Zeitung Heute : Der letzte Schliff

Gerd Anke hat die Welt der Gitarristen verändert – mit der Plek-Technik. Sie stellt das Instrument ganz auf den Musiker ein

Daniel Stender

Keith Richards tut es, David Gilmour von Pink Floyd tut es auch. Berühmte und weniger berühmte Gitarristen haben ihren Gitarren mit einer Technik den letzten Schliff gegeben, die in einem Hinterhof an der Hasenheide entwickelt wurde. „Es dürfte mehr als 200 000 Instrumente geben, die mit unserer Technologie bearbeitet wurden“, sagt Gerd Anke, der Erfinder der Plek-Maschinen. Er hat eine Maschine entwickelt, die Gitarrenbünde so überfräst, dass das Instrument ganz individuell dem Spieler und seiner Spielweise angepasst wird. Schnarrende Saiten, schwer spielbare Instrumente – dank Anke kein Problem mehr. Jedes Instrument passe seinem Besitzer dadurch „wie ein Maßanzug“, sagt Gerd Anke. Seine Idee ist weltweit patentiert, zehn Mitarbeiter hat das Unternehmen Plek, dessen Name in der Gitarristenszene zum Synonym geworden ist. Erst eine „geplekte“ Gitarre spielt wirklich gut.

Das Unternehmen ist eher zufällig entstanden, eng verknüpft mit der Biografie von Gerd Anke und der Geschichte der Popmusik in Deutschland. Als 1964 der damals 14-jährige Anke in einem Dorf bei Göttingen zum ersten Mal die Beatles hörte, war das für ihn die prägende Erfahrung. Er sparte auf eine Gitarre und gründete eine Band. „Das war so eine Dorfband, man kannte sich halt und hat zusammen gespielt. Mit primitivsten Mitteln.“ Dann hatte er keine Lust mehr auf Provinz. Kurz nach Woodstock trampte er ein halbes Jahr durch die USA. Aber erst in den Achtzigern kam ihm die entscheidende Idee. „Meine Gitarre war nur schwer spielbar. Auch nach einer Reparatur beim Gitarrenbauer war ich nicht zufrieden. Ich dachte mir: Das kannst du besser.“ Nach einigen Versuchen entwickelte der gelernte Werkzeugmacher Fingerspitzengefühl für das Bearbeiten der Gitarrenbundstäbchen, aber es fehlte an Präzision. Mit seinem heutigen Partner, dem Musiker Michael Dubach, machte sich Gerd Anke daran, eine Maschine zu entwickeln. Es dauerte Jahre.

Die Plek-Maschine sieht aus wie ein riesiger Kühlschrank. „Das Instrument wird senkrecht eingespannt, das ist der Spielsituation am ähnlichsten“, sagte Anke. Ein Sensor fährt das Griffbrett ab und vermisst die Lage der Gitarrenbünde und Saiten. Die Informationen werden für jede der sechs Saiten von einem Computerprogramm verarbeitet und in eine Grafik umgewandelt. Dann fräst die Maschine die Bünde der Gitarre auf die perfekte Höhe. „Ein Kunde hat mal gesagt, dass er sich immer eine solche Maschine gewünscht habe, aber dass er nie gedacht hätte, dass jemand verrückt genug sein könnte, sie auch zu bauen“, sagt Gerd Anke. Die Maschine gibt es in zwei Varianten: eine kleinere Version für den alltäglichen Service kostet 64 000 Euro und das größere Modell, das auch für die Produktion von Gitarren gedacht ist, fast doppelt so viel. „Eine solche Investition ist gerade in Krisenzeiten für viele Firmen eine große Sache“, sagt Gerd Anke. Vor allem US-Firmen, die viel über Kredite finanzierten, seien zurückhaltender. Ankes Reaktion auf die Krise: Er vertreibt „geplekte“ Gitarren per Internet und seine Firma bietet gemeinsam mit dem Gitarrenbauer Jörg Kuhlo unter dem Namen „Plek Haus“ auch maßgeschneiderte Gitarren und Service für Direktkäufer an.

Musik ist für ihn nach wie vor nicht nur ein Job. In seiner Freizeit musiziert der 59-Jährige noch immer: Im Hinterhof an der Hasenheide probt auch seine Band. Sein Neffe spielt Piano, seine Nichte singt – und Anke spielt Gitarre. Natürlich „geplekt“.

www.plekhaus.de

In den achtziger Jahren hatte ich eine Gitarre, die nur schwer spielbar war. Außerdem schnarrten die Saiten. Auch nachdem ich sie bei einem Gitarrenbauer reparieren ließ, war ich

nicht zufrieden. Ich dachte: Das kannst du besser."

Gerd Anke, Erfinder der Plek-Maschine

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