Zeitung Heute : Der Mann hinter... Elton John

David Furnish hat in einer Dokumentation viel über seinen Freund verraten. Der fand’s gut: Jetzt wollen die beiden heiraten.

Ulf Lippitz

Die Klatschspalten beherrscht Elton John im Augenblick noch mehr als die Hitlisten. Zwar hat der Brite nach 200 Millionen verkauften Platten und 35 Karrierejahren gerade das neue Album „Peachtree Road“ veröffentlicht, den Bambi für seinen Kampf gegen Aids entgegengenommen und ist gestern Abend bei Thomas Gottschalk aufgetreten – aber eine Nachricht verdrängt alle anderen: dass der 57-jährige Popstar nun doch seinen langjährigen Lebenspartner, den Filmproduzenten David Furnish heiraten will.

Schon Anfang des Jahres kursierten Gerüchte über eine Hochzeit. Damals wurde in den USA gerade heftig über die Homo-Ehe debattiert und die Eheschließungen von Schwulen und Lesben in einigen Bundesstaaten. Sir Elton erklärte, er werde dem Beispiel folgen, dann kam der Widerruf, schließlich meinte er, er wolle die Legalisierung in seiner Heimat abwarten. Jetzt hat das britische Unterhaus beschlossen, eingetragenen homosexuellen Partnerschaften den Weg zu ebnen. Im Februar will Elton John David Furnish in einer stillen Zeremonie heiraten.

Der 42-jährige Kanadier ist der Mann, dem die Welt die wohl ehrlichsten Bilder über den einstigen Drogen- und Alkohol-Abhängigen Elton John verdankt. In der Dokumentation „Tantrums and Tiaras“ („Wutanfälle und Tiaras“) von 1997 zeigte Furnish, zu welchen Ausbrüchen der Sänger fähig ist, wenn seine Garderobe einmal zu spät geliefert wird. „Elton John ist obsessiv und zwanghaft“, diagnostiziert ein Psychotherapeut im Film, und Elton John selbst erklärt, warum er keine romantischen Strandspaziergänge mag: So allein am Meer, das sei ihm zu einsam.

Ein Anfall von Einsamkeit führte auch zur ersten Begegnung der beiden. Es war Halloween 1993, der Sänger langweilte sich, fühlte sich allein in seiner großen Villa in Windsor. Also trommelte er Freunde für ein spontanes Fest zusammen; sie sollten ruhig Bekannte mitbringen. David Furnish war einer von ihnen. Der Kanadier arbeitete seit 1989 in London als Manager einer renommierten Werbeagentur, war das jüngste Mitglied in deren Vorstand und kein großer Elton-John-Fan. Als selbstverliebten Exzentriker stellte er sich den Sänger vor – und lernte einen umgänglichen älteren Herrn kennen. Die beiden tauschten Nummern aus, Elton John rief schon am nächsten Abend an, das erste Rendezvous wurde vereinbart, beider Leben veränderte sich schnell – auch optisch: Elton John trug einen Beziehungsring von Designer Alexander McQueen am Finger, Furnish trug plötzlich Anzüge von Versace.

Seither plagt ihn nur eine Angst: als Puppe an der Seite des Stars betrachtet zu werden. Umso mehr Wert legt er auf seine Eigenständigkeit. Als Produzent der gemeinsamen Filmfirma Rocket Pictures ist er es, der das letzte Wort hat. Für den Endschnitt an der Dokumentation über John verweigerte er dem Protagonisten jede Möglichkeit des Einspruchs. Die Mühe zahlte sich aus: Der Film wurde 1997 sogar für einen BAFTA nominiert, den britischen Oscar.

Sein zweites Projekt finanzierte David Furnish aus eigener Tasche. Der Spielfilm „Women Talking Dirty“ kostete ihn 1999 allerdings seine gesamten Ersparnisse. Das Einspielergebnis war eher dürftig.

In jedem Interview betont Elton John, dass David die Liebe seines Lebens sei, der Ruhepol seines Schaffens. Durch ihn sei er ein ausgeglichener Mensch geworden. Furnish mag nicht viele Prominente um sich, gilt als ausgesprochen diskret und offen zugleich. Zusammen mit John ist er Pate des Kindes von Schauspielerin Liz Hurley und von Brooklyn Beckham, dem Sohn von Fußballer David und Ex-Spice-Girl Victoria Beckham.

Kostspielige Liebesschwüre untermauern Elton Johns Dankbarkeit. Den 40. Geburtstag von Furnish beging eine ausgesuchte Gesellschaft in einem venezianischen Palazzo – Sting sang, die Beckhams applaudierten und Donatella Versace gratulierte. In Las Vegas ließ Elton John zum Valentinstag 99 riesige Luftballons in Form roter Rosen aufsteigen. Bei Bentley bestellte der Sänger gleich zwei identische Autos, beide mit Lenkrad-Heizung – eins für sich, eins für seinen Freund.

Kitsch as Kitsch can: Das Paar weiß Dekadenz mit Gemeinsinn zu verbinden. Für ihren rauschenden „White Tie & Tiara Ball“ müssen die geladenen Gäste Eintritt zahlen; dieses Jahr sangen Bryan Adams und Mary J. Blige auf dem alljährlich im Juli stattfindenden Fest, Gewinne werden versteigert. Die Gastgeber spenden die eingegangenen Erlöse der eigenen Aids-Stiftung. Geschäftsführer der Organisation: David Furnish.

Demnächst werden Furnish und Elton John auch beruflich noch enger verbunden sein. Rocket Pictures plant einen Spielfilm über das Leben Elton Johns in den 70er Jahren. Allerdings hat Furnishs Wunschkandidat, der Popsänger Justin Timberlake, die Hauptrolle schon abgelehnt. In dem Film soll es um die Drogenprobleme und Sexeskapaden des Sängers gehen, seine Unausgeglichenheit und den Hang zur Selbstzerstörung. Elton John hat es heute besser. Im Hinblick auf die Hochzeit meinte er: „Ich bin so glücklich wie nie zuvor.“

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