Zeitung Heute : Der Mann hinter den Büchern

53 000 Mitarbeiter in 26 Ländern beschäftigt die Dussmann-Gruppe. Thomas Greiner leitet sie seit 2007. Früher hat er Filme produziert

Rita Nikolow

Er leitet ein Familienunternehmen, obwohl er gar nicht zur Familie gehört: Thomas Greiner ist seit zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Dussmann-Gruppe. Wie er das geschafft hat, erklärt der 54-Jährige so: „Ich habe zehn Jahre lang eng mit dem Unternehmensgründer Peter Dussmann zusammengearbeitet, in dieser Zeit haben wir uns gut kennen gelernt.“ Zusammengefasst sei er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen – und habe die richtige Vertrauensbasis gehabt.

Ohne diese Voraussetzungen wäre es wohl schwierig, bei einem „Multidienstleister“ wir Dussmann den Überblick zu behalten. Denn zum Unternehmen der gehören neben dem KulturKaufhaus auch der Dussmann-Service – der Dienstleistungen rund um das Gebäudemanagement anbieten, also zum Beispiel technisches Management, Sicherheits- und Empfangsdienste oder Gebäudereinigung. Eine weitere Dussmann-Tochter heißt Kursana und verdient ihr Geld mit der Betreuung und Pflege von Senioren.

Dass sein Unternehmen so viele verschiedene Leistungen anbietet, ist für Thomas Greiner eine Absicherung – auch in der Krise: „Wir kommen nie mit allen Teilen gleichzeitig in Schwierigkeiten“, sagt er. Dussmann könne die Risiken abpuffern, da die Engagements auf vier Geschäftsbereiche und 26 Länder verteilt seien. Das vergangene Jahr sei das beste in der Unternehmensgeschichte gewesen.

Die Krise spüre das Unternehmen aber trotzdem: Weil einige der Kunden, die bei Dussmann Dienstleistungen gebucht haben, jetzt sparen – zum Beispiel an der Reinigung, dem Catering oder den Empfangsdiensten.

Thomas Greiner ist Schwabe, das ist unüberhörbar. Und er stammt wie Peter Dussman aus Rottweil am Neckar. Geprägt hätten ihn vor allem seine Eltern, die selbst Unternehmer gewesen seien und eine kleine Kette von Lebensmittelläden betrieben. „Da bekommen sie als Kind schon sehr viel mit“, sagt Greiner. Und er erinnert sich auch daran, dass seine Eltern auch am Wochenende viel gearbeitet haben. An zwei Sonntagen im Monat sitzt auch der Vorstandsvorsitzende in seinem Büro in der Friedrichstraße, das über den vielen Büchern und CDs des Kultur-Kaufhauses liegt. Angst vor dem Burnout-Syndrom hat Greiner nicht: „Ich arbeite 50 bis 60 Stunden in der Woche, habe aber auch viele Interessen, die über den Job hinaus gehen. Ich glaube, man ist dann in Gefahr, wenn man nur noch den Beruf hat.“

Aber viel zu arbeiten, dass hat ihn schon sehr früh glücklich gemacht. Deshalb, sagt Thomas Greiner, habe er sich auch gegen Kinder entschieden: „Ich finde es peinlich, wenn Leute in Top-Positionen im Rückblick sagen, sie hätten gerne mehr Zeit für ihre Kinder gehabt.“ Er selbst habe früher Jugendfreizeiten geleitet, und schon damals gemerkt, dass Kinder und Jugendliche einfach viel Zeit brauchen.

Wärend seines Studiums der Jura, Politik, Pädagogik und Psychologie, auf das er später durch ein BWL-Aufbaustudium ergänzte, hat Thomas Greiner auch eine kleine Unternehmensberatung gehabt, die „You“ hieß und sich auf jugendliche Zielgruppen konzentriert hat. Und er hat Filme produziert, bei denen sein langjähriger Freund Dieter Funk Regie geführt hat, der ebenfalls in Berlin lebt – und hier die Joseph-Roth-Diele und den Devotionalienladen „Ave Maria“ betreibt. Damals hat Funk durchaus prominente Schauspieler vor der Kamera gehabt, unter anderem Otto Sander und Martina Gedeck. „Und ich habe geschaut, dass das Budget eingehalten wird, und die Aufnahmeleitung gemacht“, sagt Thomas Greiner, den man sich immer weniger beim Nichtstun vorstellen kann.

Aber auch ein Vorstandsvorsitzender hat freie Wochenenden. Die verbringt Thomas Greiner regelmäßig auf Usedom – ein- bis zweimal im Monat.Und er liest gerne, und geht in die Oper. Abends, bevor er seine Arbeitsstätte verlässt, schaut er häufig noch im Kultur-Kaufhaus vorbei. Wo er sich in den vergangenen Wochen einen Woody-Allen-Film gekauft hat, außerdem ein Buch über italienische Esskultur – und sämtliche Puccini-Opern.

www.dussmann.com

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