Zeitung Heute : Der Mann hinter... Britney

Mit 13 kam die Sängerin an der Hand ihrer Eltern zu ihm. Da war er ein gefragter Anwalt in New York. Nun ist Larry Rudolph ihr Manager.

Ulf Lippitz

Larry Rudolph hat nie darum gebeten, der Manager von Britney Spears zu werden. Sie hat ihn angefleht, den Job zu übernehmen. Erst einmal habe er nein gesagt, erzählt der Jurist. Das war 1999, Britneys erste Single „Hit Me Baby, One More Time“ kletterte gerade die amerikanischen Single-Charts empor. Rudolph war bereits ihr Anwalt, hatte ihr den Plattenvertrag ausgehandelt – deshalb vertraute sie ihm. Er stellte ihr andere Manager vor, sie lehnte alle ab. Sie wollte Larry Rudolph. Zwei Wochen redete sie auf ihn ein, bis er einwilligte. „Im Grunde tat ich bereits seit Jahren nichts anderes als sie zu managen und Entscheidungen für sie zu treffen“, sagt der Mann, der Britney Spears berühmt gemacht hat.

Jetzt muss alles über seinen Tisch: ob Madonna die junge Popsängerin küssen, wer mit dem Konterfei werben und welcher Produzent mit ihr aufnehmen darf. Jüngstes Beispiel: der Videoclip zur Single „Everytime“. Die 22-Jährige hatte schon viel gefilmt: Teenager-Probleme, Strandsex, Spionage-Action, Karriere-Frust. Jetzt fühlte sie sich alt genug, endlich mal zu sterben. Larry Rudolph fand, die Idee passe zum neuen erwachsenen Image, schrieb die Geschichte und fragte den Fotografen David La Chapelle, ob er den Clip drehen würde. Wochen später bestimmte der mediale Selbstmord von Britney die Schlagzeilen der Boulevardpresse.

Was macht den 40-Jährigen so unersetzbar für die Pop-Prinzessin – und warum wurde Britney von ihm „abhängig“, wie er es formuliert? Rudolph hat einen guten Instinkt für die Branche, spielte selbst Schlagzeug in einer Band, bevor er sich entschied, Jura zu studieren. Ganz wollte er die Musik aber doch nicht aufgeben, also spezialisierte er sich nach dem Examen auf die Industrie, als er 1993 eine Kanzlei in seiner Heimatstadt New York eröffnete. Dort wurde Rudolph schnell zum gefragten Anwalt, vertrat harte Rapper wie DMX und Ghostface Killah, als Britney Spears 1995 zum ersten Mal in sein Büro trat. Die 13-Jährige kam in Begleitung ihrer Eltern und eines Produzenten, der einen Deal mit dem Teenager aufsetzen wollte. Rudolph lehnte ab. „Das war nicht seriös“, sagt er.

Die Ehrlichkeit überzeugte die Eltern, ein paar Wochen später kehrten sie mit Britney zurück – ohne Produzent. Das Treffen verlief holprig, der Kinderstar aus der Fernsehshow „Mickey Mouse Club“ stammelte nur. „Britney war so schüchtern, dass es fast weh tat“, erinnert sich Larry Rudolph. „Sie sah mir nicht in die Augen, wenn sie meine Fragen beantwortete.“ Erst als er ein Video der von ihr mitmoderierten und gerade abgesetzten Sendung anguckte, entdeckte er „ein Talent, das ich so nicht hatte sehen können“. Also sagte er zu, sie zu vertreten und zu beraten.

Der erste Rat tat weh: Britney sollte warten mit dem Einstieg ins Musikgeschäft. Pop war Mitte der Neunziger aus der Mode, Hip-Hop und Hardrock waren bei US-Teenagern beliebt. Britney ging zwei Jahre lang in Louisiana auf die Schule, ihre Eltern konferierten einmal im Monat mit Rudolph über den richtigen Zeitpunkt für den Karrierestart. Anfang 1997 standen die Zeichen endlich gut. Die Backstreet Boys eroberten den amerikanischen Markt, die Spice Girls brachen alle Verkaufsrekorde – und das Produkt Britney Spears wurde Managern und Produzenten angeboten.

Einer griff sofort zu: Lou Perlman, gerade gefeuerter Manager der Backstreet Boys. Er plante eine Girl Group, in der Britney singen sollte: „Innocence“. Als Rudolph davon hörte, sagte er nur: „Mach ein Demo, komm nach New York und gib uns zwei Wochen Zeit.“ Das war der beste Rat, den er seinem Schützling je gegeben hat, so glaubt er heute. Damals kristallisierte sich ein Interesse an einem Solo-Vertrag heraus – und Larry Rudolph empfahl Britney, das Angebot Perlmans abzulehnen. Die Band „Innocence“ wurde nie gegründet.

Zweimal hatte Rudolphs Instinkt gestimmt. Britney wurde zum globalen Superstar, er avancierte zur Vaterfigur. Rudolph rühmt sich noch heute, dass er der Einzige war, der eine Vision von ihrer Karriere hatte. Er verhalf ihr zum Plattenvertrag mit dem Backstreet-Boys-Label „Jive Records“, setzte einen Millionen-Deal mit Pepsi auf und gründete eine Produktionsfirma, die das Leinwand-Debüt „Crossroads“ drehte. Als sie 2002 ihr New Yorker Restaurant „Nyla“ öffnete, testete Rudolph die Gerichte für sie. „Er weiß, was ich mag“, sagte sie.

Die Arbeit mit der Sängerin nahm einen solchen Umfang an, dass Rudolph im letzten Sommer seine Kanzlei schließen musste. Heute betreibt er eine Management-Firma, telefoniert zwei Mal täglich mit Britney und verfolgt eine zusätzliche Karriere als Fernsehproduzent. Auf MTV läuft bereits die von ihm entwickelte Serie „Newly Weds“, die das junge Eheleben von Sängerin Jessica Simpson und Nick Lachey als Reality-Soap dokumentiert. Außerdem plant er eine Fernsehserie über die Europa-Tour von Britney Spears, die im Sommer starten soll. Ein Leben ohne Britney Spears? „Das gibt es nur am Strand", sagt Rudolph. „Wenn ich einen Cocktail mit Schirmchen in der Hand habe und es keinen Mobilfunkempfang gibt.“

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