fertigstellung des neuen Viertels mit Geschäften, Restaurants, Büros und Wohnungen wird frühestens Ende 2005 gerechnet. Die Steglitzer Modellbauwerkstatt von Günter Dowe hat das Großprojekt bereits fertig gestellt – als Holzmodell. Am Montag wurde es Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) präsentiert, anschließend in Richtung Cannes verfrachtet. Dort wollen es die Investoren bei der Immobilienmesse Mipim vorstellen und mit der Vermarktung beginnen. Denn die Projektentwickler wollen die Gebäude einzeln verkaufen und mit dem Bau beginnen, wenn 50 Prozent verkauft sind.

„Elf Häuser warten auf potente Investoren“, sagten die Vermarkter, die letzte Lückenschließung in der neuen Mitte werde ein hoch attraktiver Stadtteil sein, der es mit der Konkurrenz von Kurfürstendamm und Friedrichstraße locker aufnehmen könne. Es werde keine Ansammlung lebloser Bürohäuser geben, sondern eine lebendige Mischung mit einem breitgefächerten Wohnungsangebot, dazu eine Passage, die sich künftig vom Leipziger Platz bis zur Wilhelmstraße erstrecke. Aber dieser Plan schließt Neubauten auf den Nachbargrundstücken ein, so dass es zunächst nur einen öffentlichen Durchgang vom Platz bis zur „Neuen Promenade“ geben wird, die direkt gegenüber dem Bundesratsgebäude zwischen Leipziger Straße und Voßstraße geplant ist.

Um acht Höfe gruppieren sich die Neubauten. Geplant sind in den Mittelgeschossen der zehnstöckigen Häuser hochwertige Büros, in den oberen Staffelgeschossen exklusive Wohnungen mit Größen zwischen 70 und 300 Quadratmetern. Es wird rund 6000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche geben. Ein elegantes, urbanes Viertel erwarten die Bauherren. Die Anlage werde an die Hackeschen Höfe erinnern, oder auch an die Geschäftshöfe der Leipziger Innenstadt.

Die Entwürfe folgen einem Hauptplan der Architekten Nietz, Prasch, Sigl, Tchoban, Voss. Für die drei „stadtbildprägenden“ Gebäude direkt am Platz – das Eckgebäude erinnert an das alte Wertheim-Warenhaus – wurden Entwürfe der Büros Graetz, Jodi, Nöfer sowie Hilmer & Sattler und Albrecht und des Büros Ortner + Ortner prämiert. Dem Auswahlgremium gehörte auch Senatsbaudirektor Hans Stimmann an.

„Man kann nur hoffen und beten, dass es später auch so aussieht wie im Modell“, sagte der Senator. Er mahnte die Investoren, „nicht billiger“ zu werden, und die Projektentwickler versicherten, dass es bei der Planung bleibe. Die TLG ist eine bundesweite Immobiliengesellschaft und einer der größten Einzelanbieter von Wohn- und Gewerbeimmoblilien in Ostdeutschland. Die Bauwert entwickelt und baut im ganzen Bundesgebiet hochwertige Büro- und Einzelhandelsflächen, die ECEbaut, vermietet und managt gewerbliche Großimmobilien.

Die Stadt selbst hat kein Geld, auf der anderen Platzseite für je rund 900000 Euro zwei kleine Torbauten zu errichten, die an die historischen Schinkelschen Torhäuser erinnern sollten. Aber die Grünflächen auf der südlichen Platzhälfte sollen noch 2002 fertig werden, versprach Strieder beim Rundgang über das Gelände.

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