Zeitung Heute : Der Mann, der die „Dalli-Dalli“-Spiele testete

Klaus Dick arbeitete einst mit Hans Rosenthal. Heute ist er der Geschäftsführer der Berliner Union-Film, einem Dienstleister für Fernsehproduktionen

Alva Gehrmann

Mit der Fernsehbranche kam Klaus Dick schon früh in Verbindung. Bei „Dalli, Dalli“ war er dafür zuständig, rechtzeitig die Showtüren aufgehen zu lassen. Und noch wichtiger: Er testete mit Hans Rosenthal die „Dalli, Dalli“-Spiele. Damals war Klaus Dick noch Student der Betriebswirtschaftslehre in München, heute ist der 48-Jährige Geschäftsführer der Berliner Union-Film (BUF). Das Tempelhofer Unternehmen hat sich auf Fernsehproduktionen spezialisiert.

Die BUF stellt als Dienstleister alles zur Verfügung, was von Produktionsfirmen gebraucht wird: So betreuen sie zum Beispiel Außendrehs von Serien wie „Balko“, „Unser Charly“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Polizeiruf 110“ oder „SOKO Leipzig“. Dafür reist dann ein eigenes Drehteam mit dem gesamtem Equipment wie Kamera-, Ton- und Beleuchtungstechnik an.

Manchmal reisen sie sogar in ferne Länder, wie etwa nach England für die Romanverfilmungen von Rosamunde Pilcher. Zum Angebot der Berliner Union-Film gehört ebenso der Dekorationsbau und die Technik für die Nachbearbeitung – also Schneideräume, Mischateliers und Synchronstudios. Neben Fernsehfilmen wurden hier auch schon die Kinofilme „Dirty Dancing“und „Stirb Langsam“ synchronisiert.

Ein wichtiges Standbein der Berliner Union-Film ist die Studioproduktion. Bereits 1969 startete Dieter Thomas Heck hier seine „ZDF-Hitparade“, und auch heute noch zieht es den Showmaster immer wieder auf das Tempelhofer Gelände. An diesem Tag finden in Studio 5 die Proben für „Das ZDF Sommerhitfestival“ statt. „Mit Platz für 500 Zuschauer das größte Studio“, sagt Geschäftsführer Klaus Dick, während er über das BUF-Gelände geht. Mit seinen fünf Studios, Werkstätten sowie Büro- und Synchronstudios ist es ein eigener Mikrokosmos.

Vor der Tür von Studio 5 bleibt der Geschäftsführer stehen. Er begrüßt Frank Hof, Regisseur von „Wetten, dass. . . ?“, und an diesem Tag Regisseur des „Sommerhitfestival“. Dann gehen sie gemeinsam hinein. Eine Band probt gerade die Choreografie. „Hier“, sagt Klaus Dick und zeigt auf eine Kamera, „das ist eine der wenigen digitalen Steady Cams, die es in Deutschland gibt.“ Alle Studios seien mit modernster Technik ausgestattet: digitaler Regietechnik, Klima und Licht. Er spaziert über den Hof zum nächsten Studio. Es ist knallbunt eingerichtet. Hier wird jede Woche „Blond am Freitag“ mit Ralph Morgenstern produziert. Für das ZDF realisiert die BUF auch das „Nachtstudio“ und neuerdings das „Philosophische Quartett“.

Klaus Dick wandert zum nächsten Gebäude. Auf dem alten Backsteinhaus ist noch der Name des ehemaligen Besitzers zu lesen: UFA. Bis zur Auflösung der Firma im Jahr 1963 hatte sie hier ihren Standort. Die Ufa begründete, gemeinsam mit Produktionsfirmen wie Literaria, Messter Film, den Ruf des Studiogeländes. 1909 wurde der Standort in der Oberlandstraße gegründet. In den 40er Jahren stand Heinz Rühmann hier schon vor der Kamera, Anfang der 80er drehte Hans W. Geissendörfer hier seinen Film „Der Zauberberg“.

Seit 1964 übernahm die Unternehmensgruppe Becker & Kries das Studiogelände und führt es mit der Berliner Union-Film fort, vor vier Jahren gründeten sie eine zweite Niederlassung in Leipzig. „Anders als die meisten Dienstleister gehören wir zu keiner Gruppe. Bei uns kann jeder produzieren“, sagt Klaus Dick, der seit Anfang 2002 das Unternehmen gemeinsam mit Christian Kube leitet. Dick ist für die operativen Geschäfte zuständig. Er, der Mann aus der Praxis. Denn seit seinem Studentenjob bei „Dalli, Dalli“, ist er der Fernsehbranche treu geblieben. Er arbeitete als Kabelhilfe und Kamera-Assistent, später war Dick Studioaufnahmeleiter bei „Na sowas“. Klaus Dick wurde Produzent, hat den „Talk im Turm“ mitaufgebaut. Bevor er zur Berliner Union-Film kam, arbeitete er seit 1994 als Leiter der Herstellung und Programmkostenplanung bei Sat 1.

„Ich weiß genau, was die Produktionsfirmen brauchen“, sagt er. Manchmal ist da auch Improvisation gefragt. Für Pilotsendungen etwa sei das Budget nur begrenzt, da wird dann auch mal die Dekoration von anderen Shows genutzt. „In den vergangenen Jahren ist der Preisdruck auf die Produktionsfirmen immer größer geworden“, sagt Dick. „Die Reduzierungen bei den Produzenten wird eins zu eins an uns, den technischen Dienstleister, weitergereicht.“

Rund 200 feste und freie Mitarbeiter sind gegenwärtig in Tempelhof beschäftigt. In 2001 erwirtschafteten sie ein Umsatzvolumen von „fast zwanzig Millionen Euro“. Im vergangenen Jahr sei es etwas weniger gewesen. „Insbesondere im Dekorationsbau ist das Auftragsvolumen zurückgegangen; es werden einfach weniger Fernsehshows produziert“, sagt der Geschäftsführer. Manche Formate wurden sogar eingestellt: „Der große Preis“ zum Beispiel und die Gerichtssendung „Streit um Drei“. Trotz dieser Verluste baut Klaus Dick auf die langjährigen Beziehung mit dem ZDF, aber auch zu Sat 1 und Produktionsfirmen wie Ziegler Film. Letztere produzierte hier die Unicef-Gala „Lachen tut gut“. Zurzeit würden auch schon neue ZDF-Piloten gedreht, und von den 15 Außendreh-Teams seien immerhin zehn unterwegs.

Die Strategie der BUF für die Zukunft heißt Modernisierung. In den vergangenen sechs Jahren hat das Unternehmen dafür insgesamt zwanzig Millionen Euro investiert. „Gerade unter diesen schwierigen Marktvoraussetzungen ist es notwendig, gezielt aber konsequent den Ausbau und die Modernisierung voranzutreiben“, sagt Klaus Dick. Es wurden zum Beispiel neue digitale Sound-Design-Studios sowie ein weiteres Bürogebäude für Produzenten gebaut. Vor einigen Jahren kam mit der BCB Broadcasting Center Berlin ein Tochterunternehmen hinzu, das die Verantwortung für die Fernsehproduktionstechnik der Studios trägt. „Damit haben wir unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert und das festigt unsere Position für die Zukunft“, ist sich Klaus Dick sicher.

Dass sich die Bedingungen für den gesamten Standort Deutschland verbessern, dafür setzt Klaus Dick sich als Vorstandsmitglied des Verbandes der technischen Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) ein, zu der neben der BUF unter anderem die Bavaria Film GmbH, die Studio Babelsberg und die Firma Studio Hamburg gehören. „Ein Problem der Branche ist, dass immer mehr von der deutschen Filmförderung unterstützte Produktionen im Ausland gedreht werden“, sagt Klaus Dick. Etwa in Polen oder in Tschechien. „Der VTFF fordert deshalb, dass 80 Prozent des Umsatzes geförderter Produktionen im eigenen Land umgesetzt werden.“ Ähnliche Klauseln gäbe es auch in anderen Ländern. Zur Stärkung des Medienstandortes Berlin-Brandenburg hat sich die BUF, gemeinsam mit den Konkurrenten in Adlershof und Babelsberg, zur Production.net, einem Marketingbündnis der Produktionsdienstleister, zusammengeschlossen.

Auf die Problematik und Regeln der Medienbranche stimmt er auch schon den Nachwuchs ein. Klaus Dick ist Dozent für Medienwirtschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolff“. – „Ich sage ihnen, dass sie nicht in Schablonen denken sollen.“

Berliner Union-Film GmbH & Co Studio KG

Oberlandstraße 26 - 35 (Tempelhof).

Telefon: 757 82 - 0

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!