Zeitung Heute : Der Masken-Mörder

Der Tagesspiegel

Der Täter ist der Kanzler. Der Mann trägt einen grünen Kittel, aber es ist unverkennbar Gerhard Schröder. Kastanienbraune Haare, kantiger Schädel, steht er plötzlich in einem Hinterzimmer von Karstadt am Hermannplatz, fuchtelt wild mit einer Pistole durch die Luft und zwingt den Geschäftsführer und ein paar Sekretärinnen, sich auf den Boden zu legen. Natürlich ist es nicht wirklich Schröder – was müssten die beiden SFB-Kommissare dann noch groß ermitteln? Der Räuber hat sich nur eine Schröder-Gummimaske übergezogen. Immer nervöser wird er, schließlich schießt er eine Kassiererin nieder. Hätte sich nicht der Haustechniker als Geisel angeboten, es hätte ein Blutbad gegeben.

Aber es sind nicht nur die paar Karstadt-Mitarbeiter, die Jürgen Tarrach, der den Haustechniker spielt, in „Zahltag" (ARD, 20 Uhr 15) gerettet hat. Er rettete den Ruf des SFB-Tatortes. Vor vier Jahren hatte er seinen Tiefpunkt. Damals war eine der Folgen des Ermittler-Duos Winfried Glatzeder und Robinson Reichel nicht nur, wie sonst, belanglos, sondern derart missraten, dass die ARD sie von Sonntag, 20 Uhr 15, auf Montag, 23 Uhr, verlegte. So was gab es noch nie. Die Kommissare wurden suspendiert. Zwar hat der SFB in der Zwischenzeit ein neues profiliertes Polizisten-Team gefunden: Dominic Raacke und Boris Alijnovic. Doch die Krimi-Geschichten blieben langweilig.

Diesmal geht es rasant los: Der falsche Schröder flüchtet, den Haustechniker mit gezogener Waffe vor sich hertreibend, über die Feuertreppe des Kaufhauses. Und es wird noch spannender: Der Haustechniker verfolgt, einen Tatort-Kommissar gefesselt im Kofferraum, den Masken-Mann. Dass aber keiner widersprach, als Dominic Raacke nach der Pressevorführung sagte: „Wir wollen eines der besten ,Tatort’-Teams des Landes werden", das lag an Jürgen Tarrach. Tarrach, der der Figur des ein wenig naiven, sehr gutmütigen Haustechnikers so viel Charme und Leben verlieh. Die beiden Kommissare spielte Tarrach an die Wand, aber egal. Am Freitag hat Tarrach für die Hauptrolle im Film „Wambo", der die Lebensgeschichte des Schauspielers Walter Sedlmayr nachzeichnet, den Grimme-Preis bekommen. In „Zahltag" zeigt er, dass er den Preis verdient hat. Barbara Nolte

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